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Basel Social Club: Die spannendste Kunst der Art Basel gibt es nicht auf der Messe

3 min · 17. Juni 2026
Episode Basel Social Club: Die spannendste Kunst der Art Basel gibt es nicht auf der Messe Cover

Beschreibung

SZENE-HOTSPOT WÄHREND DER ART BASEL Ein leerstehendes Bürohaus, nur einen Steinwurf vom Bahnhof Basel entfernt. Wo früher Aktenordner standen, hängen jetzt Kunstwerke. In Büroräumen, Toiletten, Abstellkammern und Innenhöfen. Hier ist in diesem Jahr der Basel Social Club. Vor vier Jahren noch Geheimtipp, heute international gefeierter Szene-Treffpunkt. Während draußen die Art Basel läuft, entsteht in dem ehemaligen Bürokomplex für sechs Tage ein alternativer Kunstraum. Auch in diesem Jahr bestimmt der Ort das Programm. Es geht um unsere moderne Arbeitswelt, sagt Yael Salomonowitz, Mitgründerin des Projekts: „Wenn Büroräume wegfallen und Arbeit und Freizeit zu einem werden, wird Arbeit immer mehr zum Teil unseres Lebens – im Urlaub, auf dem Handy, die ganze Zeit. PSYCHO-SESSIONS UND BOTOX FÜR DIE SELBSTOPTIMIERUNG Was passiert, wenn Arbeit und Leben nicht mehr zu trennen sind? Auf vier Stockwerken kreisen die Arbeiten von Kunst-Stars und Newcomern aus aller Welt um die Leistungsgesellschaft, um Mental Health und Selbstoptimierung. Doch der Social Club ist mehr als Ausstellung. Er ist Begegnungsort. Es gibt Bars, Bistros, sogar ein Fitnessstudio. Nebenan im Welfare-Bereich spielen Musiker des Luzerner Sinfonieorchesters live eine Platte ein. Ein Stockwerk höher bietet eine Psychologin persönliche Beratungssessions. Und ständig die Frage: Ist das jetzt Performance – oder ernst gemeint? „WAS IST KUNST UND WAS IST NICHT KUNST?“ Hinter einer unscheinbaren Tür liegt die wohl absurdeste Station dieses Parcours: eine Botox-Bar, wo ein echter Arzt Injektionen setzt. „Es kommen immer mehr Leute. Viele sind ein bisschen scheu, den Raum zu betreten, weil es auch sehr klinisch aussieht“, erzählt der plastische Chirurg aus Zürich. „Es war auch in der ursprünglichen Bestimmung das Zimmer eines Betriebsarztes, das sieht man auch noch an der Einrichtung.“ GRENZENLOSER KUNST-KOSMOS VOLLER SKURRILITÄTEN Die Botox-Behandlung ist Teil des Konzepts, sagt Hannah Weinberger: „Wir lieben es, Dinge zu überspitzen. Und Selbstoptimierung ist ein Thema, das wir stark mit dem Büroalltag in Verbindung bringen.“ Die Künstlerin und Kuratorin gehört wie Yael Salomonowitz zum Gründungsteam. „Basel Social Club ist eine Brücke zwischen Kunst und Leben. Was ist Kunst und was ist nicht Kunst?“, sagt Salomonowitz. Das zu unterscheiden ist an diesem Ort fast unmöglich. Stundenlang wandelt man durch die Gänge dieses schier grenzenlosen Kunst-Kosmos, bleibt an Skurrilitäten hängen, stolpert über subversive Installationen. Abends wird die Tiefgarage des Gebäudes zum Club, mit Performances und DJ-Sets bis in die Nacht. KUNST OHNE SCHWELLENANGST, KOSTENLOS FÜR ALLE Der Social Club ist vielleicht der einzige Ort während der Art Basel, wo wirklich alle zusammen kommen: Sammlerinnen, Galeristen, Messeprofis, aber auch Familien aus Basel, Touristen und nicht zuletzt die lokale Kunstszene. „Wir sind ein sehr kleines Team, wir machen das alle nicht hauptberuflich. Es ist wirklich Labor of Love,“, so Yael Salomonowitz. Das Ziel ist Kunst ohne Schwellenangst. Der Eintritt ist kostenlos. Noch jedenfalls. Seit dem Start im Jahr 2022 wächst der Basel Social Club jedes Jahr: von einer leerstehenden Villa über eine verlassene Mayonnaisen-Fabrik bis zum Bürohochhaus. An den Andrang haben sich die Kuratorinnen zwar schnell gewöhnt. DIE KOSTEN STEIGEN MIT DEM ANDRANG „Wir müssen ja auch überleben und sind total unkommerziell aufgestellt. Aber die vielen Menschen, die kommen, das Personal, das wir brauchen um den Schutz der Besuchenden als auch den der Werke zu gewährleisten: Diese Kosten sind enorm.“ Wie lange das Konzept so noch funktioniert, wissen die Organisatorinnen selbst nicht. Sicher ist nur: Der nächste Basel Social Club wird wieder ganz anders aussehen.

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Episode Rot ist jetzt, was Trump für rot hält Cover

Rot ist jetzt, was Trump für rot hält

INFANTINO IST STAMMGAST IM WEISSEN HAUS Donald Trump greift zum Telefonhörer und übt Druck aus, in Politik, Wirtschaft, Medien. Dass er nun offenbar in eine Fußball-WM eingreift, ist keine Überraschung, sondern war zu erwarten. Trump umgeht Regeln und will bestimmen. Und er hört selten Widerworte. Natürlich auch nicht von Gianni Infantino. Der FIFA-Präsident war seit dem Amtsantritt von Trump so oft im Weißen Haus zu Gast wie kein Staatschef. Die FIFA hat Räumlichkeiten im Trump Tower in New York gemietet und dem US-Präsidenten einen „Friedenspreis“ verliehen. Infantino hat ein Umfeld für die WM geschaffen, in dem politische Einflussnahme sogar wahrscheinlicher geworden ist. EIN BEISPIELLOSER VORFALL BEI EINER WM Wobei Fußball und Politik seit Generationen verbunden sind, auch bei Weltmeisterschaften: 1934 in Italien wollte Mussolini mitbestimmen, 1978 in Argentinien die Militärjunta. Heute hat die FIFA 211 Mitgliedsverbände. In dutzenden Ländern bestimmen Minister, Generäle oder Monarchen den Fußball. Immer mal wieder hat die FIFA deshalb kleine und weniger einflussreiche Nationen ausgeschlossen. Dass nun aber der Präsident einer westlichen Demokratie, wie nun offenbar Trump, die Strafe für eine Rote Karte abmildern will, ist in der Geschichte der WM beispiellos.    EUROPA REAGIERT EMPÖRT, DIE USA BEDANKT SICH In Europa ist die Empörung groß, in den USA jedoch bedanken sich zahlreiche Fans und Medien bei Trump. Der Erfolg der US-Nationalmannschaft sorgt für Rekord-Einschaltquoten. Trump, der wegen des Iran-Krieges, der Epstein-Akten und der Zoll-Politik stark unter Druck steht, nutzt den Fußball für „America First“.  Ob sich der Fußball gegen Trump und Infantino zur Wehr setzen kann? Theoretisch ja. Die großen Verbände aus Deutschland, England, Frankreich und Brasilien könnten sich von dieser FIFA abwenden. Aber sie alle wollen am Rekordumsatz teilhaben, der nun bei der WM rund neun Milliarden Dollar beträgt.  SKANDALUMWITTERTE FIFA Der europäische Fußballverband UEFA sieht eine „rote Linie“ überschritten. DFB-Präsident Bernd Neuendorf wollte solche Worte nicht wählen. Seine Stellungnahme: diplomatisch. Deutschland will spätestens in den 2040er-Jahren wieder eine WM austragen. Denn das größte Sportspektakel bleibt lukrativ. Und die Einflussnahme von Trump könnte in dieser skandalumwitterten FIFA schon bald wieder vergessen sein.

7. Juli 20262 min
Episode Erschreckend guter Theaterabend: „Die Räuber“ in Stuttgart sind ein Warnruf für die Demokratie Cover

Erschreckend guter Theaterabend: „Die Räuber“ in Stuttgart sind ein Warnruf für die Demokratie

DIE WELT KURZ VOR DEM UNTERGANG Alles aschgrau und düster, selbst der riesige Mond im Hintergrund der Bühne. Dazu ein paar Mauerreste und in der Mitte aufgehäufte Steine, obendrauf thront ein rechteckiger, hermetisch geschlossener Betonbau mit einer Aussichtsplattform. Es könnte eine niedergebrannte Stadt oder die Welt kurz vor dem Untergang sein. Hier schmiedet Franz Moor – wunderbar gespielt von Therese Dörr –  finstere Intrigen, um an die Macht zu kommen.  AUF DER BÜHNE PASSIERT ALLES GLEICHZEITIG Schon ist man mittendrin in der fantastischen Überforderungsmaschinerie, die Regisseur Stefan Pucher an diesem Abend anwirft. Alles scheint gleichzeitig zu passieren: Auf die Fläche des Betonbaus projizierte Videos, Leinwände, die überall herunterfahren. Die Bühne dreht sich, ein in Stein gehauener Riese, ein Koloss, wird sichtbar, überzogen mit Filmen von Explosionen, Hubschraubern über Kriegsgebieten, Lavaströmen oder Totenschädeln. Parallel dazu flimmert Franz in silberfarbenem Kostüm mit übertriebenen Schulterpolstern in Nahaufnahme über eine von oben heruntergelassene Leinwand, verleugnet seinen Bruder, bis ihn der Vater verstößt. Und dann ist da noch Amalia, die Geliebte Karls, die auf ihn wartet und anfängt, alles zu hinterfragen. AMALIA EMANZIPIERT SICH: DIE STÄRKSTE FIGUR Amalia emanzipiert sich von den patriarchalen Strukturen, den Macht- und Ränkespielen, die alle ins Verderben führen. Thomas Melles Text macht sie zur stärksten Figur. Sie lotet aus, was Freiheit sein kann, wie sie aussehen muss. Sie erklärt auf der Bühne, dass Freiheit einen Rahmen und eine Ordnung braucht, um zu funktionieren. KARLS RÄUBER SIND EINE TERRORBANDE Währenddessen scheitert der verstoßene Karl, der eigentlich mit seiner Räuberbande gegen bestehende Machtverhältnisse und Ungerechtigkeit ankämpfen wollte. Doch seine Truppe ist zu einer mordenden und plündernden Terrorbande verkommen „Brenne, Stadt, brenne“, schreien die Räuber, aufgereiht als Punkband, an der Bühnenrampe. In dieser Truppe versammelt sich jede politische Couleur: ein aalglatt gegelter Rechtsradikaler in Bomberjacke neben dem linksalternativ angehauchten Typen in kurzer Adidashose und Felljacke. „Wer sind denn die wahren Verbrecher?“ Und: „Ihr habt uns allein gelassen,“ schreien die Räuber als frustrierte Jugend ins gutsituierte Stuttgarter Publikum. Am Ende ermorden sich die gescheiterten Brüder Franz und Karl. Amalia, über die ganze Bühnenfläche eingeblendet, fordert die restliche Räuberbande daraufhin auf, die Gräueltaten hinter sich zu lassen. FINGER TIEF IN DEN WUNDEN DER GEGENWART Die alten Parolen haben ausgedient. Wozu erzählen, wenn man handeln kann? Hier beginnt kein neues Zeitalter. Hier beginnt die Arbeit.  Ein großartig aufspielendes Ensemble vermittelt gekonnt die Botschaft des Abends: Handeln, solange es geht, sich einbringen, Demokratie und Freiheit schützen in Zeiten des erstarkenden Rechtspopulismus, in Zeiten des Krieges, in Zeiten, in denen Despoten die Welt ins Chaos stürzen. Es ist eine Inszenierung, die erschreckend gut die Finger ganz tief in die Wunden der Gegenwart stößt. Das ist auch dem Text von Thomas Melle zu verdanken, der Schiller ins Heute holt. Sehenswert!

Gestern4 min
Episode Kicken mit Walblick: „Der Weltatlas der Fußball-Stadien“ von John Gillard Cover

Kicken mit Walblick: „Der Weltatlas der Fußball-Stadien“ von John Gillard

DIE HEIMAT DER FUSSBALLFANS Ein Stadion ist mehr als nur ein Sportplatz mit ein paar Tribünen drumherum. Zum einen ist das Stadion für Fans und Mannschaften so etwas wie eine Heimat. Nicht ohne Grund greifen Fußballer in diesem Kontext gerne zu militärischen Begriffen wie dem der Bastion.  Zum anderen kann der Spielort konkrete Auswirkungen auf das Spiel selbst haben: Lage, Wind, die Ausrichtung zur Sonne – all das hat Einfluss.  SPIEL IN RICHTUNG STEINWAND Zur Europameisterschaft in Portugal im Jahr 2008 hatte der Stararchitekt Eduardo Souto de Moura in der Stadt Braga ein spektakuläres Stadion mit Tribünen ausschließlich auf den Längsseiten errichtet. Hinter den Toren sitzen keine Fans; lediglich Felsformationen ragen in die Höhe. Nicht wenige Profis zeigen sich deutlich irritiert davon, auf eine Steilwand spielen zu müssen. John Gillard findet im Vorwort seines Bandes pathetische Worte für das Fußballstadion als Sammelbecken von Gefühlen: „Stadien sind voller Erinnerungen und Emotionen. Sie bringen Gemeinschaften zusammen, sind Schauplatz von Rivalitäten und Freundschaften, schaffen magische Momente und herzzerreißende Niederlagen.“  1.000 STADIEN UND IHRE GESCHICHTEN 1.000 Stadien, sortiert nach Kontinenten und dort wiederum gegliedert nach Nationalstaaten, hat Gillard in diesem reichlich bebilderten Buch gesammelt. Und gerade, wer ein Faible für das Abseitige hat, kommt in Gillards Weltatlas auf seine Kosten. Sicher, die großen, imposanten Arenen mit ihrem zum Teil aber auch austauschbaren Erscheinungsbild, dürfen nicht fehlen. Und auch nicht Kultstätten wie die atmosphärisch unfassbare „Bombonera“ (Pralinenschachtel) in Buenos Aires, die Spielstätte der Boca Juniors, dem Club von Diego Maradona.  Dann aber blättert man sich durch Deutschland und stößt zwischen der Veltins-Arena auf Schalke und dem Wildparkstadion in Karlsruhe auf das Schwabenstadion, den Ground des Bayernligisten FC 1920 Gundelfingen, und liest dazu: „Lehnen Sie sich zurück, entspannen Sie sich und genießen Sie Fußball der unteren Liga am Ufer des Gartnersees.“ FLOSKELHAFTE BILDBESCHREIBUNGEN Das ist doch mal eine sehr spezifische Information. A propos Wildparkstadion: Das größte Problem dieses Buchs sind die kurzen Texte neben den Fotos. Die sind entweder schlecht übersetzt oder mutmaßlich gar durch eine KI generiert. Anders kann es nicht sein, so floskelhaft und auch sinnentstellt lesen sie sich zum Teil. Zum Karlsruher Stadion heißt es: „Trotz seines Namens sieht dieses Stadion alles andere als wild aus; sein klares Design ist symmetrisch und funktional. Vielleicht sind es ja die Fans des Karlsruher SC, die die Wildheit in die Spiele bringen.“ Offensichtlich wussten weder der Herausgeber noch der Verlag, was ein Wildpark ist. Beispiele dieser Art finden sich zu Dutzenden. KARLSRUHE, KOH PANYEE UND KURIOSES Da hilft dann nur, die Stadionfotos zu betrachten, und das macht wirklich großen Spaß: Im thailändischen Koh Panyi wird auf einem auf Pontons im Meer schwimmenden Platz gekickt. Wer den Ball ins Wasser schießt, muss ihn auch zurückholen.  Das Estadio Hernando Siles in Boliviens Hauptstadt La Paz ist mit knapp 3.700 Metern das höchstgelegene Stadion der Welt. Der Brasilianer Neymar bezeichnete die Bedingungen dort als „unmenschlich“.  Der grönländische Club Qeqertarsuaq trägt hingegen seine Heimspiele auf einem Kunstrasen mit Aussicht auf Eisberge und Wale aus. RELIKTE ALTER FUSSBALLKULTUR  Ein besonders aufmerksamer Blick lohnt sich auf die Stadien im Fußball-Mutterland England: Beim heutigen Drittligisten Luton Town müssen die Fans quasi durch die Treppenhäuser der benachbarten Wohnsiedlungen, um ins Stadion zu kommen.  So sehr der englische Fußball sich durch den Einstieg von Großinvestoren auch verwandelt hat – im Weltatlas der Fußball-Stadien finden sich noch zahlreiche Relikte der alten Fußballkultur. Und noch eines zeigt dieses Buch: Im Kern bleibt der Fußball ein Spiel für alle. Wo ein Wille ist, da ist auch ein Sportplatz.

5. Juli 20264 min