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Dirty Dancing – Wie ein Independent-Film zum Mythos wurde

5 min · 24. juli 2026
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Beskrivelse

ZWEI FRAUEN, EINE VISION: DIE GEBURTSSTUNDE VON „DIRTY DANCING“ „Dirty Dancing ist Paartanz, bei dem man sehr eng tanzt und sich am Körper des Partners entlang bewegt“, sagt die Drehbuchautorin Eleanor Bergstein. Bei einem Mittagessen erzählt sie der Filmproduzentin Linda Gottlieb von diesem erotisch knisternden Tanz. „Mir fiel buchstäblich der Löffel aus der Hand. Ich hab ihr gesagt: Das ist ein Millionen-Dollar-Titel. Ich sah schon das Plakat und es kribbelte. Eleanor meinte, Dirty Dancing hat nichts mit der Story zu tun. Und ich: Das ist der Titel und jetzt entwickeln wir die Story“, erinnert sich Linda Gottlieb in der Arte-Doku „Dirty Dancing: Romantik, Drama, Tanz!“. Zwei Frauen, eine Vision: „Dirty Dancing“. Der Low-Budget-Film wurde zum Mythos. Gedreht wurde der Film mit nur fünf Millionen Dollar – ein Bruchteil von dem, was Hollywood-Filme damals kosteten. Niemand glaubte, dass sich der kleine Independent-Film länger als eine Woche in den Kinos halten würde. Am Ende lief er 19 Wochen und spielte 210 Millionen Dollar ein.  WEIBLICHE BEFREIUNG – MIT EINER MELONE IM ARM Baby, eine junge, idealistische, kluge Frau, macht mit ihren Eltern in den 1960er-Jahren Urlaub in einem Nobel-Resort nördlich von New York. Dort lernt sie den Tanzlehrer Johnny Castle kennen, gespielt von Patrick Swayze. Und sie entdeckt Dirty Dancing. Eine von vielen ikonischen Film-Szenen: Baby – mit einer riesigen Wassermelone im Arm – betritt eine Holzhütte, in der die Hotel-Angestellten tanzen. Eine brodelnde Menge, wild, ekstatisch, die Körper eng umschlungen. Damit verlässt Baby die bürgerliche Ödnis des Familienurlaubs und tritt ein in eine neue Welt. „Die Energie, die dieser Raum ausstrahlt, ist absolute Befreiung. Man merkt, wie unbeholfen sie ist. Sie ist zum ersten Mal in ihrem Körper auf eine Art, die ihr gefällt. Es gibt da eine Freiheit im Körper, die sie vermutlich noch nie zuvor erlebt hat“, sagt Sachbuchautorin Andrea Warner in der neuen Arte-Doku. „DIRTY DANCING“: NICHT NUR SEXY, VOR ALLEM AUCH POLITISCH Die Doku holt „Dirty Dancing“ aus der sommerlich leichten Romcom-Ecke und zeigt seine politische Dimension: Baby lernt tanzen, damit sie für Johnnys eigentliche Tanzpartnerin bei einem wichtigen Auftritt einspringen kann. Diese muss einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen, 1963, das Jahr in dem der Film spielt, eine gefährliche illegale Sache. 1987 sind Abtreibungen in den USA zwar legal. Doch unter US-Präsident Ronald Reagan gewinnen Abtreibungsgegner wieder stark an Einfluss. In dieser gesellschaftlichen Stimmung schreibt Drehbuchautorin Eleanor Bergstein „Dirty Dancing“ und legt die Handlung ganz bewusst in die 1960er-Jahre vor der Legalisierung. Damit nicht vergessen wird, wie gefährlich illegale Abtreibungen sind. Heute ist der Film mit diesem Thema so aktuell wie nie: 2022 kippte der Supreme Court in den USA das Grundrecht auf Abtreibung.  „Dirty Dancing“ ist hochpolitisch. Und ist auch ein Film über weibliche Selbstbestimmung und Sexualität. Die Arte-Doku arbeitet das fein heraus. BABY TANZT SICH FREI Baby entdeckt beim Tanzen mit Johnny Castle ihre Lust. Der Film erzählt davon konsequent aus ihrer Perspektive – ein Novum im amerikanischen Film. In einer intimen Tanzszene greift Baby nach Johnnys Hintern, sie küsst seinen Oberkörper. Ihre ganze Körpersprache schreit nach Sex. Und anders als sonst ist diesmal der Mann das Sexobjekt. „Nichts davon ist schambesetzt, denn es gilt ja in Hollywood oft als beschämend, wenn Frauen Sex möchten. Das dürfen sie nicht wollen. Und sie werden dafür bestraft. In Horrorfilmen überleben nur die Jungfrauen. In vielerlei Hinsicht ist Sex zu wollen das Schlimmste, was Frauen tun können“, ordnet Autorin Andrea Warner ein.  Bei „Dirty Dancing“ allerdings nicht: Sex wird nur wenig romantisiert. Es gibt keine großen Liebesversprechen, keine Hochzeit zwischen Johnny und Baby. Das Happy End ist kein „Sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende“. Baby tanzt sich frei, sprengt die Konventionen – die sozialen und die filmischen. Und die legendäre Hebefigur am Schluss des Films lässt sie im wahrsten Sinne des Wortes fliegen. ARTE-DOKU „DIRTY DANCING": ROMANTIK, DRAMA, TANZ!“ – ONLINE VERFÜGBAR BIS 27.03.2027, ERSTAUSSTRAHLUNG AM 26.07.2026:

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Mallorca vor neuen Protesten: „Viele können sich die Insel bald nicht mehr leisten“

Am Sonntag wollen Aktivistinnen und Aktivisten in Palma erneut gegen den Massentourismus demonstrieren. Die Organisatoren sprechen von einem gewaltfreien Protest. Gleichzeitig sorgt ein veröffentlichtes Handbuch für Diskussionen: Darin werden unter anderem Farbschmierereien oder das Blockieren von Schlüsselboxen vorgeschlagen – jener Kästen, über die Ferienwohnungsvermieter ihren Gästen die Wohnungsschlüssel übergeben. Die Bild-Zeitung griff das auf und titelte: „Touristenhasser rufen zu Sabotage gegen Urlauber auf.“ Die Tourismusfeindlichkeit auf der Lieblingsinsel der Deutschen nehme immer weiter zu. Patrick Schirmer, Redakteur der Mallorca Zeitung, beobachtet die Proteste seit Jahren. Im Gespräch mit SWR Kultur ordnet er die Entwicklung ein. SIND DIE PROTESTE WIRKLICH GEWALTTÄTIG? Schirmer hält die Darstellung, die Aktivistinnen und Aktivisten seien gewaltbereit, für überzogen. „Ich finde, es ist eine sprachliche Eskalation, von gewaltaffin zu sprechen“, sagt er. Tatsächlich habe es in den vergangenen Jahren immer wieder Graffiti-Aktionen gegen touristische Unternehmen oder Immobilienfirmen gegeben. Ob man das bereits als Gewalt bezeichnen müsse, darüber könne man durchaus diskutieren. Neu sei allerdings, dass die Organisatoren der Demonstration in ihrem Handbuch ausdrücklich dazu aufrufen, Schlüsselboxen von Ferienwohnungen unbrauchbar zu machen. Das habe ihn überrascht. Ob sich dadurch die Stimmung bei der Demonstration verändern werde, sei aber offen. Die Proteste seien in den vergangenen Jahren „immer recht ruhig“ verlaufen. WARUM GEGEN DIE ORGANISATOREN DER PROTESTE ERMITTELT WIRD Die Initiative „Weniger Tourismus, mehr Leben“, die die Demonstration organisiert, ruft bereits zum dritten Mal zu Protesten im Hochsommer auf. Während sich an der Bewegung vor zwei Jahren noch viele Menschen beteiligt hatten und der Zulauf groß war, fiel die Beteiligung im vergangenen Jahr geringer aus. Nachdem das Protest-Handbuch veröffentlicht wurde, erstattete eine Anwaltskanzlei Anzeige gegen die Organisation. Der Grund: Die Anwaltskanzlei wertet die darin beschriebenen Aktionen als Aufruf zu Straftaten. Für zusätzliche Empörung sorgte die Festnahme zweier Aktivisten, die bereits Ende Mai Graffiti auf ein Immobilienbüro gesprüht haben sollen. Sie wurden auf offener Straße in Handschellen abgeführt. Schirmer glaubt, dass gerade dieses Vorgehen den Protesten am Sonntag sogar mehr Zulauf bescheren könnte. Die Bilder seien von vielen auf Mallorca als „grobe Eskalation“ empfunden worden. Dass Graffiti-Sprayer wie Schwerverbrecher behandelt würden, habe viele Menschen irritiert. WOHNUNGSNOT STATT TOURISTENHASS Für Schirmer richtet sich die Wut der Protestierenden ohnehin weniger gegen Urlauberinnen und Urlauber direkt als gegen die Folgen des Massentourismus. Besonders der Wohnungsmarkt habe sich in den vergangenen Jahren dramatisch verändert. Nach der Corona-Pandemie sei Mallorca für digitale Nomaden, Auswanderer und Menschen mit Zweitwohnsitz noch attraktiver geworden. Sie verfügten häufig über deutlich mehr finanzielle Mittel als viele Einheimische. „Es gibt nur noch wenige Personen, die nicht betroffen sind“, sagt Schirmer. Zwar schütze das spanische Mietrecht Mieter zunächst vor drastischen Erhöhungen. Läuft ein Vertrag jedoch aus, könnten Vermieter die Miete nahezu beliebig anheben. Für viele Familien werde das „zum Genickbruch“. Immer mehr Menschen könnten sich das Leben auf Mallorca schlicht nicht mehr leisten. „Es ist eine Riesenbedrohung für viele Menschen, die hier aufgewachsen sind und sich bald diese Insel nicht mehr leisten können“, betont Schirmer. Dass inzwischen sogar Menschen vom spanischen Festland mit dem Flugzeug zur Arbeit auf Mallorca pendelten, zeige, wie angespannt der Wohnungsmarkt inzwischen sei. WARUM DER MASSENTOURISMUS WEITER ZUNIMMT Trotz der Proteste rechnet Spanien auch in diesem Sommer wieder mit Besucherrekorden. Allein in den Sommermonaten werden rund 43 Millionen Gäste erwartet – sechs Prozent mehr als im Vorjahr. Für Schirmer liegt das nicht daran, dass die Proteste wirkungslos seien. Vielmehr fehle der Regionalregierung an entscheidenden Stellen der Einfluss. So könne Mallorca beispielsweise gar nicht selbst festlegen, wie viele Flugzeuge auf der Insel landen. Darüber entscheide der staatliche Flughafenbetreiber. Hinzu komme ein großes illegales Angebot an Ferienwohnungen. Zwar sei die Vermietung von Wohnungen in Mehrfamilienhäusern in Palma verboten. „Aber das heißt ja nicht, dass es sie nicht gibt“, sagt Schirmer. Das Geschäft sei nach wie vor äußerst lukrativ, viele Vermieter nähmen hohe Bußgelder deshalb in Kauf. Auch aus der Tourismusbranche selbst gebe es bislang nur wenig Bestrebungen, das Wachstum einzudämmen. DER DRUCK WÄCHST WEITER Für Patrick Schirmer zeigt sich deshalb ein grundsätzliches Problem: Immer mehr Menschen wollten auf die Insel – als Urlauber, als Auswanderer oder als digitale Nomaden. Gleichzeitig bleibe Wohnraum begrenzt. „Der Druck nimmt jedes Jahr zu. Es kommen immer neue Menschen.“ Die Proteste gegen den Massentourismus dürften deshalb auch über diesen Sommer hinaus nicht verstummen.

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Der Christopher Street Day ist für viele Menschen ein Fest der Vielfalt, zugleich aber auch ein politischer Protest für die Gleichberechtigung queerer Menschen. Während an diesem Wochenende unter anderem in Stuttgart, Mainz und erstmals auch in Tuttlingen CSD-Paraden stattfinden, nehmen queerfeindliche Straftaten und rechtsextreme Angriffe auf die Veranstaltungen zu. „DAS NIMMT UNS NICHT UNSERE ENERGIE UND UNSERE FREUDE“ Der Moderator und Aktivist Fabian Grischkat verweist im Gespräch bei SWR Kultur dennoch auf die Bedeutung der Demonstrationen: „Ganz sorgenfrei betritt man nicht mehr einen Christopher Street Day und doch möchte ich aber hier betonen, das nimmt uns nicht unsere Energie und unsere Freude.“ Grischkat warnt zudem vor der Radikalisierung junger Menschen in sozialen Medien und fordert gemeinsam mit den Plattformen wirksame Gegenmaßnahmen. Gleichzeitig ruft er zu mehr Solidarität auf und ermutigt insbesondere Menschen im ländlichen Raum, sich aktiv für Sichtbarkeit und Akzeptanz queerer Menschen einzusetzen.

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