SWR2 Kultur Aktuell
10 Euro muss zahlen, wer aktuell Venedig besichtigen will. Zumindest als Kurzentschlossener. Bucht man drei Tage im Voraus, dann ist es nur die Hälfte. Eingeführt hat die Stadt das Ticketsystem vor zwei Jahren. Das Ziel: den Massentourismus eindämmen, der die Lagunenstadt so stark trifft, wie kaum einen anderen Ort auf der Welt. VENEDIG: MEHR HOTELBETTEN ALS EINWOHNER Das historische Zentrum hat mittlerweile mehr Hotelbetten als Einwohner. Kein Wunder also, dass die Stadt plant, den Eintritt noch weiter zu erhöhen. 30 bis 50 Euro pro Tag sind im Gespräch. Eine drastische Maßnahme. Und möglicherweise ein Vorbild für andere Städte. Wobei auch in Sachen Ouvertourismus gilt: Jeder Tourismus-Hotspot hat so seine eigenen Probleme. So sagt es zumindest Eva Erdmenger, die an der Universität im niederländischen Wageningen zu den Folgen des übermäßigen Tourismus forscht. SANTORINI: ÜBER 800 KREUZFAHRTSCHIFFE IM JAHR Als Beispiel nennt sie die griechische Insel Santorini. Eine Oase in der Ägäis. Allerdings auch eine völlig überlaufene. Über 800 Kreuzfahrtschiffe legen dort Jahr für Jahr an und spülen Touristenmassen in die engen Gässchen der Stadt Thira. Der wirtschaftliche Mehrwert für die Einheimischen halte sich allerdings in Grenzen, sagt Erdmenger. Essen würden die meisten Besucher nämlich auf dem Schiff. Was von ihnen bleibt, ist letztlich nur: die Verstopfung der Stadt. Erdmenger rät daher auch jeder und jedem, sich vor dem Urlaub Gedanken darüber zu machen, wie man seinen touristischen Fußabdruck möglichst klein halten könne. Entscheidend dabei seien die sogenannten drei Säulen der Nachhaltigkeit: Wirtschaft, Soziales und Umwelt. ERDMENGERS VORSCHLAG: SELBST ANPACKEN! Zum Beispiel sollte man sich vorher überlegen, wie man sein Urlaubsbudget gezielt so investiert, dass es wirklich der lokalen Wirtschaft zugute kommt. Ein Studium der einheimischen Kultur und Sprache schade nicht, um vor Ort in Kontakt zu kommen. Und in Sachen Nachhaltigkeit gelte es vor allem, den Wasserverbrauch und die Verschmutzung reduzieren. Erdmenger schlägt sogar „spielerische Strand Clean-Ups“ vor, die man mit den Kindern veranstalten könnte. Ein bisschen Bewegung schadet ja nie. Und mit gutem Gewissen liegt es sich im Strandkorb gleich doppelt so bequem.
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