SWR2 Kultur Aktuell

Arte-Doku zeigt Lebensweg des Designers: Wie Gianni Versace zum Modekönig wurde

4 min · 5. juni 2026
episode Arte-Doku zeigt Lebensweg des Designers: Wie Gianni Versace zum Modekönig wurde cover

Description

FASZINATION FÜR MODE SEIT DER KINDHEIT Gianni Versace schien für die Modewelt prädestiniert zu sein: Seine Mutter Francesca Versace zählte seit den 1950er-Jahren zu den bekanntesten Schneiderinnen Kalabriens, der Heimat des Modemachers. Nach dem Abitur stieg Versace in das Familiengeschäft ein und war dort unter anderem für den Einkauf von Stoffen verantwortlich. Damals war der Name „Versace“ noch ein lokales Phänomen. Die Essenz der Ästhetik, die Gianni Versace später zu einem den größten Designer der Welt machen sollte, findet sich in dem, was ihn damals täglich umgab: Das Meer, das Licht und die Kleider der Fischerinnen. > Das waren energische Frauen. Mit diesen Kleidern, diesem Faltenrock und dem hohen Mieder. Mit ihrem Korb, mit ihren wogenden Röcken, die als eine Art Gegengewicht für die Körbe dienten, die sie auf dem Kopf trugen. > > > Quelle: Nation Chirico, Jugendfreund von Gianni Versace VERSACES MODE WAR SEX UND POWER Die luftigen Kleidern hatten sich auf dem Höhepunkt seines Erfolges in knallige, extravagante, neobarocke Mode verwandelt. Versace stand für harte Kombinationen aus Leder und Seide, überdimensionierte goldene Sicherheitsnadeln an Kleidern, die provokant Busen und Beine betonten. Nach nicht einmal zwei Jahrzehnten an der Spitze eilte eine Schreckensnachricht durch die Modewelt: Mit gerade einmal 50 Jahren war Gianni Versace am 15. Juli 1997 vor seiner Villa in Miami Beach ermordet worden. Der Täter der 27-jährige Callboy und Serienmörder Andrew Phillip Cunanan, der kurz darauf Suizid beging. Versaces jüngere Schwester Donatella übernahem das Geschäft. Sie holte „Versace“ aus der Krise, in der sich das Unternehmen nach dem Tod ihres Bruders befand. Erst Anfang des vergangenen Jahres gab sie ihren Posten als Kreativdirektorin auf. VERSACE BLEIBT RÄTSELHAFT Gianni Versaces Vermächtnis begeistert bis heute. Aber wie wurde aus diesem sensiblen, feinsinnigen, seiner Heimat verbundenen Träumer ein Modegigant mit einem riesigen Imperium? Diese Frage wird in der Doku zwar klug bebildert, aber nicht beantwortet. Immerhin bietet die Doku Ansätze zum Werdegang Versaces: Etwa, dass der Modemacher alternativ Musiker geworden wäre und viel Wert auf Hochkultur legte. Was bleibt, ist neben dem Eindruck schöner Bilder ein Rätsel – so oberflächlich und tiefgründig wie die ewigen Kreisläufe der Mode selbst. Immerhin dürfte ein nicht all zu genauer Blick im Sinne des Modeschöpfers gewesen sein. Dieser hatte zu Lebzeiten betont, dass ihn das Vergangene langweile: „Ich glaube, ich möchte für das in Erinnerung bleiben, was ich morgen machen werde.“ „Versace: Imperium der Träume“ aktuell in der arte-Mediathek. TV-Ausstrahlung am Freitag, 26. Juni um 22:30 Uhr

Comments

0

Be the first to comment

Sign up now and become a member of the SWR2 Kultur Aktuell community!

Get Started

1 month for 9 kr.

Then 99 kr. / month · Cancel anytime.

  • Podcasts kun på Podimo
  • 20 lydbogstimer pr. måned
  • Gratis podcasts

All episodes

10936 episodes

episode Theaterspektakel zum Saisonabschluss in Mannheim: Parforceritt durch die griechische Mythologie artwork

Theaterspektakel zum Saisonabschluss in Mannheim: Parforceritt durch die griechische Mythologie

RIESIGE COLLAGE VON KOMÖDIEN, TRAGÖDIEN UND SAGEN In dieser Inszenierung treten wirklich alle auf: Perseus und die Erinnyen, Ödipus und Medea, Herakles und Aphrodite, Elektra, Odysseus,  und und und … „Kampf der Titanen“ ist eine riesige Collage, ein Mashup, eigentlich ein Parforceritt durch die gesamte griechische Mythologie. Das heißt, wir beschäftigen uns nicht nur mit den Komödien und Tragödien der antiken Autoren, sondern auch mit den griechischen Sagen“, so Olivia Ebert, Dramaturgin am Nationaltheater Mannheim. Verhandelt wird das Menschsein an sich, die ewige Verstrickung von Liebe und Hass, die ewigen Kämpfe um Gerechtigkeit und Rache. Doch auch wenn viele Textpassagen aus Klassikern stammen: Was in Mannheim über die Bühne geht, will weniger tiefschürfende Inszenierung als vielmehr trashiges Spektakel sein.  Wegen der Generalsanierung des Theaters geht das Ganze in der derzeitigen Ersatzspielstätte für das Schauspiel, dem Alten Kino Franklin, über die Bühne. KOSTÜM UND BÜHNENBILD ZU 90 PROZENT RECYCELT Der Kampf zwischen Patroklos und Hektor etwa wirkt wie eine Slowmotion-Szene aus einem Comic – Vorbild ist hier der 80er-Jahre-Trickfilmklassiker „Clash of the Titans“ – die Götter leben in einer WG und haben coole Sprüche auf den Lippen. Die Kostüme reichen von klassisch bis schräg und dem Bühnenbild haftet etwas Improvisiertes an. Olivia Ebert: „Das Besondere ist auch, dass Kostüm und Bühnenbild zu 90 Prozent recycelt sind, die Künstler sind durch den Fundus gegangen, es werden alte Opern-Bühnenbilder verwendet, alles ist cyanblau und magentapink angemalt, so eine sehr fantasievolle Interpretation von Antike.“ Eine weitere Besonderheit: Das Publikum soll hier nicht die ganze Zeit sitzen bleiben, sondern kann aufstehen, herumwandern und Pausen nach Belieben machen. Eine Art Box-Ring bildet die zentrale Bühne. Hier geht es etwas konzentrierter um die drei Tragödien Bakchen, Ödipus, Antigone. THEATER ALS EIN FEST ZU EHREN VON DIONYSOS, DEM GOTT DES RAUSCHES Ansonsten passiert vieles gleichzeitig in den Rauminstallationen hinter der Bühne: einem Käfig für Prometheus, einem Auto für die Irrfahrten des Odysseus, einer Kammer, in der Kassandra für das Publikum Tarotkarten legt. Die Dauer des Ganzen: vier Stunden in der kurzen und sechs Stunden in der sogenannten „Extended Version“.  Vielstündige Antikeninszenierungen haben in den letzten Jahren in anderen Städten für große Furore gesorgt: Dionysos in München und Anthropolis in Hamburg. Mannheim will es wilder und popkultureller machen, aber auch hier geht es um den Bezug zur Antike und die Anfänge der Demokratie.   Olivia Ebert: „Das interessiert natürlich immer wieder, dass in der Antike die Theaterstücke ja als Wettbewerb und mehrtägiges Fest gezeigt wurden, eingebettet in eine Feier zu Ehren von Dionysos. Und Dionysos ist der Gott des Rausches, der Ekstase und des Theaters.“

10. juli 20263 min
episode Künstliche Intelligenz kein Therapie-Ersatz –Freiburger Psychologe: „KI kann nur die Illusion von Empathie erzeugen“ artwork

Künstliche Intelligenz kein Therapie-Ersatz –Freiburger Psychologe: „KI kann nur die Illusion von Empathie erzeugen“

Therapie-Plätze werden weniger, Psychotherapeuten verdienen weniger – und der Bedarf an Hilfe in psychischen Krisen wächst zunehmend. Insofern ist es nur logisch, dass in vielen Fällen auch Künstliche Intelligenz als Hilfe in Anspruch genommen wird, erklärt Dr. Tobias Kleinert vom Lehrstuhl für Biologische Psychologie an der Uni Freiburg im Gespräch mit SWR Kultur. Aber: „Menschliche Seelsorger können wahrhaftig und wirklich nachempfinden, was wir fühlen.“ Das könne eine KI nur imitieren. Es wäre ein großer Fehler, menschliche Therapie durch künstliche Therapie zu ersetzen, so Tobias Kleinert: „Die KI hat keine Psychotherapie-Ausbildung“. Hunderte Experten beraten ab 8. Juli beim 23. Weltkongress der Telefonseelsorge in Budapest unter dem Motto „The human touch“ darüber, wie KI sinnvoll in der Telefonseelsorge eingesetzt werden kann.

10. juli 20267 min
episode Georg-Büchner-Preis 2026 für Christine Wunnicke: Eine gute Wahl? artwork

Georg-Büchner-Preis 2026 für Christine Wunnicke: Eine gute Wahl?

GEORG-BÜCHNER-PREIS GEHT AN AUTORIN CHRISTINE WUNNICKE Es ist mit dem Büchner-Preis wie mit allen großen Preisen: Stets gibt es mehr geeignete Kandidatinnen und Kandidaten, die schon längst einen Preis verdient gehabt hätten, als es Auszeichnungen gibt. Der mit 50.000 Euro dotierte Büchner-Preis, den die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung vergibt, gilt nach wie vor als die bedeutendste literarische Auszeichnung im deutschsprachigen Raum.  EINE ÜBERRASCHUNG, KEINE ÜBERRASCHUNG? Dass er am 24. Oktober an die 1966 in München geborene Schriftstellerin Christine Wunnicke überreicht werden wird, ist so gesehen eine Überraschung und dann doch auch wieder nicht. Die Akademie hat sich in den vergangenen Jahren immer wieder für eher am Rand des Literaturbetriebs stehende Preisträgerinnen und Preisträger entschieden; man denke nur an den in seinem Schreiben auf den ersten Blick nahezu unverständlichen Oswald Egger [https://www.swr.de/kultur/literatur/oswald-egger-oskar-fiala-und-das-prinzip-der-kleinsten-wirkung-100.html].  TEXTE WIE KUNSTHANDWERK Das trifft auf Christine Wunnicke, die Büchner-Preisträgerin des Jahres 2026, nicht zu. Leicht zugänglich sind ihre stets schmalen und fein konzipierten Romane dennoch nicht. Genauer gesagt: Unter der Oberfläche gibt es stets ein großes System aus Referenzen, Verweisen und Anspielungen. Christine Wunnicke ist eine Autorin mit einer großen Anhängerschaft in den Feuilletons:  Für ihren Roman „Die Dame mit der bemalten Hand“ wurde sie 2020 bereits mit dem Wilhelm-Raabe-Preis ausgezeichnet. Eher skeptische Leser ihrer Bücher wittern in den fein ziselierten Wunnicke-Texten gelegentlich eine Nähe zum Kunsthandwerk.  BLICK FÜR DAS ABSEITIGE Aber: Wunnicke hat einen Blick für das Abseitige. Auch ihr letzter Roman „Wachs“ [https://www.swr.de/kultur/literatur/bestenliste-2025-03-03b-102.html], mit dem sie im vergangenen Jahr auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis stand, spielt im 18. Jahrhundert.  Marie Marguerite Bihéron ist die reale Hauptfigur des Romans. Geboren 1719 in Paris als Tochter eines Apothekers, studierte sie Illustration, begann aber bereits in sehr jungen Jahren, sich mit Anatomie zu beschäftigen und Leichen zu sezieren.  Bihéron entwickelte in der Technik von Wachsmodellationen von Organen und Körpern ein Können, das sie zur Künstlerin machte.  ERFUNDENE FAKTEN Christine Wunnicke, die ausgesprochen öffentlichkeitsscheu ist, wehrt sich gegen die Zuschreibung, eine Verfasserin historischer Romane zu sein. Man könne ihr nichts von alldem glauben, was sie in ihre Bücher hineinschreibe, sagte sie in einem ihrer seltenen Interviews.  [https://www.swr.de/kultur/musik/gast-im-studio-die-schriftstellerin-christine-wunnicke-treffpunkt-musik-2026-03-07-100.html] Die Auszeichnung mit dem Büchner-Preis ist auch in dieser Hinsicht ein klares Statement gegen literarische Trends und Moden, allen voran die der Autofiktion. Bei dieser Preisträgerin sind – in der Literatur ist alles erlaubt – selbst die vermeintlichen Fakten erfunden.

10. juli 20262 min