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Tourismus-Forscherin im Gespräch: Overtourism und was man dagegen tun kann

6 min · 8 de jul de 2026
Portada del episodio Tourismus-Forscherin im Gespräch: Overtourism und was man dagegen tun kann

Descripción

10 Euro muss zahlen, wer aktuell Venedig besichtigen will. Zumindest als Kurzentschlossener. Bucht man drei Tage im Voraus, dann ist es nur die Hälfte. Eingeführt hat die Stadt das Ticketsystem vor zwei Jahren. Das Ziel: den Massentourismus eindämmen, der die Lagunenstadt so stark trifft, wie kaum einen anderen Ort auf der Welt. VENEDIG: MEHR HOTELBETTEN ALS EINWOHNER Das historische Zentrum hat mittlerweile mehr Hotelbetten als Einwohner. Kein  Wunder also, dass die Stadt plant, den Eintritt noch weiter zu erhöhen. 30 bis 50 Euro pro Tag sind im Gespräch. Eine drastische Maßnahme. Und möglicherweise ein Vorbild für andere Städte. Wobei auch in Sachen Ouvertourismus gilt: Jeder Tourismus-Hotspot hat so seine eigenen Probleme. So sagt es zumindest Eva Erdmenger, die an der Universität im niederländischen Wageningen zu den Folgen des übermäßigen Tourismus forscht. SANTORINI: ÜBER 800 KREUZFAHRTSCHIFFE IM JAHR Als Beispiel nennt sie die griechische Insel Santorini. Eine Oase in der Ägäis. Allerdings auch eine völlig überlaufene. Über 800 Kreuzfahrtschiffe legen dort Jahr für Jahr an und spülen Touristenmassen in die engen Gässchen der Stadt Thira. Der wirtschaftliche Mehrwert für die Einheimischen halte sich allerdings in Grenzen, sagt Erdmenger. Essen würden die meisten Besucher nämlich auf dem Schiff. Was von ihnen bleibt, ist letztlich nur: die Verstopfung der Stadt. Erdmenger rät daher auch jeder und jedem, sich vor dem Urlaub Gedanken darüber zu machen, wie man seinen touristischen Fußabdruck möglichst klein halten könne. Entscheidend dabei seien die sogenannten drei Säulen der Nachhaltigkeit: Wirtschaft, Soziales und Umwelt. ERDMENGERS VORSCHLAG: SELBST ANPACKEN! Zum Beispiel sollte man sich vorher überlegen, wie man sein Urlaubsbudget gezielt so investiert, dass es wirklich der lokalen Wirtschaft zugute kommt. Ein Studium der einheimischen Kultur und Sprache schade nicht, um vor Ort in Kontakt zu kommen. Und in Sachen Nachhaltigkeit gelte es vor allem, den Wasserverbrauch und die Verschmutzung reduzieren. Erdmenger schlägt sogar „spielerische Strand Clean-Ups“ vor, die man mit den Kindern veranstalten könnte. Ein bisschen Bewegung schadet ja nie. Und mit gutem Gewissen liegt es sich im Strandkorb gleich doppelt so bequem.

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Tourismus-Forscherin im Gespräch: Overtourism und was man dagegen tun kann

10 Euro muss zahlen, wer aktuell Venedig besichtigen will. Zumindest als Kurzentschlossener. Bucht man drei Tage im Voraus, dann ist es nur die Hälfte. Eingeführt hat die Stadt das Ticketsystem vor zwei Jahren. Das Ziel: den Massentourismus eindämmen, der die Lagunenstadt so stark trifft, wie kaum einen anderen Ort auf der Welt. VENEDIG: MEHR HOTELBETTEN ALS EINWOHNER Das historische Zentrum hat mittlerweile mehr Hotelbetten als Einwohner. Kein  Wunder also, dass die Stadt plant, den Eintritt noch weiter zu erhöhen. 30 bis 50 Euro pro Tag sind im Gespräch. Eine drastische Maßnahme. Und möglicherweise ein Vorbild für andere Städte. Wobei auch in Sachen Ouvertourismus gilt: Jeder Tourismus-Hotspot hat so seine eigenen Probleme. So sagt es zumindest Eva Erdmenger, die an der Universität im niederländischen Wageningen zu den Folgen des übermäßigen Tourismus forscht. SANTORINI: ÜBER 800 KREUZFAHRTSCHIFFE IM JAHR Als Beispiel nennt sie die griechische Insel Santorini. Eine Oase in der Ägäis. Allerdings auch eine völlig überlaufene. Über 800 Kreuzfahrtschiffe legen dort Jahr für Jahr an und spülen Touristenmassen in die engen Gässchen der Stadt Thira. Der wirtschaftliche Mehrwert für die Einheimischen halte sich allerdings in Grenzen, sagt Erdmenger. Essen würden die meisten Besucher nämlich auf dem Schiff. Was von ihnen bleibt, ist letztlich nur: die Verstopfung der Stadt. Erdmenger rät daher auch jeder und jedem, sich vor dem Urlaub Gedanken darüber zu machen, wie man seinen touristischen Fußabdruck möglichst klein halten könne. Entscheidend dabei seien die sogenannten drei Säulen der Nachhaltigkeit: Wirtschaft, Soziales und Umwelt. ERDMENGERS VORSCHLAG: SELBST ANPACKEN! Zum Beispiel sollte man sich vorher überlegen, wie man sein Urlaubsbudget gezielt so investiert, dass es wirklich der lokalen Wirtschaft zugute kommt. Ein Studium der einheimischen Kultur und Sprache schade nicht, um vor Ort in Kontakt zu kommen. Und in Sachen Nachhaltigkeit gelte es vor allem, den Wasserverbrauch und die Verschmutzung reduzieren. Erdmenger schlägt sogar „spielerische Strand Clean-Ups“ vor, die man mit den Kindern veranstalten könnte. Ein bisschen Bewegung schadet ja nie. Und mit gutem Gewissen liegt es sich im Strandkorb gleich doppelt so bequem.

8 de jul de 20266 min
Portada del episodio Jenseits von John Wayne – „Black Cowboys“ im Stadthaus Ulm

Jenseits von John Wayne – „Black Cowboys“ im Stadthaus Ulm

EINE GEMEINSCHAFT SCHWARZER COWBOYS Mehr Südstaaten geht kaum: Junge Kerle galoppieren, kernige Frauen posieren auf Pferden unter gleißender Sonne. Man schwitzt schon beim Hingucken. Sabine Bungert und Stefan Dolfen haben sich die Trail-Ride-Festivals in den Staaten angeschaut. In Shelby, North Carolina, wird die Black-Cowboy-Kultur gefeiert mit langen Ausritten, mit Essen, Musik und mit Rodeos. Auf das Thema der Black Cowboys sind Bungert und Dolfen durch Zufall gekommen: In Fernsehberichten über George Floyd und die Black-Lives-Matter-Bewegung fielen den Fotografen die schwarzen Reiter und damit auch der Begriff der Black Cowboys auf. Die Idee für das nächste Fotoprojekt war geboren.  > Es geht darum, dass sie auch sichtbar werden wollen mit ihrer Geschichte und im Prinzip die Geschichtserzählung ein Stück weit korrigieren wollen. > > > Quelle: Fotografin Sabine Bungert ES GEHT NICHT UM FRANSEN, COLT UND COWBOYHUT Die Black Cowboys schauen selbstbewusst, cool. Sie identifizieren sich mit den USA, schwingen die amerikanische Flagge oder tragen Schuhe mit dem rot-weiß-blauem Muster. Es geht überhaupt nicht um Folklore mit Fransen, Colt und Cowboyhut und schon gar nicht um Verklärung. Die Ausstellung will zeigen, dass die Black Cowboys schlicht ernst- und wahrgenommen werden wollen: „Sie verkleiden sich nicht. Es ist ihre Identität und sie verstehen sich so. Und es ist wahnsinnig wichtig für sie, dass ihre schwarze Identität als Teil der amerikanischen Geschichte gesehen wird“, erklärt Fotograf Stefan Dolfen. GESCHICHTEN VON AUSBEUTUNG UND WIEDERGUTMACHUNG In der Ausstellung im Stadthaus Ulm wird etwa die Geschichte eines Black Cowboys erzählt, der als Streetworker arbeitet und damit Identifikationsfigur für Jugendliche geworden ist. Porträtiert wird auch der Gründer des Black-Cowboy-Festivals, Marc Myers, in South Carolina. Die Vorfahren der Familie waren nach Ende der Sklavenzeit sogenannte Sharecroppers. Auf dem Papier waren sie freie Landwirte, mussten jedoch „am Ende des Jahres einen Großteil der Ernte abgeben, mussten alle Kleidung, alle Gerätschaften, alles, was sie brauchten, um das Land zu bearbeiten, beim Grundbesitzer auf Kredit kaufen und hatten niemals die Möglichkeit, aus dieser ständigen Verschuldung und immer weiteren Verschuldung rauszukommen“, führt Dolfen aus.   Jetzt guckt Marc Myers zufrieden unter dem Cowboyhut: Das Gelände ist im Besitz seiner Familie. Solche Geschichten dokumentiert die Ausstellung eindrucksvoll. Aber sie ist mehr als ein Dokument, sondern ein starkes künstlerisches wie politisches Statement.

8 de jul de 20263 min
Portada del episodio Rot ist jetzt, was Trump für rot hält

Rot ist jetzt, was Trump für rot hält

INFANTINO IST STAMMGAST IM WEISSEN HAUS Donald Trump greift zum Telefonhörer und übt Druck aus, in Politik, Wirtschaft, Medien. Dass er nun offenbar in eine Fußball-WM eingreift, ist keine Überraschung, sondern war zu erwarten. Trump umgeht Regeln und will bestimmen. Und er hört selten Widerworte. Natürlich auch nicht von Gianni Infantino. Der FIFA-Präsident war seit dem Amtsantritt von Trump so oft im Weißen Haus zu Gast wie kein Staatschef. Die FIFA hat Räumlichkeiten im Trump Tower in New York gemietet und dem US-Präsidenten einen „Friedenspreis“ verliehen. Infantino hat ein Umfeld für die WM geschaffen, in dem politische Einflussnahme sogar wahrscheinlicher geworden ist. EIN BEISPIELLOSER VORFALL BEI EINER WM Wobei Fußball und Politik seit Generationen verbunden sind, auch bei Weltmeisterschaften: 1934 in Italien wollte Mussolini mitbestimmen, 1978 in Argentinien die Militärjunta. Heute hat die FIFA 211 Mitgliedsverbände. In dutzenden Ländern bestimmen Minister, Generäle oder Monarchen den Fußball. Immer mal wieder hat die FIFA deshalb kleine und weniger einflussreiche Nationen ausgeschlossen. Dass nun aber der Präsident einer westlichen Demokratie, wie nun offenbar Trump, die Strafe für eine Rote Karte abmildern will, ist in der Geschichte der WM beispiellos.    EUROPA REAGIERT EMPÖRT, DIE USA BEDANKT SICH In Europa ist die Empörung groß, in den USA jedoch bedanken sich zahlreiche Fans und Medien bei Trump. Der Erfolg der US-Nationalmannschaft sorgt für Rekord-Einschaltquoten. Trump, der wegen des Iran-Krieges, der Epstein-Akten und der Zoll-Politik stark unter Druck steht, nutzt den Fußball für „America First“.  Ob sich der Fußball gegen Trump und Infantino zur Wehr setzen kann? Theoretisch ja. Die großen Verbände aus Deutschland, England, Frankreich und Brasilien könnten sich von dieser FIFA abwenden. Aber sie alle wollen am Rekordumsatz teilhaben, der nun bei der WM rund neun Milliarden Dollar beträgt.  SKANDALUMWITTERTE FIFA Der europäische Fußballverband UEFA sieht eine „rote Linie“ überschritten. DFB-Präsident Bernd Neuendorf wollte solche Worte nicht wählen. Seine Stellungnahme: diplomatisch. Deutschland will spätestens in den 2040er-Jahren wieder eine WM austragen. Denn das größte Sportspektakel bleibt lukrativ. Und die Einflussnahme von Trump könnte in dieser skandalumwitterten FIFA schon bald wieder vergessen sein.

Ayer2 min
Portada del episodio Feel it – ZKM Karlsruhe feiert mit einer Ausstellung „Die Sinnlichkeit der Medienkunst“

Feel it – ZKM Karlsruhe feiert mit einer Ausstellung „Die Sinnlichkeit der Medienkunst“

HÖREN, SEHEN, RIECHEN: MEDIENKUNST MIT ALLEN SINNEN ERLEBEN Gezeigt werden rund 50 Werke von Künstlerinnen und Künstlern aus aller Welt, die nicht nur unseren Sehsinn, sondern auch unseren Tast-, Geruchs- und Hörsinn ansprechen. Küsse etwa können sich gut anfühlen und nicht nur unseren Puls hochjagen, sondern auch die verschiedensten Gehirnregionen enorm stimulieren. Das niederländische Künstlerduo Karen Lancel und Hermen Maat lädt Paare im ZKM zur Kuss-Performance ein und setzt ihnen Elektrodenhauben auf. Die dabei gemessenen Herzfrequenzen und Gehirnströme werden nicht nur grafisch auf dem Boden rund um das Paar dargestellt, sondern auch in Sounds verwandelt. Die menschlichen Körper scheinen mit der Computertechnologie zu verschmelzen. DAS SKELETT ALS VERSTÄRKER Auch die australischen Künstlerinnen Gail Priest und Helen Pynor wollen mit ihrem Medienkunstwerk unsere Sinne ansprechen. Sie haben sich mit der Entwicklung des Gehörs, genauer den Mittelohrknöchelchen, im Laufe der Evolution beschäftigt. Um dem Publikum ihre Forschungsergebnisse zu vermitteln, setzt Gail Priest eine ganz spezielle Technik ein: „Ich verwende sogenannte Körperlautsprecher. Man setzt sie sich nicht auf die Ohren, sondern hält sie zum Beispiel an die Stirn oder an die Schläfen – oder an irgendeinen Knochen im Körper und so kommen die Stimmen und Sounds tatsächlich über das Skelett ins Innenohr.“ MIT KUNST GEGEN DAS KORALLENSTERBEN Der Künstler Marco Barotti nutzt Schallwellen für einen ökologisch guten Zweck. Er hat die Klanglandschaft gesunder Korallenriffe aufgenommen und beschallt damit geschädigte Riffe, um sie zum Wachstum anzuregen. Marco Barotti, der in erster Linie Jazzmusiker ist, arbeitet dabei mit Meeresbiologen zusammen. In seiner raumgreifenden Audio-Videoinstallation kann man bei dieser Langzeitstudie zusehen und in die wunderbare, heute so bedrohte Unterwasserwelt abtauchen. ARBEITEN, DIE WACHRÜTTELN Den meisten der künstlerischen Positionen in der Ausstellung des ZKM geht es nicht darum, unsere Sinne zu reizen, um uns Wohlgefühle zu vermitteln. Sie wollen uns eher wachrütteln, aber eben nicht nur über den Intellekt. Viele der Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt wurden durch das ZKM erst dazu animiert, sich mit der Sinnlichkeit von Medienkunst auseinanderzusetzen und Kunstwerke zu schaffen, die unsere Sinne in neuer Art und Weise ansprechen. Die gezeigten künstlerischen Positionen sind so vielfältig in ihren Herangehensweisen und Zielsetzungen, dass diese Ausstellung nicht nur zum sinnlichen Erlebnis wird, sondern auch zeigt, wozu das ZKM in der Lage ist: Künstlerinnen und Künstler zu neuen Arbeiten anzuregen und zusammen mit neuester Technologie und Wissenschaft unsere Perspektiven zu erweitern. Unbedingt sehenswert!

Ayer4 min
Portada del episodio Alle vier Minuten Gewalt gegen Frauen: Sachbuch „Wer hat euch erlaubt, Frauen so zu hassen?“

Alle vier Minuten Gewalt gegen Frauen: Sachbuch „Wer hat euch erlaubt, Frauen so zu hassen?“

„MONATE ABSCHEULICHER NACHRICHTEN“ Die Deepfake-Vorwürfe von Collien Fernandes gegen Christian Ulmen haben die Öffentlichkeit aufgerüttelt. Vorausgegangen waren der Fall Gisèle Pelicot [https://www.swr.de/swrkultur/wissen/ein-jahr-nach-dem-pelicot-urteil-wie-wechselt-die-scham-die-seite-106.html] und die Epstein-Files [https://www.swr.de/kultur/gesellschaft/netzwerk-der-maechtigen-der-epstein-skandal-und-die-folgen-forum-2026-02-19-100.html]. Frauen seien damit durch „Monate abscheulicher Nachrichten gegangen“, fasst Kristina Lunz bei SWR Kultur ihre Motivation zusammen, zu handeln. Gemeinsam mit Düzen Tekkal brachte sie in den Tagen nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Christian Ulmen eine Unterschriftenaktion auf den Weg: 250 prominente Frauen von Ricarda Lang über Carolin Kebekus bis Nina Chuba stellten darin zehn Forderungen an die Bundesregierung für eine nationale Strategie gegen männliche Gewalt. Eine Petition mit über 336.000 Unterschriften haben Lunz und Tekkal inzwischen dem Bundestag übergeben – und ihre Forderungen in ihrem neuen Sachbuch ausgeführt. > Es muss dringend gesetzliche Änderungen geben in diesem Land. > > > Quelle: Kristina Lunz bei SWR Kultur FEMIZID ALS STRAFTATBESTAND „Femizide sind die schlimmste Konsequenz von männlicher Gewalt, von Besitzanspruch und Unterdrückungsfantasien“, sagt Lunz. Daher setzen sie und Düzen Tekkal sich dafür ein, dass Femizide als Straftatbestand gewertet werden, wodurch diese Taten als „Mord, also aus niederen Beweggründen, anerkannt werden. In Deutschland sehen wir jedoch immer wieder, dass das sogenannte Eifersuchtsdrama sogar strafmildernd wirkt.“ Zudem erhoffen sich die Autorinnen, dass mit einem Straftatbestand die Anzeige-Quote steigt. Bisher läge diese in Deutschland bei Partnerschaftsgewalt und bei geschlechtsspezifischer Gewalt im einstelligen Prozentbereich, sagt Kristina Lunz. Nur etwa ein Prozent aller Vergewaltiger würden hierzulande verurteilt: „Zahlen, die eigentlich keine Sekunde toleriert werden dürfen.“

Ayer6 min