SWR2 Kultur Aktuell

Feel it – ZKM Karlsruhe feiert mit einer Ausstellung „Die Sinnlichkeit der Medienkunst“

4 min · 7. Juli 2026
Episode Feel it – ZKM Karlsruhe feiert mit einer Ausstellung „Die Sinnlichkeit der Medienkunst“ Cover

Beschreibung

HÖREN, SEHEN, RIECHEN: MEDIENKUNST MIT ALLEN SINNEN ERLEBEN Gezeigt werden rund 50 Werke von Künstlerinnen und Künstlern aus aller Welt, die nicht nur unseren Sehsinn, sondern auch unseren Tast-, Geruchs- und Hörsinn ansprechen. Küsse etwa können sich gut anfühlen und nicht nur unseren Puls hochjagen, sondern auch die verschiedensten Gehirnregionen enorm stimulieren. Das niederländische Künstlerduo Karen Lancel und Hermen Maat lädt Paare im ZKM zur Kuss-Performance ein und setzt ihnen Elektrodenhauben auf. Die dabei gemessenen Herzfrequenzen und Gehirnströme werden nicht nur grafisch auf dem Boden rund um das Paar dargestellt, sondern auch in Sounds verwandelt. Die menschlichen Körper scheinen mit der Computertechnologie zu verschmelzen. DAS SKELETT ALS VERSTÄRKER Auch die australischen Künstlerinnen Gail Priest und Helen Pynor wollen mit ihrem Medienkunstwerk unsere Sinne ansprechen. Sie haben sich mit der Entwicklung des Gehörs, genauer den Mittelohrknöchelchen, im Laufe der Evolution beschäftigt. Um dem Publikum ihre Forschungsergebnisse zu vermitteln, setzt Gail Priest eine ganz spezielle Technik ein: „Ich verwende sogenannte Körperlautsprecher. Man setzt sie sich nicht auf die Ohren, sondern hält sie zum Beispiel an die Stirn oder an die Schläfen – oder an irgendeinen Knochen im Körper und so kommen die Stimmen und Sounds tatsächlich über das Skelett ins Innenohr.“ MIT KUNST GEGEN DAS KORALLENSTERBEN Der Künstler Marco Barotti nutzt Schallwellen für einen ökologisch guten Zweck. Er hat die Klanglandschaft gesunder Korallenriffe aufgenommen und beschallt damit geschädigte Riffe, um sie zum Wachstum anzuregen. Marco Barotti, der in erster Linie Jazzmusiker ist, arbeitet dabei mit Meeresbiologen zusammen. In seiner raumgreifenden Audio-Videoinstallation kann man bei dieser Langzeitstudie zusehen und in die wunderbare, heute so bedrohte Unterwasserwelt abtauchen. ARBEITEN, DIE WACHRÜTTELN Den meisten der künstlerischen Positionen in der Ausstellung des ZKM geht es nicht darum, unsere Sinne zu reizen, um uns Wohlgefühle zu vermitteln. Sie wollen uns eher wachrütteln, aber eben nicht nur über den Intellekt. Viele der Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt wurden durch das ZKM erst dazu animiert, sich mit der Sinnlichkeit von Medienkunst auseinanderzusetzen und Kunstwerke zu schaffen, die unsere Sinne in neuer Art und Weise ansprechen. Die gezeigten künstlerischen Positionen sind so vielfältig in ihren Herangehensweisen und Zielsetzungen, dass diese Ausstellung nicht nur zum sinnlichen Erlebnis wird, sondern auch zeigt, wozu das ZKM in der Lage ist: Künstlerinnen und Künstler zu neuen Arbeiten anzuregen und zusammen mit neuester Technologie und Wissenschaft unsere Perspektiven zu erweitern. Unbedingt sehenswert!

Kommentare

0

Sei die erste Person, die kommentiert

Melde dich jetzt an und werde Teil der SWR2 Kultur Aktuell-Community!

Loslegen

2 Monate für 1 €

Dann 4,99 € / Monat · Jederzeit kündbar.

  • Podcasts nur bei Podimo
  • 20 Stunden Hörbücher / Monat
  • Alle kostenlosen Podcasts

Alle Folgen

10965 Folgen

Episode Gecancelter Auftritt von Danger Dan und Igor Levit: Wann wird die Demokratie abgesagt? Cover

Gecancelter Auftritt von Danger Dan und Igor Levit: Wann wird die Demokratie abgesagt?

DAS LIED „KEINE ANGST“: VOR ALLEM EINE DIAGNOSE Wir brauchen nicht länger Serien wie „Babylon Berlin“ zu schauen. Der morbide Reiz, dem Sterben einer Demokratie zuzuschauen, ist längst in der Gegenwart angekommen. Das zeigt die Debatte um die Ausladung von Danger Dan und Igor Levit aus der Satiresendung „Die Anstalt“ deutlich. Beide wollten dort ein Lied aufführen, das man skandalisieren kann. Und das jetzt auch skandalisiert wird, als Aufruf zur Gewalt von links. Deshalb hat das ZDF den Rapper und den Pianisten ja auch ausgeladen. Der Fernsehsender befürchtet, sonst als Steigbügelhalter eines Gewaltaufrufs dazustehen. Das mag verständlich wirken, angesichts der aufgeheizten Stimmung vor den Landtagswahlen in Ostdeutschland. Doch an dem, was Danger Dan in seinem Lied beschreibt, geht es vorbei. Denn dieses Lied ist vor allem eine Diagnose – und Ausdruck einer realen Angst. DIE ANGST, DASS ES NOCH EINMAL SCHIEFGEHT Danger Dan beschreibt die Angst all derer, die fürchten, einen gesellschaftlichen Backlash zu erleben – und dabei selbst zu den Leidtragenden zu werden: Menschen mit Einwanderungsgeschichte, aus liberalen und linken politischen Milieus – und vor allem auch: Jüdinnen und Juden. An sie richtet sich die Botschaft dieses Liedes. Und die lautet: Vertraut nicht länger auf den Staat. Vertraut nicht auf die Polizei. Das alles ist schon einmal schiefgegangen in Deutschland. Und es scheint gerade ein weiteres Mal schiefzugehen. Ihr könnt euch in dieser Situation nur selbst helfen. Das ist die eigentliche Botschaft von Danger Dan und auch Igor Levit. Das Lied handelt von einem Vertrauensverlust. Ist dieses Land noch gefeit vor einem neuen Absturz in den Rechtsextremismus? Kann man den staatlichen Institutionen noch vertrauen, dass sie diese Gefahr noch abwehren? IM ERNSTFALL ALLEIN GELASSEN? Oder sind die bürgerlichen Eliten bereits wieder auf dem Weg in die Komfortzone – bereit, sich mit rechtsextremen Mehrheiten in Teilen des Landes abzufinden, vielleicht sogar mit ihnen zu kooperieren? Wer wird uns helfen, wenn es in diesem Land wieder zum Äußersten kommt? Das fragt Danger Dan stellvertretend für alle, die vor dieser Entwicklung Angst haben – und die zunehmend das Gefühl beschleicht, dass sie im Ernstfall allein dastehen werden. Und als wollte das ZDF dieser Angst nun auch noch Vorschub leisten, kommt nun die Absage: Nein, in unserer kritischen Satiresendung ist genau für diese Meinungsäußerung kein Platz. Und auch andere Medien dürfen sich gleich mit angesprochen fühlen: Werden wir denn da sein, wenn es darum geht, Freiheitsrechte zu verteidigen? Oder schlagen wir uns dann auch bei nächstbester Gelegenheit in die Büsche? SICHTBARER WIDERSTAND STATT ANTIFA Keine Frage, einige Zeilen im Lied von Danger Dan sind fragwürdig: Muss man denn wirklich zum Leben im politischen Untergrund auffordern? Mit unverkennbarer Affinität zur Antifa? Wieso sollten wir Angst haben, irgendwo Fingerabdrücke zu hinterlassen? Oder auf Überwachungskameras sichtbar zu werden? Das geht wirklich in die völlig falsche Richtung. Legitimer politischer Widerstand sollte doch gerade sichtbar sein und werden. Das eigentliche Problem besteht darin, dass dieser politische Widerstand viel zu wenig sichtbar ist. Statt sich daher moralisch zu empören, wäre etwas anderes wichtiger: Selbstkritik. Muss es erst dahin kommen, dass alle den Mut verlieren – und auf Radikalität setzen? Wo bleibt der gesellschaftliche Schulterschluss? Wo bleibt die Solidarität – gerade auch der bürgerlichen und konservativen Milieus? Die klare Absage, mit uns nicht? Und zwar auf den Straßen? Es gibt eine klare Mehrheit gegen Rechtspopulismus und Rechtsextremismus. Nur muss sie sich auch zeigen – und Gehör verschaffen. Niemand muss mit der Antifa liebäugeln. Nur wäre es wichtig, jetzt langsam aufzuwachen. Denn wir schauen eben nicht „Babylon Berlin“. Es ist unsere Gegenwart.

Gestern3 min
Episode Besser als „Game of Thrones“: „Die Hunnenkönigin“ bei den Nibelungenfestspielen Cover

Besser als „Game of Thrones“: „Die Hunnenkönigin“ bei den Nibelungenfestspielen

DER ERSTE GROSSE SOUNDTRACK DER NIBELUNGENFESTSPIELE „All in“, totaler Einsatz, so muss man sich vermutlich die Grundhaltung der Briten Oliver Lansley und James Seager für ihre Worms-Premiere vorstellen. Lansley hat den Text zur Uraufführung „Die Hunnenkönigin“ geschrieben. Gemeinsam haben sie das Stück inszeniert. Einer der Regie-Kunstgriffe: Der Theaterabend hat einen veritablen Soundtrack, komponiert und live performt unter anderem von Popmusikerin Alice Merton. Wie es sich für einen Soundtrack gehört, wird der als Album herausgebracht, zum ersten Mal in der knapp 25-jährigen Geschichte der modernen Nibelungenfestspiele. Die Musik illustriert und untermauert die Handlung auf der großen Freilichtbühne in Worms. KRIEMHILD UND DIE WELT ALS SCHACHBRETT Im Zentrum: Kriemhild von Burgund. Von ihrem Bruder, dem machtbesessenen und zugleich phlegmatischen König Gunther, wird sie an Hunnenkönig Etzel verschachert. Entgegen Kriemhilds Vorurteil und der gängigen Darstellung entpuppt der sich jedoch als durchaus zivilisierter, fast feinfühliger Zeitgenosse. Und trotzdem trauert Kriemhild ihrem vor Jahren ermordeten Mann Siegfried nach. Noch immer spricht sie mit ihm. „Ich bin es so satt, mir vorschreiben zu lassen, was ich zu fühlen habe“, reflektiert sie einmal, „von Männern, für die die Welt nur ein Schachbrett ist, auf dem sie die Figuren opfern, wie sie Lust haben. Sag mir, Siegfried, was soll ich mit diesem Leben anfangen, in dem Du mich zurückgelassen hast?“ Einen so unverstellten, schlichten Ton gab es noch nie bei den Nibelungenfestspielen. Das liegt auch an dem durchweg starken Ensemble rund um Schauspielerin Maria Dragus als Kriemhild. Die 32-Jährige kann bereits auf eine beeindruckende Vita als Film- und Fernsehschauspielerin zurückblicken. OLIVER LANSLEY GELINGT TEXTVORLAGE OHNE PATHOS Die Titelrolle in „Die Hunnenkönigin“ ist die erste Theaterrolle von Maria Dragus. Ihre Kriemhild zeigt anfangs trügerische Naivität und Verletzlichkeit, die sich im Laufe des Abends in verzweifelte Raserei verwandelt. Vor allem aber befreit der ungekünstelte Stücktext des Engländers Oliver Lansley den Sagenstoff vom Pathos. So auch bei Kriemhilds Mutter Ute, bemerkenswert gespielt von Filmstar Jeanette Hain, die für die Festspiele ebenfalls einen seltenen Abstecher zum Theater macht. Sie reflektiert ihre Rolle als Mutter, die ihren Kindern „nichts als Glück“ wünscht. „Irgendwann sind sie nicht mehr diese hilflosen, kleinen, rosa Bündel, die man einst im Arm gewiegt hat. Sie werden zu Menschen. Und ehe man sich’s versieht, findet man sich auf der Reise des Lebens auf dem Rücksitz wieder.“ „DIE HUNNENKÖNIGIN“: LIVE BESSER ALS „GAME OF THRONES“ Festspielintendant Nico Hofmann, prägender Kopf der Filmwelt, hatte vor den Festspielen angedeutet, die diesjährige Inszenierung biete vielleicht sogar Anklänge an die Erfolgsserie „Game of Thrones“. Doch „Die Hunnenkönigin“ ist dank ihrer Live-Momente sogar besser. Das britische Theaterteam ist bekannt für spektakuläre Vorstellungen, bei denen Tanz, Komik, Figurenspiel und Illusion zum Tragen kommen. An diesen eindrucksvollen Mitteln haben sie auch in Worms nicht gespart. Zur Musik von Alice Merton gibt es höfische Crossover-Tänze. Pferde und Hirsche werden zum Leben erweckt und wieder getötet. Ein güldener Siegfried ist wie durch Zauberei einerseits sichtbar und gleichzeitig unsichtbar. Schließlich schneit es sogar, ganz im Sinne des berühmten „Game of Thrones“-Zitats „Winter is coming“. Das Publikum ist im wahrsten Sinne des Wortes verzaubert. „All in“, das bedeutet immer ein Wagnis. Es hat sich gelohnt. STÜCKEINFÜHRUNG: „DIE HUNNENKÖNIGIN“ IN WORMS

Gestern4 min
Episode Fotoausstellung „Unordnung“ in der Staatsgalerie Stuttgart – Stolpern, Staub und kreative Chancen Cover

Fotoausstellung „Unordnung“ in der Staatsgalerie Stuttgart – Stolpern, Staub und kreative Chancen

Die Staatsgalerie Stuttgart zeigt mit „Unordnung“ die Hauptausstellung des Fotosommers Stuttgart 2026. Zu sehen ist eine inspirierende Bestandsaufnahme der Gegenwart durch die Brille künstlerischer Fotografie. Der Fotosommer Stuttgart ist vor 24 Jahren entstanden als kleine Initiative der lokalen Fotoszene. Im Laufe der Zeit ist der Fotosommer zu einem auch international wahrgenommenen Event herangewachsen. 2026 nehmen über 30 Galerien, Museen und andere Präsentationsorte teil – nach Angaben der Veranstalter ist dies die größte Ausstellungs-Kooperation, die es in Stuttgart je gegeben hat. Für die Hauptausstellung in der Staatsgalerie Stuttgart hatten sich fast 300 Beiträge beworben.

Gestern3 min