Basel Social Club: Die spannendste Kunst der Art Basel gibt es nicht auf der Messe
SZENE-HOTSPOT WÄHREND DER ART BASEL
Ein leerstehendes Bürohaus, nur einen Steinwurf vom Bahnhof Basel entfernt. Wo früher Aktenordner standen, hängen jetzt Kunstwerke. In Büroräumen, Toiletten, Abstellkammern und Innenhöfen. Hier ist in diesem Jahr der Basel Social Club. Vor vier Jahren noch Geheimtipp, heute international gefeierter Szene-Treffpunkt.
Während draußen die Art Basel läuft, entsteht in dem ehemaligen Bürokomplex für sechs Tage ein alternativer Kunstraum. Auch in diesem Jahr bestimmt der Ort das Programm. Es geht um unsere moderne Arbeitswelt, sagt Yael Salomonowitz, Mitgründerin des Projekts: „Wenn Büroräume wegfallen und Arbeit und Freizeit zu einem werden, wird Arbeit immer mehr zum Teil unseres Lebens – im Urlaub, auf dem Handy, die ganze Zeit.
PSYCHO-SESSIONS UND BOTOX FÜR DIE SELBSTOPTIMIERUNG
Was passiert, wenn Arbeit und Leben nicht mehr zu trennen sind? Auf vier Stockwerken kreisen die Arbeiten von Kunst-Stars und Newcomern aus aller Welt um die Leistungsgesellschaft, um Mental Health und Selbstoptimierung.
Doch der Social Club ist mehr als Ausstellung. Er ist Begegnungsort. Es gibt Bars, Bistros, sogar ein Fitnessstudio. Nebenan im Welfare-Bereich spielen Musiker des Luzerner Sinfonieorchesters live eine Platte ein. Ein Stockwerk höher bietet eine Psychologin persönliche Beratungssessions. Und ständig die Frage: Ist das jetzt Performance – oder ernst gemeint?
„WAS IST KUNST UND WAS IST NICHT KUNST?“
Hinter einer unscheinbaren Tür liegt die wohl absurdeste Station dieses Parcours: eine Botox-Bar, wo ein echter Arzt Injektionen setzt.
„Es kommen immer mehr Leute. Viele sind ein bisschen scheu, den Raum zu betreten, weil es auch sehr klinisch aussieht“, erzählt der plastische Chirurg aus Zürich. „Es war auch in der ursprünglichen Bestimmung das Zimmer eines Betriebsarztes, das sieht man auch noch an der Einrichtung.“
GRENZENLOSER KUNST-KOSMOS VOLLER SKURRILITÄTEN
Die Botox-Behandlung ist Teil des Konzepts, sagt Hannah Weinberger: „Wir lieben es, Dinge zu überspitzen. Und Selbstoptimierung ist ein Thema, das wir stark mit dem Büroalltag in Verbindung bringen.“ Die Künstlerin und Kuratorin gehört wie Yael Salomonowitz zum Gründungsteam.
„Basel Social Club ist eine Brücke zwischen Kunst und Leben. Was ist Kunst und was ist nicht Kunst?“, sagt Salomonowitz.
Das zu unterscheiden ist an diesem Ort fast unmöglich. Stundenlang wandelt man durch die Gänge dieses schier grenzenlosen Kunst-Kosmos, bleibt an Skurrilitäten hängen, stolpert über subversive Installationen. Abends wird die Tiefgarage des Gebäudes zum Club, mit Performances und DJ-Sets bis in die Nacht.
KUNST OHNE SCHWELLENANGST, KOSTENLOS FÜR ALLE
Der Social Club ist vielleicht der einzige Ort während der Art Basel, wo wirklich alle zusammen kommen: Sammlerinnen, Galeristen, Messeprofis, aber auch Familien aus Basel, Touristen und nicht zuletzt die lokale Kunstszene.
„Wir sind ein sehr kleines Team, wir machen das alle nicht hauptberuflich. Es ist wirklich Labor of Love,“, so Yael Salomonowitz. Das Ziel ist Kunst ohne Schwellenangst. Der Eintritt ist kostenlos.
Noch jedenfalls. Seit dem Start im Jahr 2022 wächst der Basel Social Club jedes Jahr: von einer leerstehenden Villa über eine verlassene Mayonnaisen-Fabrik bis zum Bürohochhaus. An den Andrang haben sich die Kuratorinnen zwar schnell gewöhnt.
DIE KOSTEN STEIGEN MIT DEM ANDRANG
„Wir müssen ja auch überleben und sind total unkommerziell aufgestellt. Aber die vielen Menschen, die kommen, das Personal, das wir brauchen um den Schutz der Besuchenden als auch den der Werke zu gewährleisten: Diese Kosten sind enorm.“
Wie lange das Konzept so noch funktioniert, wissen die Organisatorinnen selbst nicht. Sicher ist nur: Der nächste Basel Social Club wird wieder ganz anders aussehen.
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