SWR Aktuell Im Gespräch
Sie haben unmittelbar nach der Balogun-Affäre bei uns im Interview gesagt: Jetzt hat Gianni Infantino den Bogen überspannt. Der muss weg. Für wie wahrscheinlich halten Sie es mit etwas Abstand, dass die Ära Infantino in absehbarer Zeit zu Ende geht? "Die Aussage besteht nach wie vor, der Mann muss weg", sagt Kistner. Infantino habe die FIFA in eine Geldmaschine verwandelt – er sei ein großes Unglück. In verschiedenen Ländern fordern Politiker Ermittlungen gegen den FIFA-Boss, die US-Justiz ist wegen der variablen Ticketpreise bereits aktiv geworden. "Das sieht auch der entscheidende Teil der Fußballwelt so, namentlich die UEFA. Im Hintergrund wird Ausschau nach einem geeigneten Ersatzkandidaten gehalten. Das wird ein harter Kampf, aber es wird einen Kampf geben." 200 FUSSBALLVERBÄNDE HABEN EINE SOLIDARITÄTS-ERKLÄRUNG FÜR INFANTINO UNTERSCHRIEBEN "Das System ist absolut korrupt", sagt Kistner. "Es gibt ja insgesamt 211 Verbände. Der DFB hat allerdings die Solidaritäts-Erklärung nicht unterschrieben, so mutig kennt man ihn kaum. Es ist aber auch nur eine Absichtserklärung, die da unterschrieben wurde. Das kann man zurückziehen und es gibt Verbände, die das bereits tun." Die Unterschriften seien bei einem Kongress Ende April eingeholt worden, lange vor dem Skandal um Balogun. WIEVIEL BRINGEN SOLCHE GESTEN IN DER FIFA? "Es sind ja Gesten der Unterwürfigkeit. Man hofft, dass - wenn man mal wieder mit einem Anliegen beim großen Boss auftaucht - man entsprechend berücksichtigt wird. Was anderes ist es nicht." Das zeige, wo das Kernproblem im organisierten Fußball liege: Im Personal. "Wir haben exakt das gleiche Bild, wie wir es vor zehn Jahren hatten, als das FBI eingegriffen hat. Die große FIFA-Gate-Affaire." DIE SCHWÄCHE DER FUNKTIONÄRE "Wir haben jede Menge Spitzenfunktionäre in Südamerika. Teilweise spürt denen das FBI wieder hinterher, nämlich in Argentinien", erklärt Kistner. Andere südamerikanische Verbände würden von ihren jeweiligen lokalen Staatsanwaltschaften untersucht. Unter anderem wegen Geldwäsche und Korruption. "Wir haben absolut schwache Funktionäre, die im Grunde genommen nur zur FIFA gehen und dort im Rat rumsitzen, den Infantino auf 36 Sitze aufgebläht hat. Da holen sie sich dann 250.000 im Jahr ab, dafür, dass sie ab und zu mal mit dem Kopf nicken." WELCHE HEBEL HAT DIE UEFA? "Die UEFA hat den stärksten Hebel von allen," sagt Kistner. "Ohne die UEFA ist die Weltmeisterschaft tot."
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