Gin And Talk

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Alin Coen über ADHS, Musik und Zärtlichkeit

45 min · 9 de jul de 2026
Portada del episodio Alin Coen über ADHS, Musik und Zärtlichkeit

Descripción

Die Zärtlichkeit als Gegenprogramm Es gibt Sätze, die man viel zu selten sagt. „Du bedeutest mir die Welt" ist so einer – zu groß, zu pathetisch, zu verletzlich für den Alltag. Alin Coen hat ihn zum Titel ihres neuen Albums gemacht, gemeint als Wiedergutmachung nach einem Konflikt: „Ich will nur, dass du weißt, dass du mir wichtig bist. Auch wenn ich mich in manchen Situationen nicht so super verhalte." Eigentlich wollte die Songwriterin ein tanzbares Album schreiben, doch beim Arbeiten stellte sie fest, dass ihr Impuls ein anderer war – „eigentlich was Zärtliches und Liebevolles", ein Gegengewicht zu Cybermobbing und der „harschen Sprache miteinander". Dass ihre Lieder aussprechen, was im Gespräch kaum über die Lippen käme, erklärt sie mit der Musik selbst: „Vielleicht entsteht da so eine Art Gefühls-Safe-Space in dem Moment, wo ich in dieser Musik so drin bin." Was dann herauskommt, überrascht sie mitunter selbst – als beim Song „Immer noch da" die Zeile „Ich habe das Ende meiner Einsamkeit gefunden" auftauchte, musste sie erst einmal weinen. Dass Coen über Achtsamkeit auch im ganz persönlichen Sinne spricht, hat mit einer späten Erkenntnis zu tun. 2020 fragte eine Kinderneurologin sie beiläufig, ob sie über sie in einem ADHS-Magazin schreiben dürfe – auf ihrem damaligen Album sei ja „jedes Lied ein ADHS-Lied". Coen hielt das für ein Missverständnis, bis YouTube-Videos des Kanals „How to ADHD" ihr die Augen öffneten: „Ich habe Rotz und Wasser geheult", erinnert sie sich – endlich gab es eine Erklärung für das jahrelange Gefühl, „irgendwie komisch" zu sein. Dass die Diagnose so spät kam, bedauert sie kaum; in ihrer Schulzeit sei die Stigmatisierung groß gewesen. Ihre Grundschullehrerin prophezeite, sie werde am Gymnasium „kläglich scheitern" – Coen schaffte es trotzdem, ausgerechnet auf einem Musikgymnasium. Das Schulsystem nennt sie heute ein „total defizitorientiertes System", das mit den Talenten der Kinder noch nicht individuell genug umgehen könne. Ihr Gegenentwurf ist so einfach wie ungewohnt: der trainierte Muskel des Komplimentemachens, wie ihn etwa die „warme Dusche" in Grundschulklassen übt, bei der ein Kind von allen gesagt bekommt, was sie an ihm mögen. Wer verstehen will, wie aus Langeweile in einem schwedischen Kellerzimmer eine Songwriterin wurde, warum zwischen Coens Alben oft Jahre liegen – und weshalb das nächste in nur zwei Jahren erscheinen und tanzbar werden soll –, dem sei dieses ausführliche Gespräch empfohlen. Darin spricht sie über die Entstehung von „Du bedeutest mir die Welt", ihren Umgang mit der ADHS-Diagnose und die Frage, warum wir einander öfter sagen sollten, was wir aneinander schätzen. Alle Informationen zu DIE SCHWERKRAFT DER VERNUNFT unter: https://schwerkraft-der-vernunft.com [https://schwerkraft-der-vernunft.com] Folgt uns bei Instagram: https://instagram.com/ginandtalk [https://instagram.com/ginandtalk] Mehr Podcasts gibt es auf: https://48forward.com [https://48forward.com]

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Portada del episodio Alin Coen über ADHS, Musik und Zärtlichkeit

Alin Coen über ADHS, Musik und Zärtlichkeit

Die Zärtlichkeit als Gegenprogramm Es gibt Sätze, die man viel zu selten sagt. „Du bedeutest mir die Welt" ist so einer – zu groß, zu pathetisch, zu verletzlich für den Alltag. Alin Coen hat ihn zum Titel ihres neuen Albums gemacht, gemeint als Wiedergutmachung nach einem Konflikt: „Ich will nur, dass du weißt, dass du mir wichtig bist. Auch wenn ich mich in manchen Situationen nicht so super verhalte." Eigentlich wollte die Songwriterin ein tanzbares Album schreiben, doch beim Arbeiten stellte sie fest, dass ihr Impuls ein anderer war – „eigentlich was Zärtliches und Liebevolles", ein Gegengewicht zu Cybermobbing und der „harschen Sprache miteinander". Dass ihre Lieder aussprechen, was im Gespräch kaum über die Lippen käme, erklärt sie mit der Musik selbst: „Vielleicht entsteht da so eine Art Gefühls-Safe-Space in dem Moment, wo ich in dieser Musik so drin bin." Was dann herauskommt, überrascht sie mitunter selbst – als beim Song „Immer noch da" die Zeile „Ich habe das Ende meiner Einsamkeit gefunden" auftauchte, musste sie erst einmal weinen. Dass Coen über Achtsamkeit auch im ganz persönlichen Sinne spricht, hat mit einer späten Erkenntnis zu tun. 2020 fragte eine Kinderneurologin sie beiläufig, ob sie über sie in einem ADHS-Magazin schreiben dürfe – auf ihrem damaligen Album sei ja „jedes Lied ein ADHS-Lied". Coen hielt das für ein Missverständnis, bis YouTube-Videos des Kanals „How to ADHD" ihr die Augen öffneten: „Ich habe Rotz und Wasser geheult", erinnert sie sich – endlich gab es eine Erklärung für das jahrelange Gefühl, „irgendwie komisch" zu sein. Dass die Diagnose so spät kam, bedauert sie kaum; in ihrer Schulzeit sei die Stigmatisierung groß gewesen. Ihre Grundschullehrerin prophezeite, sie werde am Gymnasium „kläglich scheitern" – Coen schaffte es trotzdem, ausgerechnet auf einem Musikgymnasium. Das Schulsystem nennt sie heute ein „total defizitorientiertes System", das mit den Talenten der Kinder noch nicht individuell genug umgehen könne. Ihr Gegenentwurf ist so einfach wie ungewohnt: der trainierte Muskel des Komplimentemachens, wie ihn etwa die „warme Dusche" in Grundschulklassen übt, bei der ein Kind von allen gesagt bekommt, was sie an ihm mögen. Wer verstehen will, wie aus Langeweile in einem schwedischen Kellerzimmer eine Songwriterin wurde, warum zwischen Coens Alben oft Jahre liegen – und weshalb das nächste in nur zwei Jahren erscheinen und tanzbar werden soll –, dem sei dieses ausführliche Gespräch empfohlen. Darin spricht sie über die Entstehung von „Du bedeutest mir die Welt", ihren Umgang mit der ADHS-Diagnose und die Frage, warum wir einander öfter sagen sollten, was wir aneinander schätzen. Alle Informationen zu DIE SCHWERKRAFT DER VERNUNFT unter: https://schwerkraft-der-vernunft.com [https://schwerkraft-der-vernunft.com] Folgt uns bei Instagram: https://instagram.com/ginandtalk [https://instagram.com/ginandtalk] Mehr Podcasts gibt es auf: https://48forward.com [https://48forward.com]

9 de jul de 202645 min
Portada del episodio David Matei über Sicherheit, Freiheit und Verantwortung

David Matei über Sicherheit, Freiheit und Verantwortung

Wofür noch? Freiheit ist ein großes Wort – vielleicht gerade deshalb fällt es vielen schwer, seinen Wert wirklich zu begreifen. Wer nie ohne Freiheit gelebt hat, hält sie leicht für selbstverständlich. Für David Matei ist das anders. Sein Vater floh als junger Mann aus dem kommunistischen Rumänien über die Donau in den Westen und riskierte dafür sein Leben. „Ich habe nicht verstanden, was Freiheit ist“, sagt Matei. „Aber ich habe den Wert verstanden, den mein Papa dieser Freiheit zugemessen hat.“ Diese Geschichte bildet den Ausgangspunkt seines neuen Buches "Deutschland ist es wert". Es ist kein Buch über die Bundeswehr, obwohl Matei 15 Jahre als Offizier diente. Vielmehr ist es ein Plädoyer dafür, den Blick auf Deutschland nicht nur von seinen Defiziten bestimmen zu lassen. Deutschland, so seine Beobachtung, sei hervorragend darin, Fehler zu finden. Was häufig fehle, sei die Fähigkeit, das Gelungene wertzuschätzen – nicht aus Naivität, sondern als Voraussetzung dafür, Verantwortung für das eigene Gemeinwesen zu übernehmen. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine hat sich das Verhältnis vieler Menschen zur Bundeswehr verändert. Aus dem jahrzehntelangen „freundlichen Desinteresse“ sei eine „interessierte Freundlichkeit“ geworden, sagt Matei. Gleichzeitig bleibe der Widerspruch bestehen, dass viele zwar eine verteidigungsfähige Bundeswehr befürworten, sich selbst aber kaum vorstellen können, einen Beitrag dazu zu leisten. Für Matei beginnt Verteidigungsbereitschaft deshalb nicht bei Waffen oder Wehrpflicht, sondern bei der Frage, ob Menschen überhaupt noch eine emotionale Beziehung zu ihrem Land haben. Gerade Deutschland tue sich damit schwer. Während Lokalpatriotismus selbstverständlich erscheine, lösten Begriffe wie Stolz oder Patriotismus häufig Unbehagen aus. Matei selbst spricht lieber von Dankbarkeit als von Stolz – und von der Verantwortung, Demokratie nicht als Selbstverständlichkeit oder bloßen „Lieferservice“ zu betrachten, sondern als etwas, das vom Engagement seiner Bürger lebt. Auch der Blick auf neue Technologien, künstliche Intelligenz und autonome Waffensysteme zeigt für Matei vor allem eines: Sicherheitspolitik wird komplexer, nicht einfacher. Die entscheidenden Fragen seien längst nicht mehr nur technischer Natur, sondern ethischer. Wie viel Verantwortung darf an Maschinen übertragen werden? Wie verteidigt sich eine Demokratie gegen autoritäre Staaten, ohne ihre eigenen Werte aufzugeben? Eindeutige Antworten gebe es darauf nicht. Klar sei für ihn nur, dass Frieden allein kein politisches Programm sei. „Sicherheit ist nicht alles, aber alles ist irgendwie nichts ohne Sicherheit“, sagt Matei. Alle Informationen zu DIE SCHWERKRAFT DER VERNUNFT unter: https://schwerkraft-der-vernunft.com [https://schwerkraft-der-vernunft.com] Folgt uns bei Instagram: https://instagram.com/ginandtalk [https://instagram.com/ginandtalk] Mehr Podcasts gibt es auf: https://48forward.com [https://48forward.com]

2 de jul de 20261 h 7 min
Portada del episodio Fury in the Slaughterhouse über Empathie, Zusammenhalt und Musik

Fury in the Slaughterhouse über Empathie, Zusammenhalt und Musik

Die Rückkehr des Wir Es gibt kaum eine Zeit, in der sich Gesellschaften so intensiv mit dem Begriff Veränderung beschäftigen wie heute. Kriege, Klimakrise, soziale Medien, politische Polarisierung und ein wachsender Rückzug ins Private prägen den Alltag vieler Menschen. Vor diesem Hintergrund bekommt auch der Titel des neuen Albums von Fury in the Slaughterhouse eine größere Bedeutung: "Changes" beschreibt nicht nur persönliche oder musikalische Entwicklungen, sondern wirft die Frage auf, wie eine Gesellschaft zusammenbleibt, wenn das Gemeinsame zunehmend hinter individuellen Interessen verschwindet. Für Kai Wingenfelder liegt genau darin die eigentliche Herausforderung unserer Zeit. „Wir werden nichts an dieser Welt verändern, wenn wir nicht anfangen, diesen Ich-Modus in einen Wir-Modus umzuschalten“, sagt der Sänger. Sein Bandkollege Christof Stein-Schneider ergänzt, dass Glück nicht durch Konsum oder Status entstehe, sondern dann, wenn Menschen füreinander da seien. Gemeinschaft, Empathie und Solidarität seien keine romantischen Ideen, sondern grundlegende Voraussetzungen für ein funktionierendes Zusammenleben. Dass Fury in the Slaughterhouse diese Haltung glaubwürdig vertreten, hat auch mit ihrer eigenen Geschichte zu tun. Nach der Trennung der Band im Jahr 2008 fanden die Musiker erst Jahre später wieder zusammen – mit größerer Gelassenheit, mehr gegenseitigem Verständnis und der Erkenntnis, dass das Gemeinsame wertvoller ist als individuelle Eitelkeiten. Heute verstehen sie ihre Musik nicht als Flucht vor der Wirklichkeit, sondern als Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen. Deshalb greifen ihre Songs Themen auf, die Menschen beschäftigen und bewegen. Bildung, Demokratie, soziale Verantwortung und der Umgang miteinander ziehen sich ebenso durch das Gespräch wie die Sorge über Vereinsamung, die Folgen sozialer Medien und den schwindenden gesellschaftlichen Zusammenhalt. Gleichzeitig bleibt der Ton optimistisch: Veränderungen beginnen nicht bei großen politischen Programmen, sondern im Alltag – mit Aufmerksamkeit, Freundlichkeit und der Bereitschaft, Verantwortung füreinander zu übernehmen. Am Tag vor der Veröffentlichung von Changes sprachen Kai Wingenfelder und Christof Stein-Schneider im Podcast Gin And Talk über fast vier Jahrzehnte Bandgeschichte, über ihre Rückkehr als Band und über die Frage, warum Konzerte heute mehr sein können als musikalische Veranstaltungen. Sie seien Orte, an denen Menschen für ein paar Stunden erleben, wie sich Gemeinschaft anfühlt – unabhängig von Alter, Herkunft oder politischen Debatten. Vielleicht liegt genau darin die bleibende Kraft von Musik: Sie löst keine gesellschaftlichen Probleme, erinnert aber daran, dass aus vielen Einzelnen immer noch ein Wir werden kann. Alle Informationen zu DIE SCHWERKRAFT DER VERNUNFT unter: https://schwerkraft-der-vernunft.com [https://schwerkraft-der-vernunft.com] Folgt uns bei Instagram: https://instagram.com/ginandtalk [https://instagram.com/ginandtalk] Mehr Podcasts gibt es auf: https://48forward.com [https://48forward.com]

26 de jun de 202647 min
Portada del episodio Alex Recknagel über Gastronomie, Mut und das neue München

Alex Recknagel über Gastronomie, Mut und das neue München

Die Stadt, die sich das Ausgehen leisten können muss Wer verstehen will, was sich in Münchens Gastronomie verändert hat, sollte einen Abend an einem halbrunden Tresen verbringen. In der Ory Bar im Mandarin Oriental, vom Fachmagazin Mixology gerade zur besten Hotelbar im deutschsprachigen Raum gekürt, sitzen Hotelgäste neben Münchner Stammpublikum – in einem Lokal, das vor wenigen Jahren noch zu jenen Hotelbars gehörte, in die sich kaum ein Einheimischer verirrte. Dass es so gekommen ist, hat mit Alex Recknagel und seinen Partnern zu tun, deren Projekte – das Herzog, die Frau im Mond auf dem Deutschen Museum, die Bambi-Bar – eine Landkarte des neuen Münchner Ausgehens bilden. Sein Antrieb ist seit jeher derselbe: „Ich denke mir was aus, ich setze es ein und schaue dabei zu, wie es funktioniert oder auch eben nicht." Bei der Ory Bar hieß das: Hemmschwellen abbauen, den Gin Tonic demonstrativ bei zehn Euro ansetzen und Vertrauen aufbauen. Denn, so Recknagel: „Eine Bar ist einfach viel mehr als nur Drinks." So kreativ die Szene ist, so eng ist ihr Korsett. Verglichen mit Berlin, wo ständig mutige Projekte eröffnen, hat München ein strukturelles Problem: „Wir sind im Mietfall einfach zu teuer", sagt Recknagel. „Du hast hier Mieten, da wird dir schwindlig." Wie hart das Geschäft sein kann, erlebte er bei seinem ersten großen Projekt selbst: Ein Asbestfund verzögerte den Bau des Herzog um anderthalb Jahre, die Kosten verdreifachten sich – „ein Tal der Tränen". Der Mietendruck trifft auch das Personal, weshalb seine Betreibergruppe inzwischen selbst Wohnungen anmietet und an Mitarbeiter weitergibt: Arbeitsvertrag, Mietvertrag. Und doch tut sich etwas in der Stadt: Eine neue Generation von Gastronomen bespielt Räume abseits der Prime-Lagen – ehemalige Eckkneipen, alte Metzgereien, ausgediente Badehäuser – und beweist, dass gutes Ausgehen in München nicht zwingend Hochglanz braucht. Recknagel selbst träumt derweil von einem bewusst unglamourösen Projekt: „Ich will einen Kiosk machen." Alle Informationen zu DIE SCHWERKRAFT DER VERNUNFT unter: https://schwerkraft-der-vernunft.com [https://schwerkraft-der-vernunft.com] Folgt uns bei Instagram: https://instagram.com/ginandtalk [https://instagram.com/ginandtalk] Mehr Podcasts gibt es auf: https://48forward.com [https://48forward.com]

12 de jun de 202645 min
Portada del episodio Jan Becker über Hypnose, Gedanken und Aufmerksamkeit

Jan Becker über Hypnose, Gedanken und Aufmerksamkeit

Die sanfte Gewalt der Aufmerksamkeit Man spüre einmal kurz in die eigenen Füße hinein – und schon ist da ein Gefühl, das eben noch unbemerkt am Rand des Bewusstseins lag. Genau hier sitzt das, was Jan Becker umtreibt. Hypnose, sagt der Hypnotiseur und Autor, sei nichts Geheimnisvolles, sondern „Aufmerksamkeit und Fokus" – verändere man diese, verändere sich die Wahrnehmung und mit ihr das Modell, das wir uns von der Realität machen. Das meiste davon sei ohnehin subjektiv, Tag für Tag neu zusammengesetzt. Die Frage, ob jemand hypnotisierbar sei, stelle sich daher gar nicht: „Es gibt nur die Frage, erkenne ich, dass ich gerade meine eigene Realität gestalte." Die Hirnforschung liefert dem alten Bühnenhandwerk eine nüchterne Begründung: Das Gehirn arbeitet im Vorhersagemodus und glaubt sich, entwaffnend naiv, jede eigene Prognose. Die Kunst besteht darin, ihm einen anderen Impuls unterzuschieben. Becker arbeitet mit Bildern – die Unlust auf Sport, schwer wie eine Bowlingkugel auf der Brust, wird zum leichten Tischtennisball. Der eigentliche Hebel aber liegt in der Identität: Wer vom „Genießer" zum „Sportler" wird, handelt ohne Nachdenken. Vor dem Optimierungskult aber warnt ausgerechnet er: Die ideale Version seiner selbst abzuarbeiten, sei „unfassbar anstrengend"; wer allen Rausch tilge, riskiere, dass am Ende „das Sein tatsächlich weg" sei. Diese Gelassenheit hat eine Geschichte – ein Burnout, der Tod eines Freundes mit Mitte fünfzig. Was bleibt, ist eine schmucklose Formel: „so lange wie möglich, so gut wie möglich". Wozu dann die Tricks, mit denen er auf seiner Tour „Hypnotize the World" durch Deutschland zieht? Wer staunt, sagt Becker, werde ganz in die Gegenwart gezogen, eine „Mini-Erleuchtung", nach der das Gehirn sein Bild der Welt neu justiere. Im Gespräch, das diesem Text zugrunde liegt, verschob er die Aufmerksamkeit am Ende ein letztes Mal: hin zum „Hier", zu dem großen runden Ball, der frei im Nichts schwebe. Sich dieses Wunders bewusst zu werden, könne mehr verändern als jeder Trick. Alle Informationen zu DIE SCHWERKRAFT DER VERNUNFT unter: https://schwerkraft-der-vernunft.com [https://schwerkraft-der-vernunft.com] Folgt uns bei Instagram: https://instagram.com/ginandtalk [https://instagram.com/ginandtalk] Mehr Podcasts gibt es auf: https://48forward.com [https://48forward.com]

6 de jun de 20261 h 3 min