SWR2 Kultur Aktuell
INFANTINO IST STAMMGAST IM WEISSEN HAUS Donald Trump greift zum Telefonhörer und übt Druck aus, in Politik, Wirtschaft, Medien. Dass er nun offenbar in eine Fußball-WM eingreift, ist keine Überraschung, sondern war zu erwarten. Trump umgeht Regeln und will bestimmen. Und er hört selten Widerworte. Natürlich auch nicht von Gianni Infantino. Der FIFA-Präsident war seit dem Amtsantritt von Trump so oft im Weißen Haus zu Gast wie kein Staatschef. Die FIFA hat Räumlichkeiten im Trump Tower in New York gemietet und dem US-Präsidenten einen „Friedenspreis“ verliehen. Infantino hat ein Umfeld für die WM geschaffen, in dem politische Einflussnahme sogar wahrscheinlicher geworden ist. EIN BEISPIELLOSER VORFALL BEI EINER WM Wobei Fußball und Politik seit Generationen verbunden sind, auch bei Weltmeisterschaften: 1934 in Italien wollte Mussolini mitbestimmen, 1978 in Argentinien die Militärjunta. Heute hat die FIFA 211 Mitgliedsverbände. In dutzenden Ländern bestimmen Minister, Generäle oder Monarchen den Fußball. Immer mal wieder hat die FIFA deshalb kleine und weniger einflussreiche Nationen ausgeschlossen. Dass nun aber der Präsident einer westlichen Demokratie, wie nun offenbar Trump, die Strafe für eine Rote Karte abmildern will, ist in der Geschichte der WM beispiellos. EUROPA REAGIERT EMPÖRT, DIE USA BEDANKT SICH In Europa ist die Empörung groß, in den USA jedoch bedanken sich zahlreiche Fans und Medien bei Trump. Der Erfolg der US-Nationalmannschaft sorgt für Rekord-Einschaltquoten. Trump, der wegen des Iran-Krieges, der Epstein-Akten und der Zoll-Politik stark unter Druck steht, nutzt den Fußball für „America First“. Ob sich der Fußball gegen Trump und Infantino zur Wehr setzen kann? Theoretisch ja. Die großen Verbände aus Deutschland, England, Frankreich und Brasilien könnten sich von dieser FIFA abwenden. Aber sie alle wollen am Rekordumsatz teilhaben, der nun bei der WM rund neun Milliarden Dollar beträgt. SKANDALUMWITTERTE FIFA Der europäische Fußballverband UEFA sieht eine „rote Linie“ überschritten. DFB-Präsident Bernd Neuendorf wollte solche Worte nicht wählen. Seine Stellungnahme: diplomatisch. Deutschland will spätestens in den 2040er-Jahren wieder eine WM austragen. Denn das größte Sportspektakel bleibt lukrativ. Und die Einflussnahme von Trump könnte in dieser skandalumwitterten FIFA schon bald wieder vergessen sein.
10917 episodios
Comentarios
0Sé la primera persona en comentar
¡Regístrate ahora y únete a la comunidad de SWR2 Kultur Aktuell!