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Und nun zum Wetter

11 min · 29. Juni 2026
Episode Und nun zum Wetter Cover

Beschreibung

Früher hieß es immer, dass die Regierung die mittlerweile kurzen Zeiträume, in denen die deutsche Fußballnationalmannschaft bei Europa- oder Weltmeisterschaften im Fokus des Interesses steht, ausnutzt, um dem Volk besonders bittere Gesetze unterzujubeln. In diesem Jahr waren dies wohl die Pläne der Rentenkommission, die Rainer Heyse für die NachDenkSeiten kunstvoll seziert hat [https://www.nachdenkseiten.de/?p=152855]. Debattiert wurden Weiterlesen [https://www.nachdenkseiten.de/?p=153054]

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Episode Klingbeil: „Man kann sich gegenüber Putin nicht mit der Schwarzen Null verteidigen“ – Verteidigen? Werden wir angegriffen? Cover

Klingbeil: „Man kann sich gegenüber Putin nicht mit der Schwarzen Null verteidigen“ – Verteidigen? Werden wir angegriffen?

„Dass wir Schulden machen, hat damit zu tun, dass wir unsere Bundeswehr aufrüsten, dass wir modernisieren. Man kann sich gegenüber Putin nicht mit der Schwarzen Null verteidigen. Wir wollen, dass unser Land 20 Jahre lang wenig Ausgaben an Rüstung aufholt.“ Mit diesen Worten [https://www.welt.de/videos/video6a4b2b70ad32e994f875cda7/verteidigung-man-kann-sich-gegenueber-putin-nicht-mit-der-schwarzen-null-verteidigen.html?wtrid=socialmedia.socialflow....socialflow_twitter] rechtfertigt der Finanzminister der Bundesrepublik Deutschland einen Ausgaben- und Schuldenexzess, der gerade im Haushaltsentwurfs 2027 festgeschrieben wurde. Wer die Worte des Sozialdemokraten hört, wundert sich: Warum denn gegen Putin „verteidigen“? Hat Russland Deutschland angegriffen? Und: Wer ist „man“ und wer ist „wir“? Diese Politik nimmt das Geld der Bürger, um gegen einen herbeifantasierten Feind aufzurüsten. Ihr eigenes Feindbild macht sie zum Feindbild des ganzen Landes. Ein Kommentar von Marcus Klöckner. Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar. Weil es gerade Mode ist: Nehmen wir an, es käme zu einem Krieg mit Russland. Wer würde dann kämpfen? Wer wäre „man“? Mit ziemlicher Sicherheit: Nicht Lars Klingbeil. Und bestimmt kein Politiker. Schon gar nicht all jene, die mit spitzer Zunge die Aufrüstungspolitik vorantreiben. „Man kann sich gegenüber Putin nicht mit der Schwarzen Null verteidigen“, sagt Klingbeil in einem Interview. Dem Finanzminister möchte man sagen: Aber mit der „Roten Null“ hat Deutschland im Krieg eine Chance gegen die Atommacht Russland, wie ein Nutzer der Plattform X anmerkt [https://x.com/MeierWerner44/status/2074359541731299830]. Klingbeil klingt mit seinen Worten wie jemand, der gerade die Weltformel der deutschen Öffentlichkeit präsentiert. Er hat Glück, dass der Journalist, der mit ihm spricht, nicht die Frage stellt, ob Russland Deutschland gerade angreift – denn diesen Eindruck vermittelt das Wörtchen „verteidigen“. Verteidigen setzt einen Angriff voraus. Aber alles ist friedlich. Es fliegen keine Raketen und keine Panzer rollen schießend durch das Land. Doch was kümmert die Politik die Wirklichkeit. Indes scheint die Formel von der Schwarzen Null beim Finanzministerium prima anzukommen. Das Ministerium hat das Zitat des Ministers prominent über den eigenen Kanal auf der Plattform X geteilt [https://x.com/BMF_Bund/status/2074165963272991188] – mit einer dazugehörigen Grafik, die veranschaulicht, wie die Ausgaben für das, was das Hohe Haus als „Verteidigung“ verstanden wissen will, aussieht. Von 108 Milliarden Euro im laufenden Jahr zu rund 154 Milliarden Euro 2028. Die Bundesregierung besitzt die Dreistigkeit, in einer eigenen Veröffentlichung zum Haushaltsentwurf die Überschrift zu setzen: „Etat im Zeichen von Wohlstand und Sicherheit“ [https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/bundeshaushalt-2027-beschlossen-2446026?enodia=eyJleHAiOjE3ODM0MTMwMTQsImNvbnRlbnQiOnRydWUsImF1ZCI6ImF1dGgiLCJIb3N0Ijoid3d3LmJ1bmRlc3JlZ2llcnVuZy5kZSIsIlNvdXJjZUlQIjoiOTEuMjE0LjY1LjIzNSIsIkNvbmZpZ0lEIjoiOGRhZGNlMTI1ZmQyYzM5MzJiOTQzYjUyZTlkMmNkNjUwNTc1NGUxNjIyMTJhMmNlMWJiNWFmMTVjMGQ0YmJmZSJ9.8FK4AeRMeL5t94kKqYjwY2wpltuWw6gdUy9j2Za-n0o=]. Oh nein! Nicht Wohlstand und Sicherheit sind das Ergebnis dieser Politik, sondern Unsicherheit und wirtschaftlicher Niedergang. In den Medien heißt es gerade: „Regierung will 25-Euro-Zuschlag für arme Kinder streichen [https://www.focus.de/finanzen/news/regierung-will-25-euro-zuschlag-fuer-arme-kinder-streichen_d451c786-f584-465e-8a72-289b0400a3d3.html]“. Das passt ins Bild. Titelbild: KI – erstellt mit Grok[http://vg07.met.vgwort.de/na/862e20eddcc9483b82110cde525a9d3c]

8. Juli 20263 min
Episode Doku-Film zur Nord-Stream-Sprengung: Beweismaterial wird unter Verschluss gehalten Cover

Doku-Film zur Nord-Stream-Sprengung: Beweismaterial wird unter Verschluss gehalten

„Wir jagen die Maus, aber übersehen den Elefanten“ – das sagt der Dokumentarfilmer Moritz Enders [https://www.nachdenkseiten.de/?p=108750] im NachDenkSeiten-Interview zur Nord-Stream-Sprengung. Zu dem schwersten Anschlag auf die Energieinfrastruktur in der Geschichte der Bundesrepublik hat Enders eine Dokumentation [https://nordstreamfilm.de/] für das Magazin Hintergrund veröffentlicht, die es in sich hat. Enders und sein Kollege Gunther Merz kommen zu dem Schluss, dass die sogenannte „Andromeda-Spur“ ein Ablenkungsmanöver ist. Enders spricht von Beweismaterial zur Sprengung, das in Schweden unter Verschluss gehalten wird. Der Film „Nordstream – die Sprengung“ [https://nordstreamfilm.de/] hatte gerade Premiere im Kino Babylon in Berlin und ist dort am 7. und 15. Juni nochmal zu sehen [https://babylonberlin.eu/film/10176-nordstream-die-sprengung]. Von Marcus Klöckner. Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar. Marcus Klöckner: Herr Enders, Sie haben mit Ihrem Kollegen Gunther Merz einen Dokumentarfilm zur Nord-Stream-Sprengung gedreht. Vorab: Was haben Ihre Recherchen hervorgebracht? Wer ist verantwortlich? Moritz Enders: In dem Film geht es nicht nur um die Frage, wer den Anschlag auf die Pipelines vor Ort durchgeführt hat, sondern auch darum, wer davon besonders profitiert. Mit anderen Worten: Welche wirtschaftlichen sowie geo- und machtpolitischen Motive können für die Tat bestanden haben? Spoiler-Warnung: Mein Kollege Gunther Merz und ich sind zu der Auffassung gelangt, dass auf die eine oder andere Weise die USA dahinterstecken und auch die Hauptverantwortlichen sind. Wie weitreichend war dieser Anschlag für Deutschland – und Europa? Die Folgen sind verheerend, aber das gesamte Ausmaß des Desasters wird erst in den nächsten Jahren deutlich werden. Es liegt ja auf der Hand, dass die deutsche Industrie ohne den Zugang zu billiger Energie nicht wettbewerbsfähig ist. Der De-Industrialisierungsprozess ist bereits in vollem Gange, er dürfte aber noch weiter an Fahrt aufnehmen. Das ist – natürlich – ein wirtschaftliches Problem, denn es raubt künftigen Generationen Wohlstand und Entfaltungsmöglichkeiten. Es ist aber auch ein politisches und geopolitisches Problem, denn es zwingt Deutschland und die gesamte EU in eine noch stärkere energiepolitische Abhängigkeit von den USA, welche mit ihrem LNG Russland als Hauptgaslieferanten verdrängt haben. Ironie der Geschichte: Während sich die ehemalige Sowjetunion und später die Russische Föderation immer penibel an die Verträge gehalten haben, steht jetzt zu befürchten, dass die USA ihre neue Position als Druckmittel gegen Deutschland und die EU einsetzen werden. Damit wäre jede Debatte über eine „strategische Autonomie Europas“, wie sie u. a. vom französischen Präsidenten Macron angestoßen worden ist, vom Tisch. Waren die Gaspreise denn nicht schon vor der Explosion der Pipelines in die Höhe geschnellt? Das ist richtig. Ein Grund hierfür dürfte sein, dass die EU seit den 2000er-Jahren die Liberalisierung des Gasmarktes vorangetrieben hat. Dabei wurden langfristige Lieferverträge mit stabilen Preisen und hoher Planungssicherheit zunehmend durch Spotmärkte – also tagesaktuelle Marktpreise – ersetzt. Dadurch konnten Finanzinvestoren und Händler von kurzfristigen Preisschwankungen profitieren. Auch der Emissionshandel – Stichwort: CO₂-Zertifikate – und niedrige Füllstände der europäischen Gasspeicher im Sommer 2021 dürften hierfür eine Rolle gespielt haben. Nichtsdestotrotz bleibt der Fakt, dass drei von vier Pipelineröhren gesprengt worden sind und eine Inbetriebnahme der vierten, noch intakten Röhre nicht ernsthaft in Erwägung gezogen wird. Damit beraubt sich die deutsche Politik der Möglichkeit, wirtschaftlich existenzgefährdenden Entwicklungen entgegenzuwirken. Wie bewerten Sie vor diesem Hintergrund den Umgang der deutschen Politik mit der Nord-Stream-Sprengung? Der Investigativ-Journalist Dirk Pohlmann bringt es in unserem Film ja auf den Punkt: „Die Deutschen, Schweden und Dänen wissen genug, um zu wissen, dass sie nicht noch mehr wissen wollen.“ Offen gestanden: Das kann ich verstehen. Denn sollte sich die deutsche Politik mit der Frage auseinandersetzen, ob die Seymour-Hersh-These stimmt und die USA hinter den Anschlägen stecken, dann müsste sie auch in Erwägung ziehen, dass ihr vermeintlich wichtigster Verbündeter einen kriegerischen Akt gegen ihr eigenes Land durchgeführt hat. Und – falls ja – müssten wir wohl unser aktuelles Bündnissystem, inklusive NATO, infrage stellen. Allerdings: Die alte Weltordnung befindet sich im Umbruch, die sogenannte multipolare Weltordnung zeichnet sich ab – und da brauchen Deutschland und die EU diplomatische Vielseitigkeit statt einer einseitigen Bindung an die USA. Der ehemalige US-amerikanische Sicherheitsberater Henry Kissinger soll gesagt haben: „Es ist gefährlich, Amerikas Feind zu sein. Aber Amerikas Freund zu sein, ist verhängnisvoll.“ Man kann von Kissinger halten, was man will – ein brillanter Analytiker war er. Was hat es mit der Seymour-Hersh-These, die Sie eben erwähnt haben, auf sich? Die Seymour-Hersh-These besagt, dass die USA die Pipelines gesprengt haben und zwar auf folgende Weise: Während des BALTOPS-Manövers – BALTOPS steht für Baltic Operations – im Juni 2022 brachten speziell ausgebildete Taucher im Auftrag der USA die Sprengsätze an den Pipelines an. Diese wurden dann am 26. September über eine Sonarboje, die akustische Signale aussendet, ferngezündet. Bei der Formulierung seiner Hypothese stützte sich Hersh auf nur eine Quelle, was ihm immer wieder vorgeworfen worden ist. Allerdings wurden die Aussagen dieser Quelle von dem emeritierten Professor der Physik am MIT und ehemaligen Pentagon-Berater Theodore Postol überprüft und als plausibel eingestuft. Doch anstatt diese Spur ernst zu nehmen und sie weiter zu verfolgen, haben sich die deutschen Ermittler auf die sogenannte „Andromeda-These“ fokussiert und halten nach wie vor an ihr fest: Es soll also eine Handvoll Taucher gewesen sein, die von einem Segelboot – der Andromeda – aus in die Tiefe getaucht ist und die mit einem Zeitzünder versehene Bomben an den Pipelines angebracht hat. Und was halten Sie von dieser Andromeda-These? Schon bevor wir mit dem Film angefangen haben, hatte ich mich gefragt, wie es möglich sein soll, von einem kleinen Segelboot aus einen derartig groß angelegten Anschlag durchzuführen: Da ging es um den Tauchvorgang selbst, aber auch um Fragen zur Logistik: Wie viel Ausrüstung müssten diese Leute mitgenommen haben, wie schwer müssten die Bomben gewesen sein, wie hätten sie diese zu Wasser gelassen, wie hätte das Segelboot die exakten Stellen finden und seine Position halten können, ohne abzudriften oder hätten sie dafür eine schwere Ankerkette benötigt? Diese Fragen haben viele argwöhnisch gemacht, aber unser Gesprächspartner Erik Andersson macht uns im Film auf noch zwei weitere Aspekte aufmerksam. Der eine betrifft die Reiseroute der Crew: Sie soll von Rostock aus losgesegelt sein und nicht von einem polnischen Hafen, der viel näher an den Stellen der Explosionen gelegen gewesen wäre. Der zweite bezieht sich auf die Sicherung des Beweismaterials, also die Überreste der Sabotage am Meeresgrund. Denn das wurde geborgen und wird nun in Schweden unter Verschluss gehalten, deutsche Ermittler haben keinen Zugang dazu. Man fragt sich: Sollte diese Andromeda-These tatsächlich stimmen, warum versucht man dann nicht, diese anhand des geborgenen Materials forensisch zu untermauern? Im Film gehen wir detaillierter auf diese Fragen ein. Sie glauben also, es ist nichts dran an der Andromeda-These? Dirk Pohlmann und Prof. Ola Tunander, die beide in unserem Film zu Wort kommen, sind der Meinung, es handele sich um eine Cover Story. Und Dirk Pohlmann sagt uns zudem: Die ideale Cover Story ist nicht gelogen, sondern sie stimmt. Die Andromeda-Crew ist also tatsächlich auf der Ostsee herumgesegelt, war an den Tatorten und in verschiedenen Häfen gut sichtbar – vielleicht zu gut sichtbar, wie Ola Tunander anmerkt. Aber wir jagen die Maus und übersehen den Elefanten im Raum. Wer die Wahrheit sucht, muss wohl tiefer graben – und versuchen, einzelne Ereignisse in einen breiteren geopolitischen Kontext einzubetten. In unserem Film bemühen wir uns darum. Es geht darin also nicht nur um die Frage: Wer war’s? Sondern es geht vor allem auch darum, wer von den Anschlägen am meisten profitiert und wie bestimmte Narrative gesetzt werden, die dann den medialen Diskurs bestimmen. Ihr Fazit? Die Sprengung der Pipelines war für Deutschland und die EU – oder sagen wir: für den allergrößten Teil ihrer Bewohner – sicherlich ein schwerer Schlag in die Magengrube. Doch wir sollten den Anschlag nicht isoliert als reine „Wer-hat-es-getan“-Frage betrachten, sondern die ökonomischen, geopolitischen und strategischen Interessen externer Akteure erkennen, die sich dahinter verbergen. Unser Film möchte dazu beitragen, diese Zusammenhänge sichtbar zu machen. Moritz Enders ist Dokumentarfilmer, Regisseur und Schriftsteller. Er studierte Geschichte in Rom und Sevilla. Er ist Autor mehrerer Dokumentarfilme, unter anderem für das ZDF und arte. Zu seinen Filmen gehören unter anderem „Schüsse auf dem Petersplatz – Wer wollte den Papst ermorden?“ und „Tod eines Bankers – Der Skandal um die älteste Bank der Welt“ und der Film „Toxic NATO“ wurde von ihm selbst produziert. Lesetipp Moritz Enders: Die Prinzessin von Centocelle – Lebe dein Leben selbst, sonst tun es andere für dich [https://buchhandel.de/buch/Die-Prinzessin-von-Centocelle-9783910568990]. Verlag Hintergrund. 274 Seiten. 28 Euro. 16.02.2026. Titelbild: Screenshot – Hintergrund Nordstream – die Sprengung[http://vg07.met.vgwort.de/na/7b6091f2d8e2483a8b04e5ab532e9d74]

8. Juli 202610 min
Episode Wer sich über Infantino echauffiert, darf auch zu Merz nicht schweigen Cover

Wer sich über Infantino echauffiert, darf auch zu Merz nicht schweigen

Die Aufregung war größtmöglich. Wie kann es sein, dass FIFA-Chef Gianni Infantino vor Donald Trump kuscht und die FIFA-Regeln im Sinne des US-Präsidenten ein wenig flexibler interpretiert? Die bessere Frage wäre: Wie kann es sein, dass irgendwer in Deutschland diese Frage ernsthaft stellt? Es ist natürlich einfach, sich über den servilen FIFA-Gnom zu echauffieren. Im Fußball würde man von einer Steilvorlage sprechen. Was aber ist mit den nicht minder servilen Friedrich Merz, Mark Rutte und Ursula von der Leyen, die Trump ebenfalls bei jeder sich bietenden Gelegenheit in den Allerwertesten kriechen? Immerhin geht es in diesen Fällen um Dinge, die weitaus wichtiger als eine Rote Karte im Fußball sind. Doch da gibt es nur dröhnendes Schweigen. Ein Kommentar von Jens Berger. Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar. Es gibt im Leben und im Fußball Geschichten, die sind so skurril, dass man sie zunächst für einen nicht mal originellen Witz hält. Dazu gehört die gestrige Pressemeldung [https://www.bild.de/sport/fussball/wm-2026-sogar-blatter-ist-fassungslos-ueber-infantino-eklat-6a4b5fc77bfb3e5e95d170e5], dass ausgerechnet der nunmehr 90-jährige Ex-FIFA-Boss Sepp Blatter sich öffentlichkeitswirksam Sorgen um die Integrität der FIFA unter seinem Nachfolger Gianni Infantino macht. Wer Blatter nicht kennt – das ist der Mann, der von der FIFA-Ethikkommission – allein dieser Begriff ist ja bereits ein Oxymoron – wegen seiner dubiosen Geschäfte zu sechs Jahren Sperre [https://www.spiegel.de/sport/fussball/fifa-reduziert-sperren-von-blatter-und-platini-auf-sechs-jahre-a-1079143.html] für alle mit dem Fußball verbundenen Tätigkeiten verurteilt wurde. Das ist ungefähr so, als würde sich die CSU über die Vetternwirtschaft der AfD aufregen. Lesen Sie dazu auch: Jens Berger – Schafft die Fifa ab! (Teil 1 [https://www.nachdenkseiten.de/?p=21995], Teil 2 [https://www.nachdenkseiten.de/?p=22012] und Teil 3 [https://www.nachdenkseiten.de/?p=22033]) Die FIFA ist so korrupt, wie Wasser nass ist. Und Gianni Infantinos Unterwürfigkeit gegenüber Donald Trump ist ja ebenfalls kein Geheimnis [https://www.nachdenkseiten.de/?p=143302]. Dass Trump nun seinen Buddy „Johnny“ angerufen und eine Aufhebung der Sperre des US-Stürmers Folarin Balogun gefordert hat, sollte daher eigentlich niemanden so wirklich überraschen. Trump macht Trump-Sachen und Infantino macht Infantino-Sachen. Das kann und muss man kritisieren. Nun so zu tun, als falle man vor Überraschung aus allen Wolken, ist jedoch bestenfalls naiv und schlimmstenfalls verlogen. Aber in Sachen Verlogenheit sind „wir“ ja in der Tat, anders als im Fußball, Weltspitze. Bleiben wir doch ruhig zunächst auf fußballerischem Gebiet. Es ist ja beileibe nicht so, dass der Fall Balogun nun ein qualitatives Novum wäre. Wir drehen die Uhr zurück: Im November letzten Jahres verkürzte [https://www.espn.com/soccer/story/_/id/47096172/portugal-cristiano-ronaldo-escapes-world-cup-ban-red-card-ireland] die FIFA die Rotsperre des Megastars Ronaldo von drei Spielen auf ein Spiel und setzte den Rest der Sperre zur Bewährung aus, sodass er bei der WM von Anfang an kicken kann. Nun gut, es ist unwahrscheinlich, dass dies auf Anweisung des portugiesischen Präsidenten geschah. Dass die Sponsoren und Rechteverwerter hier interveniert haben, ist jedoch hochwahrscheinlich. Sauberer Fußball? Ach was. Wenn es um den großen Kommerz geht, dehnt man bei der FIFA gern die eigenen Regeln bis ins Unendliche. Darüber regt sich aber vor allem im sauberen Europa keiner mehr auf. Oder habe ich den lauten Protest europäischer Fußballfunktionäre gegen die Aufhebung der Ronaldo-Sperre nur überhört? Aber was rede ich da. Ronaldo ist ja ein Europäer, also im Grunde „einer von uns“. Und wer es noch nicht weiß: „Das ist unser Spiel, nicht deren Spiel!“ So formulierte es [https://www.bild.de/sport/fussball/wm-2026-brandrede-von-klopp-gegen-trump-und-infantino-6a4adf340b14ed961bb5325a] gestern nonchalant die Lichtgestalt des deutschen Fußballs, der designierte Bundestrainer Jürgen Klopp. Dieser Ausspruch ist unfreiwillig komisch, wenn man bedenkt, dass Klopps offizielle Berufsbezeichnung immer noch „Head of Global Soccer“ [https://rbleipzig.com/de/news/juergen-klopp-head-of-global-soccer-red-bull-rb-leipzig] bei Red Bull ist – einem österreichischen und asiatischen Milliardären gehörenden Brause- und Sportimperium, das wie kein anderes für die Kommerzinteressen im Fußball steht. Gute Käuflichkeit, schlechte Käuflichkeit. Da haben wir’s. Wenn sich Milliardäre den Fußball unter den Nagel reißen, ist das also „unser Spiel“. Wenn sich korrupte Funktionäre den Fußball unter den Nagel reißen, aber nicht. Das kann man so sehen, aber das macht die Sache dann auch nicht besser. Dass unsere Medien zu diesen Widersprüchen schweigen, ist ebenfalls nicht wirklich verwunderlich. Kritisch geht es beim Fußball wie in der Politik ja nur zu, wenn es Gratismut zu verteilen gibt. Und was ist leichter und dankbarer, als sich über Gianni Infantinos Unterwürfigkeit gegenüber Donald Trump zu mokieren? Doch wo waren unsere ach so kritischen Medien eigentlich, als Friedrich Merz im Weißen Haus eine Schleimspur, breiter als der Strafraum im Fußballstadion, hinterließ? Ach ja, das war ja in den Worten des SPIEGEL „Krisendiplomatie“ [https://www.nachdenkseiten.de/?p=137398]. Ist Friedrich Merz im Grunde nicht auch nur ein etwas größerer Infantino mit etwas mehr Haaren auf dem Kopf? Und was ist mit dem NATO-Generalsekretär Mark Rutte? Im Vergleich zu dem Niederländer, der das Trump-Umschleimen so meisterlich wie Ronaldo die Schwalbe im Strafraum beherrscht, geht Gianni Infantino ja glatt als charakterstarker Ehrenmann mit Rückgrat durch. Und die kritischen deutschen Medien? Die verbrämen das, was Martin Sonneborn zu Recht als „astreine Arschkriecherei“ [https://www.instagram.com/p/DLShwGtIkZV/] bezeichnet hat, als „Verhandlungsgeschick“ [https://www.nachdenkseiten.de/?p=137398]. Wäre Infantino NATO-Generalsekretär, würde der SPIEGEL das sicher auch für ihn attestieren. Und was ist mit Ursula von der Leyen? Deren Unterwürfigkeit und Prinzipienlosigkeit gegenüber den USA sind ja legendär und im Handelsstreit mit den USA kapitulierte sie dann auch auf ganzer Linie [https://www.nachdenkseiten.de/?p=135974] vor dem „Dealmaker“ aus Washington. Korruption? Unfähigkeit? Vasallentum? Nennen Sie es, wie Sie es wollen – einen qualitativen Unterschied zwischen von der Leyen und Infantino kann ich beim besten Willen nicht erkennen. Es gibt jedoch einen großen Unterschied zwischen Infantino und seinen Ebenbildern aus der deutschen und europäischen Politik. Wenn Infantino den Bückling gegenüber Trump macht, geht es um so banale Dinge wie einen albernen „FIFA-Friedenspreis“ oder Rote Karten im Fußball. Bei den Kotaus von Merz, Rutte und von der Leyen geht es um Billionen, unsere Zukunft und, wenn es hart auf hart kommt, um Krieg oder Frieden. Das sollte man nicht gleichsetzen. Infantino mag ein glatzköpfiger korrupter Gnom sein. Die Auswirkungen seiner charakterlichen Defizite auf unser Leben sind marginal. Daher ist die allgegenwärtige Kritik an ihm auch wohlfeil. Merz, Rutte und von der Leyen treffen jedoch Entscheidungen, die für unser Leben elementar sind. Wer hier keine scharfe Kritik übt, ist selbst nicht besser als die Infantinos dieser Welt und zeichnet sich vor allem durch Unterwürfigkeit gegenüber den Mächtigen aus. Titelbild: Screenshot Magenta Sport via YouTube[http://vg07.met.vgwort.de/na/e9cd09d845514714b87b91080fcf6b38]

Gestern7 min
Episode Attacken gegen Journalisten: „Faschisten mit einem Presseausweis sind immer noch Faschisten“ Cover

Attacken gegen Journalisten: „Faschisten mit einem Presseausweis sind immer noch Faschisten“

Die Angriffe bei den Anti-AfD-Protesten vom Wochenende auf Journalisten von Apollo News sind scharf zu verurteilen. Umso skandalöser sind einige Reaktionen auf die Vorfälle. Ein Kommentar von Tobias Riegel. Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar. Während der Versuche, den AfD-Parteitag am Wochenende zu blockieren, waren drei Journalisten des rechten Online-Portals Apollo News nach eigenen Angaben von Demonstranten „gejagt und zusammengeschlagen“ worden. Darüber berichtet etwa die Welt in diesem Artikel [https://www.welt.de/politik/deutschland/article6a48ee89ad32e994f875b3fe/afd-bundesparteitag-verpisst-euch-drei-reporter-in-erfurt-gejagt-und-zusammengeschlagen.html], ein Video des Vorfalls zeigt Bild hier [https://www.youtube.com/watch?v=t7w3bj1q8M4]. Prinzipienlos – und auch noch stolz darauf Die Angriffe sind skandalös und müssen einfach nur eindeutig verurteilt werden. Und das gerade dann, wenn man sonst permanent Phrasen von Meinungsfreiheit und Demokratie im Mund führt. Darum sind die Reaktionen von Organisatoren der Proteste gegen den AfD-Parteitag (Bündnis „Widersetzen“) ein Skandal im Skandal: Auf einer Pressekonferenz wurden die Fragen des betroffenen Mediums Apollo News zunächst gar nicht akzeptiert, erst als Journalisten anderer Medien nachhakten, ließ man sich zu einer Reaktion herab. Und in dieser Reaktion wurden die Angriffe auf Journalisten dann nicht etwa verurteilt, sondern mit dem Satz indirekt verteidigt, „auch FaschistInnen mit Presseausweis“ seien „FaschistInnen“. Dazu applaudierten dann auch Teile des Podiums. Prinzipienlos und auch noch stolz darauf – schließlich trifft es doch in der Gedankenwelt der Aktivisten die „Richtigen“, da kann man schon mal eine Ausnahme machen, was die Prinzipien Gewaltverbot und Pressefreiheit angeht: Diese fatale und strikt abzulehnende Haltung wird etwa in diesem Ausschnitt der Pressekonferenz [https://www.facebook.com/100027626166440/videos/pcb.2143671266563725/1648407209589065] deutlich. Das Medium Euronews zitiert [https://de.euronews.com/my-europe/2026/07/05/angriffe-reporter-linksaussen-bundnis-gewalt-afd-parteitag] außerdem einen Aktivisten mit dieser martialischen Kampfansage: > „An alle Parteien, insbesondere CDU und BSW: Das hier ist unsere explizite Warnung! Wenn ihr es wagt, den Faschist*innen an die Macht zu helfen, macht ihr euch zu unserem nächsten Aktionsziel.“ Blockaden von Parteitagen sind antidemokratisch In diesem Kommentar werden allgemein die Prinzipien Gewaltfreiheit und Pressefreiheit verteidigt – dass man sich damit nicht mit konkreten journalistischen Inhalten von Apollo News identifiziert, ist selbstverständlich. Noch allgemein zu den Anti-AfD-Protesten vom Wochenende: Versuche, Parteitage zu „blockieren“, also zu verhindern, lehne ich prinzipiell ab: Das ist antidemokratisch, egal mit welchen Phrasen man das schmückt. Das gilt für die Parteitage aller nicht verbotenen Parteien. Auch bei den Grünen wäre es skandalös, wenn aggressive Demonstranten die Delegierten daran hindern wollten, dass sie ihr verbrieftes demokratisches Recht wahrnehmen, nur weil ihnen die politische Ausrichtung nicht in den Kram passt. Selbstverständlich ist es ebenso zu verurteilen, wenn Rechte auf ihren Demos Journalisten physisch angreifen. Außerdem: Mit der ausbleibenden Verurteilung der Attacken auf Journalisten haben Organisatoren der AfD-Proteste (schon wieder) den eigenen „Kampf gegen Rechts“ ins Absurde geführt. Bizarre Szenen wie die von der oben verlinkten Pressekonferenz der Aktivisten haben die AfD sehr wahrscheinlich wieder ein Stück stärker gemacht. Angriffe werden verurteilt Während nun das unsägliche Zentrum für Politische Schönheit auf die Angriffe auf Journalisten vom Wochenende einmal mehr unsäglich reagiert [https://apollo-news.net/fallen-nicht-unter-pressefreiheit-zentrum-fr-politische-schnheit-stellt-schutz-von-apollo-news-infrage/] und auch Anja Kohl (ARD) einmal mehr von der Situation überfordert ist [https://apollo-news.net/ard-journalistin-anja-kohl-fordert-von-afd-distanzierung-von-angriffen-auf-apollo-news-reporter/], verurteilen immerhin auch einige etablierte Journalisten die Angriffe, wie Apollo News hier [https://apollo-news.net/ekelhafte-ausschreitungen-zahlreiche-journalisten-verurteilen-brutalen-angriff-auf-apollo-news-reporter/] berichtet. Das unterscheidet diesen Fall vom Fall des von der EU sanktionierten deutschen Journalisten Hüseyin Dogru [https://www.nachdenkseiten.de/?p=151147], der von skandalösem Schweigen begleitet wird. Titelbild: siam.pukkato / Shutterstock[https://vg08.met.vgwort.de/na/c33f25dddb97417d9f03ef07eb5272b6]

Gestern4 min
Episode Die USA waren während eines ganzen Drittels ihrer Existenz Besatzungsmacht in Deutschland Cover

Die USA waren während eines ganzen Drittels ihrer Existenz Besatzungsmacht in Deutschland

Zurzeit feiern die US-Amerikaner und mit ihnen eine große Zahl von Gefolgsleuten überall auf der Welt 250 Jahre USA. Am 4. Juli 1776 hatten Vertreter der britischen Kolonien in Amerika die Unabhängigkeit von Großbritannien erklärt. Ende 1941 sind die USA in den Zweiten Weltkrieg eingetreten und haben so geholfen, uns von den Nationalsozialisten zu befreien. Das war eine bemerkenswerte Tat. Wir haben allen Grund, dafür dankbar zu sein. Albrecht Müller. Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar. Dass die USA immer noch hier sind, ist allerdings kein Grund zur Freude, sondern eher ein Grund zur Sorge. Zunächst einige Hinweise und Informationen zur US-Präsenz: Das Folgende ist eine Übersicht über US-amerikanische Stützpunkte in Deutschland. [https://www.nachdenkseiten.de/upload/bilder/260706-us-basen.jpg]https://www.nachdenkseiten.de/upload/bilder/260706-us-basen.jpg Dabei geht es nicht um Belangloses. Zum Beispiel: Im bayerischen Grafenwöhr gibt es einen großen Truppenübungsplatz, im rheinland-pfälzischen Büchel lagern Atomwaffen, über das pfälzische Ramstein werden Drohnen zum Einsatz in Europa und in Afrika koordiniert, im pfälzischen Landstuhl befindet sich das größte US-Militärkrankenhaus außerhalb der Vereinigten Staaten, in Stuttgart und Wiesbaden arbeiten wichtige US-amerikanische Kommandostationen. Übrigens: Der Gründungsort der NachDenkSeiten, Pleisweiler zwischen Karlsruhe und Pirmasens, ist umzingelt von US-Stützpunkten. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurden über meiner Heimatstadt Heidelberg Flugblätter abgeworfen. Darauf hieß es: > Heidelberg wollen wir schonen, > denn darin wollen wir wohnen. So war’s dann auch. Die US-Streitkräfte verließen Heidelberg erst in den Jahren 2012 und 2013. Die Tatsache, dass die US-Streitkräfte in Deutschland und darüber hinaus vielfältig stationiert sind, macht uns zum Komplizen militärischer Einsätze der USA in Europa, im Nahen Osten und in Afrika. Das ist eine gefährliche Situation. Deshalb gibt es für uns keinen Grund, die Gründung und damit die Existenz der USA zu feiern. P. S.: Über die historischen Abläufe und über die unglückliche und verhängnisvolle Rolle des ersten Bundeskanzlers Konrad Adenauer habe ich auf den NachDenkSeiten vor einiger Zeit schon berichtet. Siehe hier: Rede des späteren Bundespräsidenten Gustav Heinemann vom 23. Januar 1958 [https://www.nachdenkseiten.de/?p=108318]. Titelbild: Beowulf Tomek / commons.wikimedia.org [https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ramstein_Air_Base.jpg] / Creative Commons [https://en.wikipedia.org/wiki/en:Creative_Commons] Attribution-Share Alike 4.0 International [https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en]

6. Juli 20263 min