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Alle vier Minuten Gewalt gegen Frauen: Sachbuch „Wer hat euch erlaubt, Frauen so zu hassen?“

6 min · 7. juli 2026
episode Alle vier Minuten Gewalt gegen Frauen: Sachbuch „Wer hat euch erlaubt, Frauen so zu hassen?“ cover

Beskrivelse

„MONATE ABSCHEULICHER NACHRICHTEN“ Die Deepfake-Vorwürfe von Collien Fernandes gegen Christian Ulmen haben die Öffentlichkeit aufgerüttelt. Vorausgegangen waren der Fall Gisèle Pelicot [https://www.swr.de/swrkultur/wissen/ein-jahr-nach-dem-pelicot-urteil-wie-wechselt-die-scham-die-seite-106.html] und die Epstein-Files [https://www.swr.de/kultur/gesellschaft/netzwerk-der-maechtigen-der-epstein-skandal-und-die-folgen-forum-2026-02-19-100.html]. Frauen seien damit durch „Monate abscheulicher Nachrichten gegangen“, fasst Kristina Lunz bei SWR Kultur ihre Motivation zusammen, zu handeln. Gemeinsam mit Düzen Tekkal brachte sie in den Tagen nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Christian Ulmen eine Unterschriftenaktion auf den Weg: 250 prominente Frauen von Ricarda Lang über Carolin Kebekus bis Nina Chuba stellten darin zehn Forderungen an die Bundesregierung für eine nationale Strategie gegen männliche Gewalt. Eine Petition mit über 336.000 Unterschriften haben Lunz und Tekkal inzwischen dem Bundestag übergeben – und ihre Forderungen in ihrem neuen Sachbuch ausgeführt. > Es muss dringend gesetzliche Änderungen geben in diesem Land. > > > Quelle: Kristina Lunz bei SWR Kultur FEMIZID ALS STRAFTATBESTAND „Femizide sind die schlimmste Konsequenz von männlicher Gewalt, von Besitzanspruch und Unterdrückungsfantasien“, sagt Lunz. Daher setzen sie und Düzen Tekkal sich dafür ein, dass Femizide als Straftatbestand gewertet werden, wodurch diese Taten als „Mord, also aus niederen Beweggründen, anerkannt werden. In Deutschland sehen wir jedoch immer wieder, dass das sogenannte Eifersuchtsdrama sogar strafmildernd wirkt.“ Zudem erhoffen sich die Autorinnen, dass mit einem Straftatbestand die Anzeige-Quote steigt. Bisher läge diese in Deutschland bei Partnerschaftsgewalt und bei geschlechtsspezifischer Gewalt im einstelligen Prozentbereich, sagt Kristina Lunz. Nur etwa ein Prozent aller Vergewaltiger würden hierzulande verurteilt: „Zahlen, die eigentlich keine Sekunde toleriert werden dürfen.“

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episode Rot ist jetzt, was Trump für rot hält cover

Rot ist jetzt, was Trump für rot hält

INFANTINO IST STAMMGAST IM WEISSEN HAUS Donald Trump greift zum Telefonhörer und übt Druck aus, in Politik, Wirtschaft, Medien. Dass er nun offenbar in eine Fußball-WM eingreift, ist keine Überraschung, sondern war zu erwarten. Trump umgeht Regeln und will bestimmen. Und er hört selten Widerworte. Natürlich auch nicht von Gianni Infantino. Der FIFA-Präsident war seit dem Amtsantritt von Trump so oft im Weißen Haus zu Gast wie kein Staatschef. Die FIFA hat Räumlichkeiten im Trump Tower in New York gemietet und dem US-Präsidenten einen „Friedenspreis“ verliehen. Infantino hat ein Umfeld für die WM geschaffen, in dem politische Einflussnahme sogar wahrscheinlicher geworden ist. EIN BEISPIELLOSER VORFALL BEI EINER WM Wobei Fußball und Politik seit Generationen verbunden sind, auch bei Weltmeisterschaften: 1934 in Italien wollte Mussolini mitbestimmen, 1978 in Argentinien die Militärjunta. Heute hat die FIFA 211 Mitgliedsverbände. In dutzenden Ländern bestimmen Minister, Generäle oder Monarchen den Fußball. Immer mal wieder hat die FIFA deshalb kleine und weniger einflussreiche Nationen ausgeschlossen. Dass nun aber der Präsident einer westlichen Demokratie, wie nun offenbar Trump, die Strafe für eine Rote Karte abmildern will, ist in der Geschichte der WM beispiellos.    EUROPA REAGIERT EMPÖRT, DIE USA BEDANKT SICH In Europa ist die Empörung groß, in den USA jedoch bedanken sich zahlreiche Fans und Medien bei Trump. Der Erfolg der US-Nationalmannschaft sorgt für Rekord-Einschaltquoten. Trump, der wegen des Iran-Krieges, der Epstein-Akten und der Zoll-Politik stark unter Druck steht, nutzt den Fußball für „America First“.  Ob sich der Fußball gegen Trump und Infantino zur Wehr setzen kann? Theoretisch ja. Die großen Verbände aus Deutschland, England, Frankreich und Brasilien könnten sich von dieser FIFA abwenden. Aber sie alle wollen am Rekordumsatz teilhaben, der nun bei der WM rund neun Milliarden Dollar beträgt.  SKANDALUMWITTERTE FIFA Der europäische Fußballverband UEFA sieht eine „rote Linie“ überschritten. DFB-Präsident Bernd Neuendorf wollte solche Worte nicht wählen. Seine Stellungnahme: diplomatisch. Deutschland will spätestens in den 2040er-Jahren wieder eine WM austragen. Denn das größte Sportspektakel bleibt lukrativ. Und die Einflussnahme von Trump könnte in dieser skandalumwitterten FIFA schon bald wieder vergessen sein.

7. juli 20262 min
episode Feel it – ZKM Karlsruhe feiert mit einer Ausstellung „Die Sinnlichkeit der Medienkunst“ cover

Feel it – ZKM Karlsruhe feiert mit einer Ausstellung „Die Sinnlichkeit der Medienkunst“

HÖREN, SEHEN, RIECHEN: MEDIENKUNST MIT ALLEN SINNEN ERLEBEN Gezeigt werden rund 50 Werke von Künstlerinnen und Künstlern aus aller Welt, die nicht nur unseren Sehsinn, sondern auch unseren Tast-, Geruchs- und Hörsinn ansprechen. Küsse etwa können sich gut anfühlen und nicht nur unseren Puls hochjagen, sondern auch die verschiedensten Gehirnregionen enorm stimulieren. Das niederländische Künstlerduo Karen Lancel und Hermen Maat lädt Paare im ZKM zur Kuss-Performance ein und setzt ihnen Elektrodenhauben auf. Die dabei gemessenen Herzfrequenzen und Gehirnströme werden nicht nur grafisch auf dem Boden rund um das Paar dargestellt, sondern auch in Sounds verwandelt. Die menschlichen Körper scheinen mit der Computertechnologie zu verschmelzen. DAS SKELETT ALS VERSTÄRKER Auch die australischen Künstlerinnen Gail Priest und Helen Pynor wollen mit ihrem Medienkunstwerk unsere Sinne ansprechen. Sie haben sich mit der Entwicklung des Gehörs, genauer den Mittelohrknöchelchen, im Laufe der Evolution beschäftigt. Um dem Publikum ihre Forschungsergebnisse zu vermitteln, setzt Gail Priest eine ganz spezielle Technik ein: „Ich verwende sogenannte Körperlautsprecher. Man setzt sie sich nicht auf die Ohren, sondern hält sie zum Beispiel an die Stirn oder an die Schläfen – oder an irgendeinen Knochen im Körper und so kommen die Stimmen und Sounds tatsächlich über das Skelett ins Innenohr.“ MIT KUNST GEGEN DAS KORALLENSTERBEN Der Künstler Marco Barotti nutzt Schallwellen für einen ökologisch guten Zweck. Er hat die Klanglandschaft gesunder Korallenriffe aufgenommen und beschallt damit geschädigte Riffe, um sie zum Wachstum anzuregen. Marco Barotti, der in erster Linie Jazzmusiker ist, arbeitet dabei mit Meeresbiologen zusammen. In seiner raumgreifenden Audio-Videoinstallation kann man bei dieser Langzeitstudie zusehen und in die wunderbare, heute so bedrohte Unterwasserwelt abtauchen. ARBEITEN, DIE WACHRÜTTELN Den meisten der künstlerischen Positionen in der Ausstellung des ZKM geht es nicht darum, unsere Sinne zu reizen, um uns Wohlgefühle zu vermitteln. Sie wollen uns eher wachrütteln, aber eben nicht nur über den Intellekt. Viele der Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt wurden durch das ZKM erst dazu animiert, sich mit der Sinnlichkeit von Medienkunst auseinanderzusetzen und Kunstwerke zu schaffen, die unsere Sinne in neuer Art und Weise ansprechen. Die gezeigten künstlerischen Positionen sind so vielfältig in ihren Herangehensweisen und Zielsetzungen, dass diese Ausstellung nicht nur zum sinnlichen Erlebnis wird, sondern auch zeigt, wozu das ZKM in der Lage ist: Künstlerinnen und Künstler zu neuen Arbeiten anzuregen und zusammen mit neuester Technologie und Wissenschaft unsere Perspektiven zu erweitern. Unbedingt sehenswert!

7. juli 20264 min
episode Alle vier Minuten Gewalt gegen Frauen: Sachbuch „Wer hat euch erlaubt, Frauen so zu hassen?“ cover

Alle vier Minuten Gewalt gegen Frauen: Sachbuch „Wer hat euch erlaubt, Frauen so zu hassen?“

„MONATE ABSCHEULICHER NACHRICHTEN“ Die Deepfake-Vorwürfe von Collien Fernandes gegen Christian Ulmen haben die Öffentlichkeit aufgerüttelt. Vorausgegangen waren der Fall Gisèle Pelicot [https://www.swr.de/swrkultur/wissen/ein-jahr-nach-dem-pelicot-urteil-wie-wechselt-die-scham-die-seite-106.html] und die Epstein-Files [https://www.swr.de/kultur/gesellschaft/netzwerk-der-maechtigen-der-epstein-skandal-und-die-folgen-forum-2026-02-19-100.html]. Frauen seien damit durch „Monate abscheulicher Nachrichten gegangen“, fasst Kristina Lunz bei SWR Kultur ihre Motivation zusammen, zu handeln. Gemeinsam mit Düzen Tekkal brachte sie in den Tagen nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Christian Ulmen eine Unterschriftenaktion auf den Weg: 250 prominente Frauen von Ricarda Lang über Carolin Kebekus bis Nina Chuba stellten darin zehn Forderungen an die Bundesregierung für eine nationale Strategie gegen männliche Gewalt. Eine Petition mit über 336.000 Unterschriften haben Lunz und Tekkal inzwischen dem Bundestag übergeben – und ihre Forderungen in ihrem neuen Sachbuch ausgeführt. > Es muss dringend gesetzliche Änderungen geben in diesem Land. > > > Quelle: Kristina Lunz bei SWR Kultur FEMIZID ALS STRAFTATBESTAND „Femizide sind die schlimmste Konsequenz von männlicher Gewalt, von Besitzanspruch und Unterdrückungsfantasien“, sagt Lunz. Daher setzen sie und Düzen Tekkal sich dafür ein, dass Femizide als Straftatbestand gewertet werden, wodurch diese Taten als „Mord, also aus niederen Beweggründen, anerkannt werden. In Deutschland sehen wir jedoch immer wieder, dass das sogenannte Eifersuchtsdrama sogar strafmildernd wirkt.“ Zudem erhoffen sich die Autorinnen, dass mit einem Straftatbestand die Anzeige-Quote steigt. Bisher läge diese in Deutschland bei Partnerschaftsgewalt und bei geschlechtsspezifischer Gewalt im einstelligen Prozentbereich, sagt Kristina Lunz. Nur etwa ein Prozent aller Vergewaltiger würden hierzulande verurteilt: „Zahlen, die eigentlich keine Sekunde toleriert werden dürfen.“

7. juli 20266 min
episode Achtung, Achtsamkeit! Der neue Roman „Einatmen. Ausatmen.“ von Maxim Leo cover

Achtung, Achtsamkeit! Der neue Roman „Einatmen. Ausatmen.“ von Maxim Leo

Meditation, Yoga, Waldbaden, Energiearbeit, Ayurveda – das und noch einiges mehr bietet die „Academy“. Ausgebrannte Overachiever können hier regenerieren, aufstrebende Führungskräfte sich den Habitus der Empathie antrainieren. Marlene Buchholz hält zwar wenig von solchem Psychokram, aber sie wird von der Konzernleitung der „Aviola“ zur Teilnahme verdonnert. Denn manche Mitarbeiter werfen ihr einen kalten Führungsstil vor – ein Hindernis für ihren anstehenden Karrieresprung zur CEO des Unternehmens.  „Zuerst hatte sie es für einen Witz gehalten, aber dann merkte sie, dass Dr. Finckenstein es wirklich ernst meinte. ‚Sie gehen zu Alex Grow, ein ausgezeichneter Unternehmens-Coach’, sagte er. ‚Es gibt Intensivkurse, zwei Wochen lang in einem kleinen Schloss in Brandenburg. Danach sprechen wir uns wieder.‘“  Alex Grow – der Name ist Programmmusik, wie so vieles im neuen Roman des Schriftstellers Maxim Leo. AUGENZWINKERN UND TRÄNEN  Der Achtsamkeitsbetrieb mit seinem Jargon und seiner ganz eigenen Betulichkeit ist ergiebiger Stoff für Komödien. Maxim Leo liegt es jedoch fern, die Komik ins Schmerzhafte zu treiben. Ein bisschen Augenzwinkern – unbedingt. Etwa wenn ausgerechnet der Super-Coach Alex Grow, der äußerlich als Profi der Tiefenentspannung auftritt, seine innere Panik kaum noch kontrollieren kann.  Marlenes anfängliche spöttische Reserviertheit aber wird nach alter psychoanalytischer Manier bald als „Widerstand“ erkennbar: Die Business-Frau will nicht heran an ihre Gefühle, weil sie diese seit ihrer Kindheit zu verdrängen gelernt hat. Während einer Familienaufstellung in der Academy brechen dann die Tränen und Einsichten über sich selbst, ihre Mutter und die Kriegserlebnisse ihrer Großmutter nur so aus ihr heraus:   „Sie begann zu ahnen, wie das Drama der Großmutter, die Kälte der Mutter und ihre eigenen Beziehungsprobleme zusammenhingen. Sie verstand, dass das Böse durch die Generationen wandert, so lange, bis man sich ihm stellte. Dass ein Gefühl sich nicht mit Schweigen begraben ließ. Es war schwer für sie, das alles an sich heranzulassen.“ GÄNGIGE MUSTER UND THEMEN  Für Marlene mögen dies überraschende Enthüllungen sein. Nicht aber für die Leser, die an dieser Stelle des Romans kaum etwas anderes erwartet haben dürften als den zeitgemäßen Rekurs auf „transgenerationale Traumata“. Auch sonst reichert Maxim Leo den Plot mit gängigen Debattenthemen an. Da gibt es zum Beispiel in der Nähe des Schlosses ein Protestcamp im Wald. Dort ketten sich Demonstranten an die Bäume, damit diese nicht gefällt werden für den Bau einer riesigen Geflügelmastanlage.   Eine klaffende Leerstelle bleibt dagegen die Firma „Aviola“. Was wird dort produziert und welche Leistungen haben Marlene so weit nach vorne gebracht? Solche Details wären nicht unwichtig in einem Roman über eine Managerin. Maxim Leo begnügt sich mit ein paar austauschbaren Business-Sprechblasen. WUNDERSAME WANDLUNG Endgültig verliert der Roman die psychologische Bodenhaftung, wenn es um Marlenes wundersame Wandlung im Zeitraffertempo geht. Wichtigen Anteil hat dabei ihre rasch aufblühende Freundschaft ausgerechnet mit dem Hausmeister des Achtsamkeits-Schlosses. Günther Mattissen (man sieht den Schauspieler Charly Hübner in einer möglichen Verfilmung schon vor sich) gibt sich anfangs schroff, taut dann aber auf – ein liebenswerter Kauz mit dem Herz auf dem rechten Fleck.   Schon nach wenigen Stunden Bekanntschaft vertritt Marlene ihn am Sterbebett seiner Mutter und wird von der Verwirrten für die endlich gefundene Schwiegertochter gehalten – das ist ebenso rührend gemeint wie schief erzählt. Und wenn Marlene dann noch gemeinsam mit Mattissen Rehe befreit, fragt man sich, was für eine Vorstellung Maxim Leo vom Mindset deutscher Führungskräfte hat. Der Schriftsteller wird gelobt als „Garant für filmreife Geschichten“. Nur dass man dabei diesmal nicht ans große Kino denken sollte, sondern an den ZDF-Fernsehabend mit seinen Kulissen und Klischees.

I går4 min