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Mahnmal erinnert an verfolgte Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus

6 min · 24. Juni 2026
Episode Mahnmal erinnert an verfolgte Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus Cover

Beschreibung

NEUES MAHNMAL IN BERLIN Die Zeugen Jehovas sind heute vor allem als Religionsgemeinschaft bekannt, deren Mitglieder öffentlich missionieren. Weniger bekannt ist ihre Geschichte während der NS-Zeit. Sie gehörten zu den ersten Gruppen, die von den Nationalsozialisten verfolgt wurden. In Berlin ist nun ein neues Mahnmal für die verfolgten und ermordeten Zeugen Jehovas eingeweiht worden. FRÜHE VERFOLGUNG DURCH DAS NS-REGIME Die Nationalsozialisten betrachteten die Zeugen Jehovas als Gegner des Regimes. Sie verweigerten den Hitlergruß und andere Loyalitätsbekundungen gegenüber dem Staat. Für viele Mitglieder war dies eine religiöse Überzeugung: Verehrung gebühre allein Gott, nicht politischen Führern. Der Historiker Tim Müller erklärt, dass die Gemeinschaft deshalb bereits in den frühen Jahren der NS-Herrschaft ins Visier der Behörden geriet. Viele Angehörige der Gruppe seien vor Gericht gestellt und früh in Konzentrationslager gebracht worden. DER LILA WINKEL ALS KENNZEICHEN In den Konzentrationslagern wurden die Zeugen Jehovas mit einem eigenen Symbol gekennzeichnet: dem sogenannten lila Winkel. Dadurch waren sie als eigene Häftlingsgruppe erkennbar. Besonders auffällig war nach Angaben Müllers ihre Haltung zum Militärdienst. Die pazifistisch geprägte Religionsgemeinschaft verweigerte geschlossen den Kriegsdienst. „Insgesamt wurden fast 300 junge Männer hingerichtet wegen Kriegsdienstverweigerung“, sagt Müller. Damit stellten die Zeugen Jehovas die größte Gruppe von Kriegsdienstverweigerern im Nationalsozialismus. STREITPUNKT ERINNERUNGSKULTUR Das neue Mahnmal soll an die Opfer erinnern. Müller mahnt jedoch zu einer klaren Trennung zwischen historischem Gedenken und aktuellen Interessen der Religionsgemeinschaft. „Es ist ein Denkmal nur für die historischen Opfer“, sagt der Historiker. Der Staat müsse gerade bei religiösen Themen Neutralität wahren. Das Gedenken solle vor allem die Geschichte der Verfolgten sichtbar machen und daran erinnern, wohin Ausgrenzung von Minderheiten führen könne. WARUM DAS GEDENKEN HEUTE WICHTIG BLEIBT Für Müller hat die Erinnerung an die NS-Verbrechen gerade für junge Menschen eine besondere Bedeutung. Sie zeige, wie verletzlich Demokratie und Rechtsstaatlichkeit sein können. Das Ziel der Gedenkarbeit sei es, zu vermitteln, dass Menschenwürde, Gleichheit und demokratische Grundrechte keine Selbstverständlichkeit seien. „Diese Demokratie der Menschenwürde, das Beste, was wir je hatten, ist zerbrechlich“, sagt Müller. Die Erinnerung an die verfolgten Zeugen Jehovas sei deshalb nicht nur ein Blick in die Vergangenheit. Sie könne auch dazu beitragen, das Bewusstsein für Menschenrechte und den Schutz von Minderheiten in der Gegenwart zu stärken.

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Episode Zu den Sternen! Weltraum-Kunst im Arp-Museum Remagen Cover

Zu den Sternen! Weltraum-Kunst im Arp-Museum Remagen

KOSMISCHE PHÄNOME FASZINIERTEN SCHON IMMER Julia Wallner, Direktorin des Arp-Museums, steht vor der rot glühenden Sonne von Katharina Sieverding, einer Videoinstallation aus echten NASA-Bildern – schön und bedrohlich zugleich. Schon in den 1910er-Jahren – als der Halleysche Komet der Erde gefährlich nahekommt – sind Künstler und Künstlerinnen hingerissen von kosmischen Phänomenen. Manche bilden Milchstraße, Sonnenfinsternis und Protuberanzen fotorealistisch ab. „Planet Arp“ nennt die Direktorin ihr Museum. Was ihr Team unter dem Titel „Zu den Sternen!“ zusammengetragen hat, ist eine künstlerische Suche nach neuen Perspektiven auf den Planeten Erde und auf unser Schicksal. Für Wallner der Inbegriff von Kunst: „Die Unendlichkeit des Kosmos bietet den Raum für Neugier, Fantastik, das Utopische […], das Unmögliche. Das Unmögliche ist die Wiederentdeckung der Menschlichkeit, auch der friedliche Umgang mit unserem Planeten, auch eine Versöhnlichkeit der Wesen untereinander.“ DIALOG MIT AUSSERIRDISCHEN Auch heute ist der Dialog mit Außerirdischen Treibstoff für künstlerische Innovation. Die jüngste Künstlerin der Ausstellung, Mona Schulzek, glaubt an ein kosmisches Zusammenleben: Sie interessiert, dass der Mensch einerseits aus dem Kosmos entsprungen ist, diesen aber gleichzeitig als etwas Fernes, Außenstehendes wahrnimmt. Mona Schulzek: „Was ich durch meine Arbeiten versuche zu schaffen, ist, Berührungspunkte zu geben, um diesen Abstand vielleicht zu verringern.“ Im Innenhof des Arp-Museums steht ihr „Outerspace Transmitter“ – eine funktionierende Funkstation, die Botschaften ins All schickt. Auf der Grünfläche hinter dem Museum hat Schulzek eine Stahlkapsel mit Bremsfallschirmen bruchlanden lassen. WELTRAUMSCHROTT UND AUSGEDIENTE TAUCHKAPSEL „Chamber VI“ – ein Zwitter aus Weltraumschrott und ausgedienter Tauchkapsel, der die unerforschten Weiten des Alls mit den noch weniger erforschten Tiefen des Meeres verbindet. Wer hineinschauen will ins Bullauge, sieht stattdessen sein Spiegelbild – und erkennt sich vielleicht auch neu? Der Kosmos wird weiter existieren, auch ohne uns. Für diese nackte Tatsache findet die Ausstellung bedrückende und berührende Bilder. Mit der Mission, die Welt zu heilen und zu retten, schwebt ein Raumschiff durch den letzten Raum: eine multimediale Installation von Yael Bartana, ursprünglich geschaffen für die Biennale in Venedig 2024. Ihre Utopie macht Lust, die Zeit, die wir auf diesem Planeten noch haben, besser zu nutzen.

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Episode Theaterspektakel zum Saisonabschluss in Mannheim: Parforceritt durch die griechische Mythologie Cover

Theaterspektakel zum Saisonabschluss in Mannheim: Parforceritt durch die griechische Mythologie

RIESIGE COLLAGE VON KOMÖDIEN, TRAGÖDIEN UND SAGEN In dieser Inszenierung treten wirklich alle auf: Perseus und die Erinnyen, Ödipus und Medea, Herakles und Aphrodite, Elektra, Odysseus,  und und und … „Kampf der Titanen“ ist eine riesige Collage, ein Mashup, eigentlich ein Parforceritt durch die gesamte griechische Mythologie. Das heißt, wir beschäftigen uns nicht nur mit den Komödien und Tragödien der antiken Autoren, sondern auch mit den griechischen Sagen“, so Olivia Ebert, Dramaturgin am Nationaltheater Mannheim. Verhandelt wird das Menschsein an sich, die ewige Verstrickung von Liebe und Hass, die ewigen Kämpfe um Gerechtigkeit und Rache. Doch auch wenn viele Textpassagen aus Klassikern stammen: Was in Mannheim über die Bühne geht, will weniger tiefschürfende Inszenierung als vielmehr trashiges Spektakel sein.  Wegen der Generalsanierung des Theaters geht das Ganze in der derzeitigen Ersatzspielstätte für das Schauspiel, dem Alten Kino Franklin, über die Bühne. KOSTÜM UND BÜHNENBILD ZU 90 PROZENT RECYCELT Der Kampf zwischen Patroklos und Hektor etwa wirkt wie eine Slowmotion-Szene aus einem Comic – Vorbild ist hier der 80er-Jahre-Trickfilmklassiker „Clash of the Titans“ – die Götter leben in einer WG und haben coole Sprüche auf den Lippen. Die Kostüme reichen von klassisch bis schräg und dem Bühnenbild haftet etwas Improvisiertes an. Olivia Ebert: „Das Besondere ist auch, dass Kostüm und Bühnenbild zu 90 Prozent recycelt sind, die Künstler sind durch den Fundus gegangen, es werden alte Opern-Bühnenbilder verwendet, alles ist cyanblau und magentapink angemalt, so eine sehr fantasievolle Interpretation von Antike.“ Eine weitere Besonderheit: Das Publikum soll hier nicht die ganze Zeit sitzen bleiben, sondern kann aufstehen, herumwandern und Pausen nach Belieben machen. Eine Art Box-Ring bildet die zentrale Bühne. Hier geht es etwas konzentrierter um die drei Tragödien Bakchen, Ödipus, Antigone. THEATER ALS EIN FEST ZU EHREN VON DIONYSOS, DEM GOTT DES RAUSCHES Ansonsten passiert vieles gleichzeitig in den Rauminstallationen hinter der Bühne: einem Käfig für Prometheus, einem Auto für die Irrfahrten des Odysseus, einer Kammer, in der Kassandra für das Publikum Tarotkarten legt. Die Dauer des Ganzen: vier Stunden in der kurzen und sechs Stunden in der sogenannten „Extended Version“.  Vielstündige Antikeninszenierungen haben in den letzten Jahren in anderen Städten für große Furore gesorgt: Dionysos in München und Anthropolis in Hamburg. Mannheim will es wilder und popkultureller machen, aber auch hier geht es um den Bezug zur Antike und die Anfänge der Demokratie.   Olivia Ebert: „Das interessiert natürlich immer wieder, dass in der Antike die Theaterstücke ja als Wettbewerb und mehrtägiges Fest gezeigt wurden, eingebettet in eine Feier zu Ehren von Dionysos. Und Dionysos ist der Gott des Rausches, der Ekstase und des Theaters.“

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