Gin And Talk
Die Zärtlichkeit als Gegenprogramm Es gibt Sätze, die man viel zu selten sagt. „Du bedeutest mir die Welt" ist so einer – zu groß, zu pathetisch, zu verletzlich für den Alltag. Alin Coen hat ihn zum Titel ihres neuen Albums gemacht, gemeint als Wiedergutmachung nach einem Konflikt: „Ich will nur, dass du weißt, dass du mir wichtig bist. Auch wenn ich mich in manchen Situationen nicht so super verhalte." Eigentlich wollte die Songwriterin ein tanzbares Album schreiben, doch beim Arbeiten stellte sie fest, dass ihr Impuls ein anderer war – „eigentlich was Zärtliches und Liebevolles", ein Gegengewicht zu Cybermobbing und der „harschen Sprache miteinander". Dass ihre Lieder aussprechen, was im Gespräch kaum über die Lippen käme, erklärt sie mit der Musik selbst: „Vielleicht entsteht da so eine Art Gefühls-Safe-Space in dem Moment, wo ich in dieser Musik so drin bin." Was dann herauskommt, überrascht sie mitunter selbst – als beim Song „Immer noch da" die Zeile „Ich habe das Ende meiner Einsamkeit gefunden" auftauchte, musste sie erst einmal weinen. Dass Coen über Achtsamkeit auch im ganz persönlichen Sinne spricht, hat mit einer späten Erkenntnis zu tun. 2020 fragte eine Kinderneurologin sie beiläufig, ob sie über sie in einem ADHS-Magazin schreiben dürfe – auf ihrem damaligen Album sei ja „jedes Lied ein ADHS-Lied". Coen hielt das für ein Missverständnis, bis YouTube-Videos des Kanals „How to ADHD" ihr die Augen öffneten: „Ich habe Rotz und Wasser geheult", erinnert sie sich – endlich gab es eine Erklärung für das jahrelange Gefühl, „irgendwie komisch" zu sein. Dass die Diagnose so spät kam, bedauert sie kaum; in ihrer Schulzeit sei die Stigmatisierung groß gewesen. Ihre Grundschullehrerin prophezeite, sie werde am Gymnasium „kläglich scheitern" – Coen schaffte es trotzdem, ausgerechnet auf einem Musikgymnasium. Das Schulsystem nennt sie heute ein „total defizitorientiertes System", das mit den Talenten der Kinder noch nicht individuell genug umgehen könne. Ihr Gegenentwurf ist so einfach wie ungewohnt: der trainierte Muskel des Komplimentemachens, wie ihn etwa die „warme Dusche" in Grundschulklassen übt, bei der ein Kind von allen gesagt bekommt, was sie an ihm mögen. Wer verstehen will, wie aus Langeweile in einem schwedischen Kellerzimmer eine Songwriterin wurde, warum zwischen Coens Alben oft Jahre liegen – und weshalb das nächste in nur zwei Jahren erscheinen und tanzbar werden soll –, dem sei dieses ausführliche Gespräch empfohlen. Darin spricht sie über die Entstehung von „Du bedeutest mir die Welt", ihren Umgang mit der ADHS-Diagnose und die Frage, warum wir einander öfter sagen sollten, was wir aneinander schätzen. Alle Informationen zu DIE SCHWERKRAFT DER VERNUNFT unter: https://schwerkraft-der-vernunft.com [https://schwerkraft-der-vernunft.com] Folgt uns bei Instagram: https://instagram.com/ginandtalk [https://instagram.com/ginandtalk] Mehr Podcasts gibt es auf: https://48forward.com [https://48forward.com]
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