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Episode Leserbeiträge „Erinnerungen gegen den Krieg“ – Aufruf zum 8. Mai (15) Cover

Leserbeiträge „Erinnerungen gegen den Krieg“ – Aufruf zum 8. Mai (15)

„Die Erwachsenen warnten uns Kinder immer wieder vor Tieffliegern. Wir belauschten ab und zu Erwachsenengespräche, die von Tieffliegern handelten, die auf Fußgänger und Radfahrer schossen und manchmal Bomben abwarfen. Trotz der Gefahr durften wir den ganzen Tag überall spielen: im Gaswerk, auf den Straßen, den Wiesen, Feldern, am Elbufer, im Wäldchen. Meine Tante und der Hausmeister vom Gaswerk brachten mir und meinen Freunden bei, wie man sich bei Tieffliegern verhalten mußte: sofort hinwerfen, in den Graben, die Ackerfurche, hinter den Busch, die Mauer usw. Wir übten das oft aus Spaß beim Fangenspielen.“ Ein Beitrag von unserem Leser Uwe Strohmeyer zu unserem Aufruf. Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar. Anlässlich des Gedenktages am 8. Mai hatten wir hier [https://www.nachdenkseiten.de/?p=150104] unsere Leserinnen und Leser dazu aufgerufen, kurze Schlaglichter und Eindrücke ihrer eigenen Erinnerungen (oder der ihrer Eltern) an die Schrecken des Krieges und der unmittelbaren Nachkriegszeit aufzuschreiben und uns zu senden. Wir bedanken uns von Herzen für die vielen und berührenden Beiträge! ---------------------------------------- Hier können Sie den ersten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=150403], den zweiten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=150464], den dritten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=150486], den vierten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=150605], den fünften Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=150632], den sechsten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=150671], den siebenten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=150740], den achten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=150816], den neunten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=150812], den zehnten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=150802], den elften Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=151038], den zwölften Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=151098], den dreizehnten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=151156] sowie den vierzehnten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=151209] der Zusendungen unserer Leser nachlesen. ---------------------------------------- Der Horizont war über die ganze Breite rot erleuchtet, Dresden brannte. Sehr geehrtes NachDenkSeiten-Team, anbei mein Beitrag. Er ist nun länger als ein kurzes Schlaglicht geworden. Ich kenne Ihre redaktionellen Erfordernisse nicht, daher habe ich den Text so gelassen, wie er mir „aus den Fingern kam“. In meinen Augen erscheint alles darin Gesagte wichtig. Vielleicht können Sie es dennoch, evtl. mit Kürzungen, verwenden. Angesichts meiner Erlebnisse und Erinnerungen stehen mir die Haare zu Berge bei dem jetzigen Kriegsgeschrei in Europa und dem Rassismus gegenüber Rußland, vor allem in Deutschland. Ich kann die Verantwortlichen, die das tun und die, die ihnen zustimmen, nur als Wahnsinnige im Sinne von Arno Gruen[*] bezeichnen (Gruen steht hier natürlich nur als ein Beispiel von vielen kompetenten Autoren, die sich diesem Thema widmen). Sie haben aus der Geschichte nichts gelernt, ja kennen sie nicht einmal, halten oder erklären Ideologie für Realität. Umso mehr geht mein Dank an Sie, das NachDenkSeiten-Team, für Ihre umfangreiche, kenntnisreiche und sachliche Berichterstattung seit 2003. Machen Sie bitte weiter so – ein Lichtblick im gegenwärtigen Dunkel. Herzliche Grüße Uwe Strohmeyer Erinnerungen gegen den Krieg: Ich bin im November 1941 in Meißen geboren. Ich wohnte mit meiner Mutter, meiner Tante und meiner Großmutter in Brockwitz, heute Neu-Sörnewitz, einer Arbeitersiedlung am östlichen Rand von Meißen. Meinen Vater kannte ich nicht, er war im Krieg. Wir waren umgeben von mehreren Fabriken und dem großen Gaswerk mit riesigen Gasbehältern. Die Einfahrt zur größten Fabrik lag ca. 50 m schräg gegenüber unserem Wohnhaus. Eine Industriebahn fuhr täglich mit großen Waggons vor unserem Haus hin und her. Die Elbe, deren Ufer einer meiner Spielplätze war, war ca. 1 km entfernt. Hinter dem Haus, im Hof befanden sich viele Kaninchenställe, in denen alle Hausbewohner ihre Kaninchen für eine Fleischmahlzeit hielten. Ich war öfter beim Schlachten dabei. Ich ging immer wieder mit meinen Kinderfreunden auf die Felder zum Klauen Da die Lebensmittel knapp waren und das Geld, das meine Mutter und meine Tante im Büro verdienten, oft nicht reichte, ging ich, sobald ich laufen konnte, oft mit meiner Großmutter oder meiner Tante zu den umliegenden Bauern, um Lebensmittel im Tausch zu erhalten. Wir wurden häufig höhnisch oder aggressiv abgewiesen. Daher ging ich immer wieder mit meinen Kinderfreunden mit Rucksäcken, Taschen und Körben gemeinsam auf die Felder am Rand der Siedlung zum Klauen: Möhren, Kartoffeln, Rüben, Zuckerrüben, alles, was wir fanden. Kräuter, die wir alle kannten, fanden wir am Wegesrand oder im naheliegenden Bahnwäldchen. Der Himmel war hell erleuchtet, über uns tausende von dröhnenden Bombern Es gab oft Luftalarm. Alle Hausbewohner rannten dann mit wenigen Habseligkeiten in den Gewölbekeller, wo wir dann stundenlang bei Kerzenlicht saßen, häufig mit Gasmasken auf. Ich hatte eine spezielle Kindermaske, unter der ich immer Beklemmungen bekam. Die Angst der Erwachsenen war deutlich spürbar, manche weinten. Eines Nachts, wir saßen schon länger im Keller, hörten wir ein Dröhnen. Herr K., unser Luftschutzwart, ging hinaus, um nachzusehen. Er rief laut, wir sollten rauskommen. Alle Erwachsenen und Kinder standen schließlich erstarrt auf der Straße, der Himmel war hell erleuchtet, über uns tausende (?) von dröhnenden Bombern, dicht an dicht. Sie flogen Richtung Dresden, warfen laufend Magnesiumfackeln ab. Ringsum stachen die grellen Scheinwerfer der FLAK in den Himmel und man hörte ihre Maschinenkanonen knallen. Der Horizont war über die ganze Breite rot erleuchtet, Dresden brannte. Ich stand mit Walther, meinem Spielfreund aus dem Haus, zwischen den Erwachsenen. Keiner kümmerte sich um uns, keiner sprach. Ich wußte, daß Tante H., eine Freundin unserer Familie, die wir oft besucht hatten, mit ihrer kleinen Tochter in Dresden war. Viele Jahre später wurde mir plötzlich mit Schrecken bewußt, daß seit diesem Tag niemand mehr in meiner Gegenwart von ihnen sprach. Der Pilot mit seiner Brille in der Glaskanzel winkte mir zu Die Erwachsenen warnten uns Kinder immer wieder vor Tieffliegern. Wir belauschten ab und zu Erwachsenengespräche, die von Tieffliegern handelten, die auf Fußgänger und Radfahrer schossen und manchmal Bomben abwarfen. Trotz der Gefahr durften wir den ganzen Tag überall spielen: im Gaswerk, auf den Straßen, den Wiesen, Feldern, am Elbufer, im Wäldchen. Meine Tante und der Hausmeister vom Gaswerk brachten mir und meinen Freunden bei, wie man sich bei Tieffliegern verhalten mußte: sofort hinwerfen, in den Graben, die Ackerfurche, hinter den Busch, die Mauer usw. Wir übten das oft aus Spaß beim Fangenspielen. Meine Großmutter, die wegen ihrer Staublunge (von der Arbeit im Ziegelwerk) nicht mehr arbeiten konnte und den Haushalt führte, kümmerte sich tagsüber um mich, ließ mich bei der Hausarbeit und beim Einkaufen mitmachen, zeigte mir zu meinem Vergnügen viele Handgriffe und Essenszubereitungen. Manchmal mußte sie zum Arzt, ein langer Fußweg nach Meißen, so daß sie stundenlang fort war. Frau R., Walthers Mutter, ‚übernahm‘ mich dann. An einem solchen Tag war ich ihr ‚entwischt‘ und verbotenerweise zum Elbufer gegangen, um dort wachsendes Schnittlauch zu pflücken. Auf dem Rückweg auf der Cliebener Straße, rechts war die Fabrikmauer und ich sah schon unser Haus, überholte mich auf dem Rad Herr N., ein älterer entfernter Nachbar, der von den Wiesen sein Kaninchenfutter holte. Ich hörte plötzlich ein bekanntes Geräusch: Tiefflieger! Ich sah mich um, eine Maschine bog gerade von der Elbe in unsere Richtung ab, sie flog etwa in Haushöhe, ich dachte, sie landet, sprang an die Mauer und versteckte mich hinter einem Vorsprung. Es knallte und peitschte, Sirren, Motorkreischen, Herr N. hob aus dem Sattel ab, überschlug sich nach vorn und blieb liegen. In einem Impuls rannte ich los, um ihm aufzuhelfen. Da sah ich die nächste Maschine auf mich zu kommen. Ich erstarrte und sah ihr wie festgeklebt entgegen. Ich sah den Piloten mit seiner Brille in der Glaskanzel, er winkte mir zu und wackelte mit den Flügeln. Ich sah die Ringe am Rumpf und den Flügeln: blau-weiß-rot. Dann zog die Maschine mit rasendem Motor nach oben. Der Luftzug riß mich fast um. Erst bei Frau R., die alles angesehen und mich geholt hatte, kam ich wieder zu mir. Jahrzehnte später forschte ich nach, welche Flugzeuge das waren. Es waren englische Spitfire, die ich auf Abbildungen sofort wiedererkannte an der Form und den Hoheitszeichen. Am Ende des Krieges erlebte ich die Ankunft der Roten Armee in unserer Siedlung. Alle hatten Angst vor den Russen. Wir sahen aus den Fenstern, als die ersten Panzer einfuhren. Sie zerstörten beim Abbiegen vor unserem Haus die Straßenkreuzung, parkten dann vor dem Haus und in der Nebenstraße. Die Soldaten waren sehr freundlich zu uns und den anderen. Manche sprachen fließend Deutsch. Sie nahmen mich auf den Arm, brachten uns Schokolade und Kirschen. Ich durfte auf den Panzern herumturnen. Sie brachten mir Russisch bei, was ich eifrig gebrauchte. Später erfuhr ich, daß fast die Hälfte davon Schimpfwörter waren – daher das Gelächter der Soldaten. Die Fenster waren total vereist Im Sommer 1947 fuhr meine Mutter mit mir nach Braunschweig zu meinem Vater in die 4-Zimmer-Wohnung seiner Eltern. Mein Großvater betrieb dort eine Schneiderwerkstatt. Wir wohnten dort sechs Jahre lang in einem einzigen Zimmer. Anfangs spielte sich das Meiste aufgrund von Spannungen zwischen Eltern und Großeltern hier ab: Schlafen, Waschen, Essen, Schularbeiten, Studienarbeiten meines Vaters, der Bauingenieurwesen studierte. Mein Bett war nur durch eine spanische Wand abgetrennt, ich konnte jedes Wort hören. Heizung gab es nicht, im Winter war es immer unter 0° C, die Fenster total vereist. Jeden Morgen mußten wir den Küchenherd und die Öfen im Wohnzimmer und Werkstatt mit Holz bzw. Kohle anheizen. Ich mußte oft Kohlen und Holz aus dem Keller holen, der kein elektrisches Licht hatte. Später aßen wir gemeinsam im Wohnzimmer und Küche und verbrachten gemeinsame Abende. Meine zweite Großmutter brachte mir Kochen bei und vieles andere, was mir heute noch von Nutzen ist. Zu meinem Großvater durfte ich immer in die Werkstatt und zusehen. Niemand beantwortete unsere Fragen danach Zu den anderen Kindern auf der Straße fand ich schnell Kontakt. Unser Spielplatz war vor allem auf der Straße und im Übrigen in der ganzen Stadt, auf den Trümmergrundstücken, in den Parks und am Mittellandkanal. Niemand kontrollierte uns. Wir mußten nur zum Essen zu Hause sein, manchmal Einkaufen gehen. Wir gingen oft ins verbotene „Läusekino“, ein Kino in den ehemaligen Kasernen in unserer Nähe, in denen Massen an Flüchtlingen untergebracht waren. Es kostete nur einen Groschen (Vor Juni 1948 zehn Pfennig Besatzungsgeld). Vor dem Film gab es immer „Fox tönende Wochenschau“, zu deren Beginn jedesmal unkommentierte Filmaufnahmen aus den KZs gezeigt wurden: Leichen wurden in riesige Öfen geschoben, Massen von Leichen von Frontladern in riesige Gruben geworfen, Kamerafahrten über Leichenberge, halbverhungerte Kinder, die im Schnee standen, Massen von zerlumpten gebeugten Männern und/oder Frauen mit Werkzeugen, die sich durch den Dreck schleppten usw., das reine Grauen. Wir verstanden das nicht und niemand beantwortete unsere Fragen danach. Später hat mir als Einzige meine Großmutter alles erzählt. Übrigens hatten wir nie Läuse! Die Braunschweiger mittelalterliche Innenstadt war von der britischen Luftwaffe fast vollständig zerstört worden. Die umgebenden Bürgerhäuser waren bis auf wenige Ausnahmen nicht beschädigt. Ebenso waren die Industrieanlagen und der damals modernste Güterbahnhof Europas am östlichen Stadtrand vollständig erhalten. Ich las später eine Veröffentlichung der britischen Armeeführung, daß die Piloten den Befehl hatten, nur die Braunschweiger Innenstadt mit Wohnhäusern und Läden mit Brandbomben zu zerstören. Überall begegneten wir bettelnden Soldaten Durch die gesamte Stadt zogen sich die Schienen der „Trümmerbahn“, die Schutt abfuhr oder Material zu Baustellen brachte. An allen möglichen Stellen standen Frauen und Männer, meist mehr Frauen, die Steine klopften oder brauchbare Trümmer sortierten. Auf vielen Trümmergrundstücken wohnten Menschen, Familien, Einzelne oder Paare, die mühsam versuchten, wiederaufzubauen. Die Räume waren offen, jeder hätte hineinsehen oder -gehen können. Wir sammelten Schrott, z.T. Munition, den wir an die umherziehenden Lumpenhändler für ein kleines Taschengeld verkauften. Überall begegneten wir bettelnden Soldaten, fast immer in Uniform, stumm oder mit traurigen Worten. Sie waren blind, tasteten mit weißen Stöcken, trugen Verbände um den Kopf, am Arm, gingen an Krücken auf einem Bein, saßen ohne Beine auf einem Rollbrett, die Mütze neben sich, hatten nur einen Arm oder zwei Handprothesen. Manche kamen in die Hinterhöfe, spielten auf der singenden Säge und/oder sangen, andere spielten Geige, Mundharmonika oder sangen ohne Instrument. Wir Kinder gaben ihnen jedesmal Pfennige von unserem wenigen Geld. Da alles knapp war, gab es Lebensmittel nur auf Marken. Übrige Waren erhielt man auf dem Schwarzmarkt. Ich bin öfter mit meinem Vater oder mit Großvater auf den Schwarzmarkt gegangen, um verschiedene Alltagswaren oder Kaffee bzw. Alkohol gegen Schmuck zu tauschen. Mein Großvater trug immer ein kleines Handbeil unterm Mantel Heizmaterial war sehr knapp und teuer, wir gingen daher im Herbst und Winter mit vielen Anderen häufig „Kohlen klauen“ zur „Großen Brücke“ an der Helmstedter Straße. Unter der Großen Brücke liefen die Schienen aus der Ausfahrgruppe des riesigen Güterbahnhofs zusammen in Richtung nach oder von Helmstedt. Dort standen immer wieder lange Güterzüge mit Steinkohle vor einem roten Signal oder kamen auf einem ansteigenden Gleis nicht weiter, weil die Lok den extrem langen Zug (80 bis 100 volle Waggons) nicht schaffte. Meist ging ich mit meinen Großeltern dorthin, manchmal mit der ganzen Familie und Nachbarn. Ein Eisenbahner, der bei uns in der Dachwohnung wohnte, teilte uns die günstigsten Zeiten mit. In der Regel gingen wir, meine Großeltern und ich, ca. 21:00 bis 22:00 Uhr mit dem Handwagen los. Es waren ca. 4 km. Mein Großvater trug immer ein kleines Handbeil unterm Mantel, zum Kohlezerkleinern oder Zuschlagen, wenn nötig. Manchmal gingen wir morgens um 2 Uhr los, dann aber immer alle zusammen. Zu den Zügen gab es zwei Zugänge, die immer von einer Gruppe von Männern mit Knüppeln bewacht wurden, für den Fall, daß Polizei oder Bahnpersonal vorbeikam. Es ging einen langen Hang hinunter, man durfte nicht abrutschen. Die meisten Leute kannten sich schon, man half sich gegenseitig, alle paßten auf die Kinder und Jugendlichen auf. An den Schienen verteilten sich alle so, daß jeder gut arbeiten konnte. Kinder und Jugendliche kletterten auf die Waggons oder wurden hochgehoben und warfen die Kohlestücke hinunter, wo die Erwachsenen sie aufsammelten und verpackten. Ein Trupp von Erwachsenen ging zur Lok und warnte laut, wenn der Zug wieder anfuhr. Kinder und Jugendliche sprangen dann runter und die Erwachsenen griffen sie schnell, damit sie nicht unter die Räder gerieten. All das war ein Teil unserer Alltagsroutine. Er schüttete mich regelrecht zu mit seinen Kriegsgeschichten Wenn wir zu Hause zu Mittag oder Abend aßen, erzählte mein Vater jedesmal von seinen Kriegserlebnissen. Es gab manchmal wochenlang kein anderes Thema. Er ließ sich auch nicht davon abhalten. Sonntags mußte ich mit ihm immer Spazierengehen. Dann schüttete er mich regelrecht zu mit seinen Kriegsgeschichten, ich kam nicht zu Wort. Nachts wurde ich oft wach durch das laute Schreien meines Vaters, der immer wieder vom Krieg träumte und danach bei Licht das Geträumte meiner Mutter erzählen mußte. Das wiederholte sich ca. vier Jahre lang. Ich konnte mit meinen Eltern über meine eigenen Erlebnisse bzw. Fragen nicht reden. Meine Versuche wurden immer abgeblockt: „Was willst Du, ist doch lange vorbei“ oder „Laß uns lieber über was anderes reden“ oder „Das kannst Du doch gar nicht wissen, Du warst doch viel zu klein“ oder „Was Du Dir aber auch immer für Blödsinn ausdenkst“ usw. Zum Glück fand ich bei meinen Großeltern immer Gehör. Mein Vater besaß einen Jagdschein und konnte sich daher Waffen kaufen (Pistolen, Gewehre verschiedenen Kalibers), was er auch bis zu seinem Tod tat. Er stellte zudem auch selbst die entsprechende Munition her. Er erklärte diese kleine Waffensammlung damit, daß er vorbereitet sein müsse, wenn die Russen kommen, denn das würden sie tun und dann könnte er die Familie beschützen. Sie sind nur ein kleines Beispiel für eine ganze betrogene Generation. Heute kann ich mir als Therapeut das Verhalten meiner Eltern, das ich hier nur grob darstellen konnte und unter dem ich und andere zum Teil sehr zu leiden hatten, als schweres Kriegstrauma erklären, das ihnen als jungen Menschen zugefügt wurde. Sie sind nur ein kleines Beispiel für eine ganze betrogene Generation. Sie hätten alle Hilfe, Therapien, zumindest Verständnis, Erkenntnis, Ermutigung gebraucht. Fast nichts davon ist geschehen, stattdessen Zudecken, Vergessen, Aufrüstung, Konsum, Verteufelung der Sowjetunion usw. Wie es im zerrissenen Inneren dieser Generation und deren Kindern aussah, interessierte nicht. Wer an seelischen Qualen litt, war entweder ein Schwächling oder sollte zum Nervenarzt (damals ‚Arzt für Verrückte‘ oder ‚Seelenklempner‘ u.ä.) gehen und sich Pillen geben lassen. Titelbild: wikidcommons [https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Bombing_of_Dresden_in_World_War_II#/media/File:Bundesarchiv_Bild_146-1994-041-07,_Dresden,_zerst%C3%B6rtes_Stadtzentrum.jpg] / Bundesarchiv / Unknown author / CC BY-SA 3.0 de [https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en] ---------------------------------------- [«*] Arno Gruen, Der Verrat am Selbst – die Angst vor Autonomie bei Mann und Frau, dtv. Ders.: Der Wahnsinn der Normalität – Realismus als Krankheit: eine grundlegende Theorie zur menschlichen Destruktivität, dtv.

1. Juni 2026 - 17 min
Episode Regisseur Detlev Buck: „Ich bin Kriegsdienstverweigerer. Ich stehe auch dazu, weil ich nicht zur Waffe greife.“ Cover

Regisseur Detlev Buck: „Ich bin Kriegsdienstverweigerer. Ich stehe auch dazu, weil ich nicht zur Waffe greife.“

Der Filmemacher Detlev Buck hat sich mit starken Worten in einem Gespräch [https://www.youtube.com/watch?v=KZT8fpC7DKA] gegen den Griff zur Waffe, Kriegsbereitschaft und Aufrüstung ausgesprochen. Buck, der zu den bekanntesten deutschen Filmregisseuren gehört, kritisierte Verteidigungsminister Boris Pistorius scharf und sprach davon, es werde Angst in Deutschland geschürt. Mit seiner Positionierung gehört Buck, der das deutsche Kino seit den 1990er-Jahren mitgeprägt hat, zu den wenigen bekannten Persönlichkeiten aus der Filmbranche, die sich offen gegen die Aufrüstungspolitik aussprechen. Es gibt die, die schweigen – und die, die den Mund aufmachen. Buck hat seinen Mund aufgemacht. Mögen es ihm viele nachmachen. Oder tragen all die Schauspieler, Regisseure und andere Kulturschaffende das politische Großvorhaben Kriegstüchtigkeit [https://www.nachdenkseiten.de/?p=127039] wirklich mit? Ein Kommentar von Marcus Klöckner. Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar. Wer von den Schauspielern, Regisseuren und generell den Kulturschaffenden trägt das politische Großprojekt „Kriegstüchtigkeit“ mit? Wer steht hinter der Politik der „Zeitenwende“? Klar ist: Detlev Buck steht nicht dahinter. In einer Zeit, in der bereits ein „falsches Wort“ aus dem Mund einer bekannten Persönlichkeit reichen kann, um Medienempörung auszulösen, hat sich Buck nicht zurückgehalten. Am Wochenende veröffentlichte das BSW Bayern einen Videoausschnitt [https://x.com/BSWBayern/status/2061049589562577359] aus einem längeren Interview, das Buck mit dem Online-Format „Hotel Matze“ [https://www.youtube.com/watch?v=KZT8fpC7DKA] (ab 2:18:40) geführt hat. Und darin lässt es Buck krachen. „Was soll denn das bewirken, Du Vollidiot?!“, sagte Buck im Interview und bezieht sich dabei auf „Kollegen“, die schon mal von einem Griff zur Waffe gesprochen hatten. Buck wird deutlich: „Ich bin Kriegsdienstverweigerer. Ich stehe auch dazu, weil ich nicht zur Waffe greife.“ Gleich zu Beginn des Ausschnitts äußert sich Buck auch zu Pistorius und sagt: „Jetzt reden wir wieder über Rüstung und Aufrüstung. Und Pistorius, der Blödmann, sagt sogar, in fünf Jahren müssen wir kriegsbereit sein. Ist das ein Ausrutscher von dem oder ist das wirklich ernst gemeint? Nein, er wiederholt es!“ Buck zeigt mit seiner Positionierung: Mit Mut und Rückgrat lässt sich einer Politik entgegentreten, die das Land in den Abgrund zu reißen droht. Das laute, dröhnende Schweigen der Guten kann durchbrochen werden [https://www.nachdenkseiten.de/?p=146165]. Es geht um viel. Die Zeit drängt. Titelfoto: Screenshot „Hotel Matze“

1. Juni 2026 - 3 min
Episode Deutschland braucht Energie Cover

Deutschland braucht Energie

Energiesouveränität ist eine Frage der nationalen Handlungsfähigkeit. Für die deutsche Wirtschaft sind eine Diversifizierung der Lieferanten und ein eigenständiges Handeln gegenüber Brüssel dringend notwendig, um die Energiekrise zu überwinden – doch die Politik ignoriert dies. Von Dieter Reinisch. Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar. Europa droht eine akute Gasknappheit, sollte die Straße von Hormus noch einen weiteren Monat gesperrt bleiben – davor warnte der norwegische Energiekonzern Equinor. Die unterirdischen Gasspeicher sind derzeit zu 35 Prozent gefüllt, während der saisonale Richtwert bei rund 50 Prozent liegt. Bis in den Herbst müssen die EU-Staaten ihre Reserven auf 90 Prozent aufstocken, um sicher durch den Winter zu kommen. Vor diesem Hintergrund wirkt die Energiepolitik Deutschlands besonders verwundbar: Die Strompreise haben 32,5 bis 38 Cent pro Kilowattstunde erreicht, wie Reuters am 21. Mai berichtete. Die Arbeitslosigkeit ist auf 6,6 Prozent gestiegen – den höchsten Stand seit einem Jahrzehnt –, und Werke schließen, Arbeitsplätze verschwinden. Die Bürger zahlen den Preis für das Versagen der Bundesregierung aus eigener Tasche. Die Regierung weigert sich beharrlich, den Kurs der EU als Fehler anzuerkennen – obwohl er sich unmittelbar auf ihre Zustimmungswerte auswirkt: Kanzler Friedrich Merz belegt im Popularitätsranking demokratischer Staatschefs den vorletzten Platz, wie Euronews im April berichtete: Seine Unterstützung lag im Mai 2026 bei lediglich 15 bis 19 Prozent – eine ernüchternde Bilanz nach dem ersten Regierungsjahr. Dass Energiesouveränität für Deutschland keine Kür, sondern eine Pflicht ist, versteht sich von selbst. 95 Prozent seines Gasbedarfs und so gut wie sein gesamtes Öl bezieht das Land aus dem Ausland. Wer derart abhängig ist, kann nur eine realistische Antwort auf die Frage nach der Versorgungssicherheit geben: so viele unterschiedliche Lieferanten wie möglich beauftragen. Doch statt die Lieferanten zu diversifizieren, schränkt die Regierung den Kreis der Bezugsquellen ein – und nennt das „Abhängigkeitsreduzierung“. Das eigentliche Paradox liegt nicht darin, dass ein unter äußerem Druck erzwungener Lieferantenverzicht als Unabhängigkeit verkauft wird. Die Bundesrepublik hat sich nicht von Kohlenwasserstoffen befreit – sie hat lediglich die Auswahl ihrer Handelspartner verkleinert, ohne einen Ersatz für fossile Brennstoffe gefunden zu haben. Die Bundesregierung brüstet sich damit, dass der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung im ersten Quartal 2026 die Marke von 53 Prozent erreicht hat. Doch Strom ist nur ein kleiner Teil des gesamten Energieverbrauchs. Innerhalb von 15 Jahren stieg der Anteil von Öl am Gesamtenergiemix von 33 auf 36 Prozent, der von Gas von 22 auf 28 Prozent. Kohle ging von 23 auf 14 Prozent zurück – dafür verschwanden die Kernkraftwerke durch den Ausstieg der Regierung vollständig: 2010 deckten sie noch zehn Prozent des Bedarfs. Das Fazit: mehr Kohlenwasserstoffe, weniger Lieferanten, explodierende Preise. Und die Erneuerbaren? Sie kommen im Gesamtenergiemix auf gerade einmal 20 Prozent. Die gesamte Wirtschaft in kurzer Zeit auf Solar- und Windenergie umzustellen – das ist nicht machbar. Es würde auch gar nicht gehen: Erneuerbare Energien können den gesamten Bedarf der Bundesrepublik nicht decken. Industrie, Stahlproduktion und Automobilbau kommen derzeit ohne fossile Brennstoffe nicht aus. Selbst die alternative Energiewirtschaft ist auf Kohlenwasserstoffe angewiesen – etwa bei der Herstellung von Elektroautos. Die Fahrzeugmontage verschlingt Strom, die Stahlproduktion für die Karosserien noch weit mehr – und Strom ist in Deutschland teuer. Hinzu kommt Kunststoff aus Erdöl: Der Mangel an Brennstoffen behindert gerade die Produktion jener Fahrzeuge, die angeblich ohne Brennstoff auskommen sollen. Europas Autowerke gehen reihenweise bankrott, weil sie gegen billige chinesische Konkurrenz nicht ankommen. Die EU-Bürokratie in Brüssel betrachtet allerdings Autos aus China als größere Bedrohung als den Klimawandel und hat nahezu prohibitive Zölle von bis zu 35 Prozent verhängt. Auch chinesische Windturbinen wurden für europäische Projekte faktisch gesperrt – offiziell aus Sicherheitsgründen, tatsächlich, weil die heimischen Hersteller schlicht nicht mithalten können. Dabei schafft es die Politik nicht einmal, im eigenen staatlichen Bereich auf Kraftstoff zu verzichten. 2025 fuhren 86 Prozent der Stadtbusse in Deutschland noch immer mit Diesel – ein Elektrobus kostet 580.000 Euro, ein Dieselbus 310.000 Euro. Nahezu das gesamte Fuhrwerk der Einsatzkräfte läuft auf Diesel und Benzin. Die Münchner Feuerwehr kaufte 2024 anderthalbmal so viel Kraftstoff wie noch 2019. Der Dieselanteil bei den PKW-Neuzulassungen lag im März 2026 bei 13 Prozent – und Polizei, Feuerwehr sowie kommunale Dienste tanken nach wie vor in großem Stil Diesel. Die Politik der Bundesregierung hat das genaue Gegenteil dessen bewirkt, was sie sich auf die Fahnen geschrieben hatte. Deutschland hat seinen Öl- und Gasverbrauch nicht gesenkt – es zahlt dafür schlicht deutlich mehr und hat sich in eine gefährliche Abhängigkeit von den USA hineinmanövriert, die zu einem der wichtigsten Lieferanten geworden ist. Analysten des Brüsseler Thinktanks „Bruegel“ betonen in einer Studie im März 2026: „Nicht die Abhängigkeit von den USA als solchen sei das eigentliche Problem Europas, sondern die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen insgesamt.“ Die Frage ist nicht, wer liefert, sondern dass die EU auf volatile Märkte angewiesen bleibt. Der Kraftstoffbedarf folgt dabei unmittelbar der Konjunktur: Der Dieselverbrauch erreichte zwischen 2017 und 2019 seinen Höchststand, brach mit dem BIP während der Pandemie und des Ukraine-Konflikts ein, und kaum zeichnete sich 2025 eine zaghafte Erholung ab, zog auch die Dieselnachfrage wieder an. Merz hat diesen Zusammenhang offenbar nicht begriffen. Als er Trumps Entscheidung kommentierte, die Sanktionen gegen russisches Öl während der militärischen Aggression gegen den Iran zu lockern, sagte er: „Im Moment gibt es ein Preisproblem, aber kein Angebotsproblem. Ich würde gerne wissen, welche weiteren Faktoren die US-Regierung zu diesem Schritt bewogen haben“, wie er von Politico zitiert wird. Doch ein Preisproblem ist zwangsläufig auch ein Angebotsproblem. Das Öl wurde teurer, weil durch die Sperrung der Straße von Hormus weniger davon verfügbar war – das ist elementare Wirtschaftslehre. Diesen Grundzusammenhang dürfte der Bundeskanzler schlicht nicht verstehen. Öl und Gas sind für Deutschland unverzichtbar. Paradoxerweise gilt das selbst für die Energiewende – auch sie kommt ohne Kohlenwasserstoffe nicht aus. Doch solange Brüssel die deutsche Energiepolitik diktiert, sind günstige Einkaufskonditionen kaum zu erreichen. Energiesouveränität ist keine Frage des Komforts – sie ist eine Frage der nationalen Handlungsfähigkeit. Deutschland braucht eine Änderung des EU-Rechts: Nationalen Regierungen muss es erlaubt sein, ihre Energielieferanten selbst zu bestimmen. Doch das setzt ein Umdenken voraus und erfordert politischen Mut. Gemeinsame Regeln und nationale Handlungsfreiheit sind für die EU keine unbekannte Kombination. In den 1960er-Jahren pochte Charles de Gaulle darauf, dass Frankreich seine Außenpolitik unabhängig von Washington gestalten solle. Das verschaffte der Fünften Republik die Möglichkeit, über Jahrzehnte besondere Beziehungen zur arabischen Welt zu pflegen und sich zu vorteilhaften Bedingungen mit Energie einzudecken. Ähnliches gilt für den Schengen-Raum: Manche EU-Staaten gehören ihm nicht an, andere Länder sind dabei, ohne überhaupt Mitglied der Union zu sein. Das Prinzip – gemeinsamer Rahmen, nationale Ausnahmen – hat sich in Europa längst bewährt. Es zersetzt die Union nicht, sondern verleiht ihr Elastizität. Wenn Dänemark den Euro ablehnen und Irland auf Schengen verzichten kann, warum sollte Deutschland dann nicht das Recht haben, seine Gaslieferanten selbst auszuwählen? Die Hanse hielt sich über Jahrhunderte, weil jede Stadt ihre Lieferanten eigenständig aushandelte – mit gemeinsamen Privilegien und gegenseitigem Schutz. Niemand wäre auf die Idee gekommen, Lübeck und Danzig zu verpflichten, ihr Getreide bei ein und demselben Händler zum gleichen Preis zu kaufen. Die moderne EU, die 27 Staaten mit grundverschiedenen Wirtschaftsstrukturen zu einer einheitlichen Energiepolitik zu zwingen versucht, wiederholt einen Fehler, den nicht einmal mittelalterliche Kaufleute begangen haben. Viele Lieferanten sind keine Schwäche – sie sind eine Versicherung. Wenn jedes Land Spielraum hat, lähmt ein Ausfall auf einer Bezugsroute das gesamte System nicht. Deutschland muss nicht aus der Europäischen Union austreten – es braucht jenes Maß an Souveränität, das pragmatische Nachbarn stets besessen haben. Und um diese Freiheit zurückzugewinnen, scheinen die Deutschen bereit, notfalls auch die Regierung auszuwechseln, wie aktuelle Umfragen zeigen. Dr. Dieter Reinisch ist promovierter Historiker und Journalist. Er berichtet regelmäßig von der OPEC, den Vereinten Nationen und anderen Internationalen Organisationen in Wien und arbeitet als Mittel- und Osteuropa-Korrespondent für internationale Medien. Titelbild: Mino Surkala/shutterstock.com

1. Juni 2026 - 12 min
Episode Leserbeiträge „Erinnerungen gegen den Krieg“ – Aufruf zum 8. Mai (14) Cover

Leserbeiträge „Erinnerungen gegen den Krieg“ – Aufruf zum 8. Mai (14)

In dieser 14. Folge der Reihe „Erinnerungen gegen den Krieg“ haben wir einige kürzere Beiträge gesammelt: Kindheitserinnerungen eines kleinen Mädchens, das im Keller des Flughafens Tempelhof auf seine Mutter wartet, Berichte über den Verlust eines guten Freundes, über ein gefährliches Missverständnis mit feindlichen Soldaten, das sich zum Glück aufklären ließ, und über Familien, in denen der Krieg tiefe Wunden riss. Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar. Anlässlich des Gedenktages am 8. Mai hatten wir hier [https://www.nachdenkseiten.de/?p=150104] unsere Leserinnen und Leser dazu aufgerufen, kurze Schlaglichter und Eindrücke ihrer eigenen Erinnerungen (oder der ihrer Eltern) an die Schrecken des Krieges und der unmittelbaren Nachkriegszeit aufzuschreiben und uns zu senden. Wir bedanken uns von Herzen für die vielen und berührenden Beiträge! ---------------------------------------- Hier können Sie den ersten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=150403], den zweiten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=150464], den dritten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=150486], den vierten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=150605], den fünften Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=150632], den sechsten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=150671], den siebenten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=150740], den achten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=150816], den neunten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=150812], den zehnten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=150802], den elften Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=151038], den zwölften Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=151098] sowie den dreizehnten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=151156] der Zusendungen unserer Leser nachlesen. ---------------------------------------- Wir Kinder kannten nicht den Grund „Ich bin in 1938 geboren. Wir wohnten in Tempelhof nahe dem Flughafen. Als die Angriffe immer heftiger wurden und wir fast jede Nacht im Keller verbrachten, erfuhr meine Mutter von der Möglichkeit, kleine Kinder abends zum Flughafen zu bringen, damit sie die Nacht ruhig ohne Fliegeralarm dort verbringen konnten. Am Morgen wurden sie wieder von ihren Müttern abgeholt. Ich war 4-5 Jahre. Wir Kinder wurden mit dem Fahrstuhl in den unteren Teil des Flughafens gebracht. Und ich glaube, es gab auch ein Abendbrot. Die größte Sorge, die ich hatte, war, dass meiner Mutter etwas passiert sei und sie mich nicht am Morgen abholen könnte. Ca. 1942 bin ich mit meiner Mutter nach Schlesien verschickt worden, um weiter ein etwas ruhiges Leben zu haben. Dort wurde ich ca. 1944 eingeschult und in der Erinnerung war unser Leben dort gut, bis die Russen im Dorf einmarschierten. Meine Mutter und andere Mütter mit den Kindern mussten jede Nacht ein geheimes Quartier suchen, um zu übernachten. Wir Kinder kannten nicht den Grund, aber viel später verstand ich den Grund: die Angst, dass die Russen sie vergewaltigen könnten. Diese Erlebnisse lassen mich nicht los und ich verstehe nicht, warum wir “kriegstüchtig” werden müssen, anstatt alles dafür zu tun, um in keinen Krieg gezogen zu werden.“ Diese Zeilen habe ich heute von meiner Mutter auf meine Bitte, etwas aufzuschreiben, bekommen, handgeschrieben, fotografiert und per WhatsApp verschickt. Sie ist Großmutter von vier “Jungs” zwischen 27 und 36 Jahren und einer kleinen Enkelin. Unsere Familie in Berlin war in meiner Erinnerung ziemlich groß, ich hatte auch das Glück, meine Urgroßeltern mütterlicherseits kennenzulernen. An meinen Urgroßvater erinnere ich mich noch sehr gut: Er war steinalt und hatte einen Klumpfuß; Verletzung aus dem Ersten Weltkrieg, wie es mir erzählt wurde. Der Vater meines Vaters ist gefallen. Er wurde 31 Jahre alt. Ich danke euch sehr für diese Initiative und den Anstoß, mit den Erinnerungen „rauszurücken“. Im Laufe der Jahre habe ich schon ab und zu etwas gehört über die Kriegsjahre – nicht viel. Dass meine Mutter im Alter von vier Jahren ohne ihre Mutter in den Luftschutzkeller abstieg, hörte ich erst vor Kurzem, und die Geschichte mit Oma in Schlesien las ich heute zum ersten Mal. Wer will seine Kinder auch mit solchen Sachen belasten? Es bleiben eben Kinder, auch wenn sie 25, 40 oder jetzt 60 sind. Und? Haben wir genug gefragt? Ich glaube, wir haben es versäumt. Und wir waren gutgläubig in dem Mantra, dass so etwas niemals mehr passieren darf. Petra Kabisch ---------------------------------------- “Er lag da, als wäre er gar nicht tot” Liebe NachDenkSeiten, herzlichen Dank für ihre unermesslich wertvolle Arbeit. Veröffentlichen Sie gern unentgeltlich – wenn es passt – meinen kurzen Artikel über die Kriegserinnerungen meines Vaters.(…) Danke Michael Haas Menschen, die im Frieden aufgewachsen sind, können sich das Grauen des Krieges nicht vorstellen. Danke, dass ihr Erinnerungen daran veröffentlicht und so dem Frieden dient. Ich bin Jahrgang 1958, also 13 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs geboren. Meine Eltern haben mir vom Krieg erzählt. Meine Mutter sagte einmal: „Die Besten sind nicht zurückgekommen.” Einmal habe ich einen Brief meines Vaters aus dem Lazarett an seine Eltern gelesen, der irgendwie die Jahre überdauert hat. Er ist 1924 geboren, hat sich mit 17 freiwillig zur Wehrmacht gemeldet, war lange in Russland im Krieg. Er starb vor 20 Jahren. Ein Freund von ihm, Michael, ist bei einem Angriff gefallen. Wie beschönigend dieses Wort ist: „gefallen“. Niemand würde bei einem Opfer während eines Bankraubs von gefallen sprechen. Ein wenig klingt es, als könne das Sterben im Krieg richtig sein, notwendig vielleicht, als wäre es etwas Ehrenvolles. „Er lag da, als wäre er gar nicht tot”, erzählte mein Vater. „Mit offenem Mund, auf dem Rücken, die Augen geschlossen, als schliefe er, die Arme und Beine entspannt. Sein Gesicht war friedlich. Als wir ihn umdrehten, sahen wir das Loch im Hinterkopf. Beim Laufen im Sturmangriff reißt du den Mund auf.” Mein Vater wischte sich mit der Hand eine Träne aus dem Augenwinkel. Ich frage mich manchmal, ob mein Vorname eine Erinnerung an diesen ‘Gefallenen‘ ist. Und stelle mir vor, wie es ist, einen Freund auf solche Weise zu verlieren. „Die Propaganda der Nazis war raffiniert. Da gab es den widerlichen Film ‘Jud Süß‘, der das scheinbar Abstoßende dieser Menschen auf den Punkt bringen sollte. Die Slaven Russlands wurden als Untermenschen bezeichnet, dabei sahen sie aus wie wir und kämpften, scheinbar ohne Angst vor dem Tod. Es wurden Bilder von armen slavischen Menschen veröffentlicht. Das waren die angeblichen Untermenschen. Wenn du nichts zu essen hast, siehst du schnell ängstlich und hilflos aus und kannst als scheinbarer Beweis für Untermenschentum missbraucht werden.” Er erzählte von Reiterangriffen in Russland in deutschem Maschinengewehrfeuer, das alles, Soldaten und Pferde niedermähte. Eine Mischung aus Grauen und Erstaunen über diese Bilder spiegelte sich in seinem Gesicht. „Hunderte starben sinnlos. Und sie wussten, dass sie keine Chance hatten. Es kam mir vor, als wollten sie uns zeigen, dass wir Russland nur besiegen können, wenn wir jeden umbringen.” „Du kannst dir nicht vorstellen, was Menschen zu leiden im Stande sind. Wir gruben uns frierend Höhlen im Schnee, manchmal mit bloßen Händen. Nach der Kapitulation von General Paulus in Stalingrad war der Krieg im Grunde verloren. Aber wer das sagte, riskierte, wegen Wehrkraftzersetzung erschossen zu werden. Irgendwie hofften wir auf ein Wunder und darauf, dass sich die Engländer und Amis doch noch gegen die Russen werfen würden. Abwegig war diese Hoffnung nicht. Schließlich soll Churchill nach dem Krieg gesagt haben: ‚Wir haben das falsche Schwein geschlachtet.‘” „Wir waren auf Erkundung in einem Wald, die Maschinenpistolen im Anschlag. Plötzlich sah ich Mündungsfeuer. Im selben Moment hat mich die Kugel erwischt. Die Russen saßen in den Bäumen. Verletzt lag ich im Schnee zwischen jungen Tannen, wo ich kaum zu sehen war. Unsere Einheit musste sich zurückziehen. Ich hoffte, dass mich der Feind nicht finden würde. Am Abend gelang unseren Männern ein Gegenangriff. Ich wurde in ein Lazarett gebracht.” Die Lebenspartnerin meines Vaters zeigte mir Jahre nach seinem Tod den Brief an seine Eltern aus dem Lazarett. Er war voll Respekt ihnen gegenüber und dem Gedanken an seine Pflicht als Soldat geprägt. Außerdem schrieb er von seiner unendlichen Müdigkeit und der Hoffnung, dass der Wahnsinn ein Ende fände. Ein Loch in der Schulter meines Vaters erinnerte an den Schuss des Russen. Einmal fragte meine Schwester Sylvia den passionierten Jäger: “Papi, haben die Russen gedacht, du bist ein Bock?” ---------------------------------------- Meine Mutter guckte direkt in das Kanonenrohr eines Panzers Kleine Episode aus Kriegszeiten: Meine Mutter wohnte in einem beschädigten Haus, der Luftdruck einer Bombe in der Nachbarschaft hatte den Dachstuhl eingedrückt. Ihr erster Mann ist in Smolensk an Fleckfieber gestorben. Meinen Vater lernte sie in dieser Zeit kennen, da er als Elektriker einen Job als Strom-Zähler-Ableser hatte. Ob es noch im Krieg war, weiß ich nicht. Jedenfalls klopfte es heftig an der Eingangstür, meine Mutter öffnete und guckte direkt in das Kanonenrohr eines Panzers, der direkt vor der Tür stand. Eine Stimme rief: „Hier vor einigen Minuten bum-bum”. Nach einigen Minuten Überlegen kam die Lösung – mein Vater hatte die Eigenart, die Holz-Rolladen an den Fenstern immer besonders schnell herunterzulassen, was ein Maschinengewehr-ähnliches Geräusch erzeugte. Der Panzerfahrer gab sich erst dann zufrieden, nachdem mein Vater noch einmal das Rolladen-Herunterlassen demonstrierte, das war das „bum-bum“. Mein Vater war im Krieg am Scheinwerfer zu Gange, mit denen nachts die Flieger angestrahlt wurden, um sie zu lokalisieren. Ein sehr gefährlicher Job, denn nicht selten eröffneten die Flieger dann das Maschinengewehrfeuer in Richtung Scheinwerfer. Er hatte Glück. Ich habe nach 18 Monaten Wehrdienst anschließend verweigert und wurde auch anerkannt, da mich der Militarismus regelrecht angewidert hat. E.J.A. ---------------------------------------- „Ihr wart ja nicht im Krieg, ihr wart ja nicht im Krieg“. Jahrgang 1950: Aufgewachsen in einem Dorf, durch das der Westwall ging, alle 500 Meter ein Bunker, dort gespielt und auf Trümmergrundstücken und Feldern, auf denen Granaten lagen, Handgranate mit nach Hause genommen, sah so interessant aus, hatte einen Schutzengel. Keinen Schutzengel hatten der Bruder meiner Mutter, die Männer meiner Tanten, Nachbar Onkel Willy im Rollstuhl „Onkel Willy, warum hast du keine Beine“, Opa vom Nachbarjungen lag zerfetzt im abgedunkelten Zimmer. Und immer wieder mein Vater „Ihr wart ja nicht im Krieg, ihr wart ja nicht im Krieg“. Krieg hört nicht auf mit dem Ende des Krieges. Johanna Stürtzel ---------------------------------------- Er war auf der „Tirpitz“ gewesen. Als Jg. 65 gehöre ich zu den Begnadeten, die noch keinen Krieg erleben mussten. Erinnern kann ich mich an die Erzählungen von Großonkel Willi, der beide Weltkriege als Soldat mitgemacht hat. Wirklich betroffen gemacht hat mich, als ich herausgefunden habe, dass mein Großvater, der kurz vor meiner Geburt starb, noch weitere Söhne gehabt hat, die alle den Krieg nicht überlebt haben. Es wurde so gut wie nie darüber gesprochen. Irgendwann wurde dann der Letzte für tot erklärt. Er war auf der „Tirpitz“ gewesen. Als ich im Winter auf einem Schiff in den nordnorwegischen Gewässern unterwegs war – warm, satt und unbedroht -, bin ich nachts draußen gewesen, habe die Kälte gespürt und in das undurchsichtige, tiefschwarze Wasser geschaut. Ich habe mir vorgestellt, wie die jungen Männer, die kaum erwachsen geworden sind,im Stahlrumpf des Schiffes eingeschlossen, gekentert, ohne große Chance auf Rettung in Dunkelheit im eisigen Wasser auf ihren Tod gewartet haben. Sie konnten nicht mal mehr um ihr Leben kämpfen. Nach dem ersten Chaos, nach dem vergeblichen Versuch, irgendetwas zu finden, um der Situation zu entkommen, wird ihnen tödlich bewußt geworden sein, dass sie hier, mutterseelenallein, irgendwo im Nirgendwo, elendig verrecken werden. Die schiere Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und Panik und Überlebenskampf werden sich bis zum bitteren Ende abgewechselt haben. Nichts, aber auch gar nichts rechtfertigt es, Menschen einem derartigen Horror auszusetzen. Kriege werden immer Oben gegen Unten geführt. Ute Giesen ---------------------------------------- „Denn wir waren ja im falschen Krieg gewesen!“ Liebe Journalisten der NachDenkSeiten, mit großer Hochachtung vor Ihrem unermüdlichen Bemühen um Frieden danke und grüße ich herzlich, Karen Bauer Während wieder Luftwaffe mit ihren Übungen über unsere Köpfe und Häuser donnert, erinnere ich mich: Mein Vater wurde mit 18 Jahren kurz vor dem Abitur aus der Schule heraus rekrutiert, kurzzeitig ausgebildet und als jüngster Kapitänleutnant der Marine nach Norwegen entsendet. Sein Schiff, ein als Minensuchboot umgebauter Walfischfänger als Begleitboot eines Flottenverbands, wurde von der englischen Luftwaffe angegriffen. Mein Vater wurde schwer verwundet, Granatensplitter durchdrangen seinen Bauchraum, seine Gedärme purzelten auf den Schiffsboden, er sammelte sie wieder ein, drückte sie in den Bauch zurück und blieb auf der Brücke. Weitere Splitter verankerten sich in seinen Beinen. Später im Lazarett gab man nichts auf sein Leben, ein Sarg stand schon bereit. Er schwebte lange zwischen Leben und Tod. Den zerstörten Körper behielt er sein Leben lang, die Splitter in den Beinen wurden nie entfernt, die Giftstoffe des Metalls waren im Verdacht, seinen Tod später durch Hautkrebs verursacht zu haben. Mein Vater kam als 22-jähriger junger Mann aus dem Krieg heim und durfte nicht hoffen, einmal eine Frau zu finden, die mit den Verletzungen zurechtkam. Welch Kummer! Er verlor seinen Heimatort und Elternhaus, seine Eltern und Geschwister waren geflohen und zerstreut. Er sagte einmal zu mir: „Das Grausamste aber war, heimzukehren und vom eigenen Volk angespuckt zu werden, denn wir waren ja im falschen Krieg gewesen!” Mein Großvater mütterlicherseits starb als Soldat 1939. Meine Großmutter zog ihre drei kleinen Kinder alleine groß. Meine Großtante und ihr Gatte verloren im Ersten Weltkrieg alle vier Söhne als Soldaten an der Front. Mein Schwiegervater wurde mit 16 Jahren an die Front geworfen, Zeit seines Lebens durfte man ihn nicht nach seinen Erfahrungen fragen, er schwieg über seine Erlebnisse. Meine Tante mit ihren 16 Lenzen stand in der Verantwortung für ein Dutzend weiterer Mädchen an Flakscheinwerfern. Alle ihre Kameradinnen verloren bei einem Luftangriff ihr Leben, allein meine Tante blieb zurück. Das hat sie nie verwunden. Eine Großtante und ihre Tochter wurden von russischen Soldaten vergewaltigt. Als weitere Truppen kamen, wurde die Tochter in einem Erdloch versteckt. Diese Großtante kannte man nie mehr wirklich fröhlich. Jungen Menschen lege ich einige Bücher ans Herz, dies nur eine kleine Auswahl: * Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses,Dee Brown * Im Westen nichts Neues, Erich Maria Remarque * Eleni, Niclas Gage * Geschichte eines Deutschen, Sebastian Haffner * Christus kam nur bis Eboli,Carlo Levi * Trotzdem ja zum Leben sagen, Viktor Frankl * Geboren am 4 Juli, Ron Kovic * Imperium USA, Daniele Ganser * Das Ukraine-Kartell, Thomas Röper ---------------------------------------- Hier können Sie den fünfzehnten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=151229] der Zusendungen unserer Leser nachlesen. Titelbild / Bildschreibung: Das Wrack des deutschen Schlachtschiffs „Tirpitz“ vor Norwegen [https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Troms%C3%B6,_Royal_Air_Force_Bomber_Command,_1942-1945_CL2830.jpg].

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Episode Das Wörterbuch der Kriegstüchtigkeit XXXV – „Ein Feind, ein guter Feind! – Russland und seine fünften Kolonnen“ Cover

Das Wörterbuch der Kriegstüchtigkeit XXXV – „Ein Feind, ein guter Feind! – Russland und seine fünften Kolonnen“

Vokabelkritik ist zu Kriegszeiten das Gebot der Stunde. Ich veröffentliche, nicht zuletzt aus hygienischen Gründen, in unregelmäßigen Abständen eine Sammlung teils verharmlosender, teils lügenhafter Wörter oder Formulierungen, deren Sinn und Funktion es ist, unsere Gesellschaft – uns alle – an das Undenkbare zu gewöhnen und möglichst geräuschlos in Richtung „Kriegstüchtigkeit“ umzukrempeln. – Diesmal geht es um den alten und neuen Feind im Osten und seine berüchtigten ‚fünften Kolonnen‘ hierzulande. Von Leo Ensel. Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar. außenpolitische Abwehrmaßnahme Nennt die EU eine im Worst Case Todesstrafe auf Raten, die aber eben – und das ist der Trick! – gar keine Strafe ist. Sprich: Sanktionen nicht etwa gegen russische Politiker oder Oligarchen, sondern gegen Privatpersonen wie den Schweizer Ex-Diplomaten Jacques Baud [https://www.berliner-zeitung.de/article/jacques-baud-es-gibt-keine-meinungsfreiheit-mehr-in-europa-10019864] oder den deutschen Journalisten Hüseyin Doğru [https://www.berliner-zeitung.de/article/fall-doru-behoerde-sperrt-auch-konten-der-ehefrau-familie-steht-vor-dem-nichts-10028136]. Deren (noch nicht mal nachgewiesene) Verbrechen, die ebenfalls keine sind: „prorussische Desinformation“, „Unterstützung destabilisierender Aktivitäten Russlands“, „Sprachrohr prorussischer Propaganda“, „Verbreitung von Verschwörungstheorien bzw. Desinformation zum Ukrainekrieg“ – kurz: Verbreitung von Informationen, die vom westlichen Mainstream abweichen! Die Höchststrafe – die eben keine ist: Kaltstellen der betreffenden Personen, am nationalen Rechtsstaat höchst elegant vorbei. Und zwar zeitlich unbefristet. (vgl. „destabilisierender Faktor“) bedingungslose Kapitulation (Russlands) [https://www.focus.de/politik/ausland/europa-muss-auf-die-kapitulation-russlands-hinarbeiten_86fec2de-a6b7-4a62-9464-9143100fa63b.html] „Doch gibt es auch für Russland einen Weg zurück in eine zivilisierte und friedliche Welt: Der Weg dahin ist der militärische Sieg der Ukraine. [Bei dem wir gerne noch etwas nachhelfen.] Dies käme einer bedingungslosen Kapitulation Russlands gleich.“ – Leider ist dieser hoffnungsfrohe, um den 8./9. Mai 2026 von Roderich Kiesewetter in die deutsche Öffentlichkeit lancierte Vorschlag mit einer gewissen ‚ästhetischen Unwucht‘ behaftet: 2025 – exakt 80 Jahre ‚danach‘ – wäre erheblich wirkungsvoller gewesen! (vgl. „Stunde Null“) Breitbandpazifismus [https://www.zeit.de/kultur/2025-04/friedensbewegung-ostermarsch-pazifismus-friedenstaube] (Angeblich auch noch unterkomplex.) Klingt nach Breitbandantibiotikum. Entdeckt [https://www.telepolis.de/article/Kriegstuechtigkeit-im-Feuilleton-Weisse-Tauben-im-Visier-10357507.html] hat diese Perle die kluge – ebenfalls sprachkritische – Christiane Voges in dem (pünktlich zum Ostermarsch 2025 platzierten) Essay „Die Tauben flattern nach rechts“ eines Johannes Schneider in der ZEIT. – Nach dem schon etwas ranzig gewordenen „Lumpenpazifismus“-Klassiker von Sascha Lobo im Spiegel und noch vor den „Altpazifisten“ auf der berühmten GRÜNEN Bundesdelegiertenkonferenz sah sich das einstige ‚Flaggschiff der Entspannungspolitik‘ wohl gezwungen, seinerseits mit einem frischen Neologismus nachzulegen. (vgl. „oldschool“) Desinformationssanktionsregime der Europäischen Union [https://www.nachdenkseiten.de/?p=146494] Ein Sanktionsregime der EU zur Durchsetzung von Desinformationen. – Oder? destabilisierender Faktor [https://www.youtube.com/watch?v=01hJNyph_JE] Ist jemand, der in der Strategie der transatlantischen Sicherheitseliten als schädlich für den gesellschaftlichen Zusammenhang gilt. Die argumentieren dann laut Konfliktforscherin Nel Bonilla so: „Im Moment befinden wir uns in einer Art Krieg, einer Art Frieden, in einer Grauzone. Wir können uns keinen destabilisierenden Faktor leisten. Also müssen wir die Person, Organisation, Institution aus der Gesellschaft ausschließen.“ – Kurz: Gemeint sind alle, die die offizielle Sicht der Dinge nicht teilen – und das auch noch laut zu sagen wagen. Beispiel gefällig? Dann googeln Sie mal nach Jacques Baud oder Hüseyin Dogru! (vgl. „außenpolitische Abwehrmaßnahme“, Informationsterroristen“, „Verbreiter von Verschwörungstheorien“) Diktatur- und Terrorfiliale [https://www.focus.de/politik/ausland/europa-muss-auf-die-kapitulation-russlands-hinarbeiten_86fec2de-a6b7-4a62-9464-9143100fa63b.html] „Warum machen wir so weiter wie bisher und ertragen sogar ein ‚Russisches Haus‘ im Herzen Berlins, statt diese Diktatur- und Terrorfiliale zu enteignen und zu schließen?“ Ereiferte sich Roderich Donner-, ääh: Kiesewetter am 11. Mai im FOCUS. – Tja, warum eigentlich nicht? Und alle orthodoxen Kirchen in Deutschland gleich mit! (Russensupermärkte ebenfalls.) Drecksregime [https://x.com/JulianRoepcke/status/1752815844378152976] Das „in Blut und Asche untergehen“ soll. (vgl. „Wahnsinniger im Kreml“) feige [https://www.deutschlandfunk.de/denk-ich-an-deutschland-der-musiker-sebastian-krumbiegel-100.html] Sind laut Sebastian Krumbiegel („Die Prinzen“) natürlich – die Pazifisten! (Weshalb er mutig darauf verzichtete [https://www.welt.de/vermischtes/prominente/article246449252/Die-Prinzen-Frontmann-Auszeichnung-mit-Krone-Schmalz-Krumbiegel-lehnt-Friedenspreis-ab.html], den renommierten Löwenherz Friedenspreis 2023 zusammen mit der unermüdlich für Deeskalation eintretenden Gabriele Krone-Schmalz anzunehmen.) immer dreister [https://www.youtube.com/watch?v=0rMsgpE736o] „Russland spioniert Deutschland mit Drohnen aus, vor allem Militärbasen und geheime Waffentransporte in die Ukraine. Das ist erschreckend und nicht ganz neu, aber das passiert immer häufiger, und die Spione gehen dabei immer dreister vor.“ So, sich auf die New York Times und die WirtschaftsWoche berufend, „ZDF heute“ am 30. August 2025. – „Immer dreister“: Ein Klassiker des Jargons Schwarzer Pädagogik, den sich die Erziehungsberechtigten im Öffentlichen Rundfunk einfach nicht abgewöhnen können! (Oder wollen?) (vgl. „keine Faxen reißen“, „noch dreister, rücksichtsloser und brutaler“, „Unfug machen“) Kräfte der zivilisatorischen Auslöschung [https://nius.de/politik/news/komplette-rede-us-aussenminister-marco-rubio-muenchner-sicherheitskonferenz] Es gibt nichts, was man nicht noch steigern könnte! Schauen Sie selbst: Zuerst „Achse des Bösen“, dann „CRINK“, dann „Achse der Verachtenswerten“ – und nun Marco Rubios „Kräfte zivilisatorischer Auslöschung, die heute Amerika und Europa gleichermaßen bedrohen“! – Die Konsequenz [https://www.nachdenkseiten.de/?p=146482]: „Rubio verlangt in diesem Kampf von Europa absolute Loyalität. Seine Botschaft ist unmissverständlich: Es gibt keine Neutralität mehr. In diesem klassisch bipolaren Weltbild gibt es nur Gläubige und Ungläubige, Vasallen und Feinde.“ Auf Deutsch: „Entscheidet euch, Leute! Und zwar schnellstmöglich.“ (Für uns natürlich.) mal die Moskauer U-Bahn stillstellen [https://www.zdf.de/play/talk/markus-lanz-114/markus-lanz-vom-24-september-2025-100] Wenigstens für einen Tag – mit Cyberangriffen. Forderte fröhlich am 24. September 2025 der EVP-Vorsitzende im Europaparlament, Manfred Weber, bei „Markus Lanz“. Denn: „Der Gegner macht das jeden Tag.“ mental schwächstes Land [https://www.welt.de/politik/deutschland/article69eb151dba6fbb31e59b9040/russland-cdu-politiker-kiesewetter-bezeichnet-deutschland-als-mental-schwaechstes-land.html] Ist natürlich – Deutschland. (Stellt doch Kanzler Merz der Ukraine den Taurus immer noch nicht zur Verfügung!) Klagte der mental unüberschaubare Roderich Kiesewetter am 24. April ausgerechnet im „Machtmenschen Podcast“ [https://wonderl.ink/@machtmenschen]. Mittel, Motiv und Möglichkeit [https://overton-magazin.de/top-story/britische-regierung-nur-russland-hatte-die-mittel-das-motiv-und-die-moeglichkeit/] Alliterierte die britische Regierung punktgenau zur Münchner Sicherheitskonferenz 2026: „Nur Russland hatte die Mittel, das Motiv und die Möglichkeit“. (Die Bundesregierung [https://www.auswaertiges-amt.de/de/newsroom/2756256-2756256], mit Sinn für Ästhetik, lieferte noch eine weitere Variation des Alliterationshattricks: „Nur der russische Staat verfügte über die erforderliche Kombination aus Mitteln, Motiv und Missachtung des Völkerrechts, um diese Tat zu begehen.“) Gemeint war der just in diesem Moment aufgetauchte Beweis (?), dass „Putins Schergen“ den russischen Oppositionspolitiker Alexej Nawalny am 16. Februar 2024 – ebenfalls punktgenau zur Münchner Sicherheitskonferenz – mit dem hochwirksamen südamerikanischen Froschgift Epibatidin [https://overton-magazin.de/top-story/ist-die-erklaerung-alternativenlos-dass-nawalny-vom-russischen-staat-vergiftet-wurde/] ermordet haben sollen. Und Außenminister Wadephul apportierte [https://x.com/AussenMinDE/status/2022776167766376837] brav: „Klar ist: Die russischen Behörden hatten die Möglichkeit, das Motiv und die Mittel, Nawalny das Gift zu verabreichen.“ – Was eine weitere Diskussion der Beweisführung überflüssig, nein: verdächtig macht! (vgl. den beliebten Sloterdijk‘schen Hattrick „offen, öffentlich und offensiv“, der die westliche Reaktion hier sehr gut auf den Punkt gebracht hätte.) noch dreister, rücksichtsloser und brutaler [https://www.spiegel.de/ausland/nato-generalsekretaer-mark-rutte-wir-sind-russlands-naechstes-ziel-a-cf52fdcd-11f6-4927-91d5-e63574607e22] Ist, laut NATO-Generalsekretär Mark Rutte, natürlich – Russland! Logische Konsequenz [https://www.berliner-zeitung.de/news/nato-chef-rutte-in-berlin-wir-sind-russlands-naechstes-ziel-li.10009837?fbclid=IwY2xjawOqRExleHRuA2FlbQIxMQBzcnRjBmFwcF9pZBAyMjIwMzkxNzg4MjAwODkyAAEeskQvy_Zf9HZgWBj7ACr3N6moJs4YKwMexvS14Y0Pum1RLwhwMqD8C0XzMcc_aem_84y38WoJo5Z_bRrzowGy0Q]: „Wir müssen uns auf ein Ausmaß von Kriegen vorbereiten, wie sie unsere Großeltern und Urgroßeltern ertragen mussten.“ („We must be prepared for the scale of war our grandparents and great-grandparents endured.“) – Any questions? oldschool [https://www.deutschlandfunkkultur.de/deutsche-sicherheitspolitik-diplomatie-100.html] „Ziemlich oldschool“, untertitelte der Deutschlandfunk Kultur abschätzig am 14. März ein Foto von „Gegen die Wehrpflicht“ streikenden Schülern, die doch tatsächlich (noch oder wieder?) ein Plakat mit der Aufschrift „Frieden schaffen ohne Waffen“ in der Hand hielten. – Lieber Deutschlandfunk Kultur (!), was ist denn eigentlich „newschool“? „Krieg schaffen mit Waffen“? (vgl. „aus der Zeit gefallen“, „Breitbandpazifisten“) pazifistisches Wolkenkuckucksheim [https://www.youtube.com/watch?v=pR73EW-al68] Man werde sie künftig aus ihrem pazifistischen Wolkenkuckucksheim holen. Versprach kurz nach der ersten Forderung von Boris Pistorius, Deutschland solle nun „kriegstüchtig“ werden, Dirk Kurbjuweit, Chefredakteur des Spiegel, seinen Lesern. (Woran nicht nur er, sondern die gesamte Redaktion sich gehalten hat.) Stunde Null [https://www.focus.de/politik/ausland/europa-muss-auf-die-kapitulation-russlands-hinarbeiten_86fec2de-a6b7-4a62-9464-9143100fa63b.html] „Europa muss daher konsequent auf eine ‚Stunde Null‘ Russlands hinarbeiten. Diese muss mit einer Verfolgung und Ahndung der Kriegsverbrechen einhergehen, und sie sollte der Anfang eines Prozesses sein, in dem der russischen Bevölkerung die Tragweite der russischen Verbrechen verdeutlicht wird.“ Forderten der immer rasanter zum ‚deutschen Dmitri Medwedew‘ mutierende Roderich Kiesewetter und eine Susann Worschech neulich im FOCUS. – Leider haben die um 80 Jahre verspäteten Rächer:innen im Eifer des Gefechts vergessen, den passenden Ort vorzuschlagen: NÜRNBERG natürlich! (vgl. „bedingungslose Kapitulation – Russlands“) Suff-Sprecherin [https://www.berliner-kurier.de/politik-wirtschaft/ukraine-krieg/dummheit-moskaus-suff-beleidigt-aussenministerin-baerbock-wegen-ukraine-weizen-sprecherin-li.227958] „Moskaus Suff-Sprecherin beleidigt Außenministerin Baerbock wegen Ukraine-Weizen.“ – Zur Erklärung: Der Berliner Kurier vom 15. Mai 2022 meinte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa. Deren originelles Verbrechen: Sie hatte doch tatsächlich Frau Baerbock „Dummheit“ vorgeworfen! Terrorstaat [https://www.focus.de/politik/ausland/europa-muss-auf-die-kapitulation-russlands-hinarbeiten_86fec2de-a6b7-4a62-9464-9143100fa63b.html] „Ein Terrorstaat, der von seinem imperialen Vernichtungswillen auch dann nicht ablässt, wenn er wirtschaftlich schwächelt“, ist natürlich laut ‚Roderich, der Taurus bricht!‘ – Russland. Wirksames Gegengift, wir Deutschen wurden auf diese Weise bereits für immer geheilt: Bedingungslose Kapitulation und Stunde Null! (Damals halfen die Russen uns, heute helfen wir ihnen.) Unwille der jungen Generation [https://www.deutschlandfunk.de/die-presseschau-aus-deutschen-zeitungen-8816.html] „Alles, was der russische Überfall auf die Ukraine hierzulande militärisch in Gang gesetzt hat, war bislang Stückwerk. Offenbart wurden die eklatanten Schwächen der Bundeswehr, gepaart mit einem verbreiteten Unwillen der jungen Generation, sich für den Wehrdienst bereitzufinden.“ Monierte am 23. April die Stimme des Volkes, ähh: Volksstimme, aus Magdeburg. – Subkutane Botschaft: Da müssen endlich mal andere Saiten aufgezogen werden! (vgl. „Generation Waschlappen“) Wahnsinniger im Kreml [https://x.com/JulianRoepcke/status/1752815844378152976] „Was ich mir wünsche: Dass Russlands Armee so dramatisch an Menschen und Material verliert, dass der Wahnsinnige im Kreml seinen Vernichtungsfeldzug gegen die Ukraine endlich beendet – und wenn möglich kurz darauf gestürzt wird.“ Womit Julian („Dünger“) Röpke am 31. Januar 2024 auf seinem X-Account dem beliebten „zweiten Hitler“ zu den zahllosen bereits vorhandenen (siehe „Putin II“) noch ein weiteres Attribut verlieh. Spontane Konsequenz des eloquenten Leitenden BILD-Redakteurs: „Also: Verwechselt nicht Objektivität mit Neutralität. Ich bin nicht neutral. Ich will das Drecksregime in Blut und Asche untergehen sehen. Besser heute als morgen.“ – Aber einen Mann mit solchem Tatendrang hält es nicht lange am Schreibtisch. Zwei Jahre später, am 20. April 2026, verkündete [https://x.com/JulianRoepcke/status/2046257455001215231] er auf derselben Plattform: „Was ansteht, ist der Wechsel zu einem deutsch-ukrainischen Drohnenbauer, der seit 2023 operiert und zu den größten Lieferanten für die Ukraine gehört.“ (Um in ungewöhnlich gedämpfter Tonlage noch hinterherzuraunen: „Das Unternehmen betreibt seine Öffentlichkeitsarbeit zum Schutz seiner Mitarbeiter in Deutschland und der Ukraine bewusst zurückhaltend, daher ist eine zeitnahe Nennung des Firmennamens nicht vorgesehen.“) (wird fortgesetzt) Alle bisher erschienenen Folgen der Serie „Wörterbuch der Kriegstüchtigkeit“ von Leo Ensel können Sie in dieser Übersicht finden [https://www.nachdenkseiten.de/?tag=woerterbuch-der-kriegstuechtigkeit] und diese auch einzeln darüber aufrufen. Leo Ensel: Wörterbuch der Kriegstüchtigkeit – Krieg heißt Töten. [https://mediashop.at/buecher/woerterbuch-der-kriegstuechtigkeit/] Wien 2026, Promedia Verlag, Taschenbuch, 168 Seiten, ISBN 978-3-85371-563-5, 20 Euro. Titelbild: © Tina Ovalle [https://tinaovalle.com/]

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