SWR Kultur lesenswert - Literatur
EINE VIELFALT DER LITERATURGENRES Beate Tröger, Gregor Dotzauer und Christoph Schröder aus der Jury der SWR Bestenliste sprachen in Mainz: Über Petr Hruškas Gedichtband „Und ich sah mein Gesicht“ [https://www.swr.de/kultur/literatur/bestenliste-2026-0708-06-102.html], den Martina Lisa für die Edition Azur (Voland & Quist) aus dem Tschechischen ins Deutsche übertragen hat. Über „Aufzeichnungen aus der Wiesenau“ [https://www.swr.de/kultur/literatur/bestenliste-2026-0708-05-102.html] von Marie Luise Kaschnitz [https://www.swr.de/kultur/literatur/die-lyrikerin-marie-luise-kaschnitz-wurde-vor-125-jahren-geboren-100.html], die Rainer Weiss unter dem Titel „Gott und die Welt“ in der Edition W herausgegeben hat. Über Elfriede Jelineks neues Werk „Unter Tieren“ [https://www.swr.de/kultur/literatur/bestenliste-2026-0708-04-102.html], das im Rowohlt Verlag erscheint und bei den Salzburger Festspielen auf der Bühne zu erleben ist. Sowie über den Sommerroman „Tanzende Frau, blauer Hahn“ [https://www.swr.de/kultur/literatur/bestenliste-2026-05-07-102.html] von Dana Grigorcea [https://www.swr.de/kultur/literatur/dana-grigorcea-tanzende-frau-blauer-hahn-102.html] aus dem Penguin Verlag. Damit zeigt die Diskussion in Mainz unter anderem auch, wie vielfältig die literarischen Positionen auf der SWR Bestenliste im Juli und August sind. DIE WUNDERSAME EINIGKEIT EINER JURY Dieses Literaturgespräch ging in wundersamer Einigkeit über die Bühne. Beate Tröger nannte Hruškas auf Platz 6 der SWR Bestenliste im Juli und August geführten Gedichtband „Und ich sah mein Gesicht“ eine „Dialektik der Aufklärung in Versen“. Die anschauliche Lyrik, die sich mit der ersten Weltumsegelung befasst, lädt ein, über das Fremde nachzudenken – und die Grenzen der eigenen Weltwahrnehmung. Die Prosa-Miniaturen von Kaschnitz (Platz 5), die von der Inneren Emigration, der Zeit nach dem Nationalsozialismus und den nicht zuletzt auch baulichen Veränderungen in der Nachkriegszeit erzählen, werden als zeitlos elegante Prosa einer großen Stilistin gelobt. Das Jury-Mitglied Gregor Dotzauer hat einen sehr persönlichen Zugang zu der Schriftstellerin, hat er doch Jahre später in ihrer Frankfurter Wohnung in der Wiesenau gelebt. NICHT JEDER KALAUER EINER NOBELPREISTRÄGERIN IST WELTLITERATUR Jelineks auf Platz 4 gelistete Suada „Unter Tieren“ konnte die drei Jury-Mitglieder der SWR Bestenliste nicht überzeugen. Zwar wurde dem Werk der Nobelpreisträgerin eine sprachliche Kunstfertigkeit bescheinigt, doch der antikapitalistische Furor würde sich in Kalauern erschöpfen, kritisierte beispielsweise Christoph Schröder. Grigorceas Sommerbuch „Tanzende Frau, blauer Hahn“ wird wegen der erzählerischen Doppelbödigkeit gelobt. Die unterhaltsamen und zum Teil surrealen Geschichten aus den Karpaten haben aber auch eine politische und manchmal sogar mythologische Dimension, wie die Jury begeistert erklärt. Aus den vier Büchern lasen Kruna Savić und Henner Momann vom Mainzer Staatstheater. Durch den Abend führte Carsten Otte.
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