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Eine Milliarde Euro Kosten [https://www.spiegel.de/politik/frank-walter-steinmeier-bundespraesident-verteidigt-sanierungskosten-fuer-schloss-bellevue-a-159caf0b-0283-46c3-a109-d721219083fe] für die Renovierung von Schloss Bellevue? Frank-Walter Steinmeier rechtfertigte die Ausgaben im ZDF-Sommerinterview [https://www.youtube.com/watch?v=GYXh1_9re_Q]. Das ist bemerkenswert. Unterstreicht es doch einmal mehr: Wasser predigen und Wein saufen – das ist die vorherrschende Grundhaltung in weiten Teilen des politischen Universums. Während die Politik aus dem Schuldenmachen nicht mehr rauskommt und will, dass „wir“ den Gürtel enger schnallen, leistet sich das Staatsoberhaupt 1.000 stolze Millionen aus dem Steuersäckle für ein Wohnen mit Stil. In Anbetracht der finanziellen Lage sollte der Bundespräsident froh sein, dass er nicht in einer Blechhütte hausen muss – aber Demut sucht man in der Politik vergebens. Ein Kommentar von Marcus Klöckner. Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar. Die Abgehobenheit der politischen Klasse zeigt sich auf viele Weisen. Im ZDF-Sommerinterview [https://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Frank-Walter-Steinmeier/Interviews/2026/260712-ZDF-Sommerinterview.html] ist Folgendes zu hören. Die Interviewerin sagt zu dem Bundespräsidenten: > Alle sollen sparen. (…) Sie sind gerade von Ihrem ersten Amtssitz in den zweiten Amtssitz umgezogen. Der erste wird jetzt renoviert. Das Ganze kostet rund eine Milliarde. Es geht ja in so Zeiten auch um Symbole. Halten Sie das für angemessen momentan? Der Bundespräsident antwortet: > Was soll ich dazu sagen? Das Schloss Bellevue ist doch 250 Jahre alt und renovierungsbedürftig, weil die Tragfähigkeit der Decken zum Beispiel eingeschränkt ist. Dieses Schloss kann so in dieser Form nicht länger als repräsentativer Sitz genutzt werden. Nun, wenn das Schloss nicht länger als „repräsentativer Wohnsitz“ genutzt werden kann, dann ist es selbstverständlich angebracht, die Residenz mit einer Milliarde Euro dahin zu bringen, dass sie wieder genutzt werden kann. Oder wie? Mit einer Milliarde ließen sich allerdings auch andere Projekte angehen. Zum Beispiel könnte die Politik damit – je nach Quadratmeterpreis und anderen Variablen – zwischen 3.000 und 6.000 Sozialwohnungen zwischen 50 und 80 Quadratmeter bauen lassen. Politiker könnten mit dem Geld auch etwa zehntausende Kita-Plätze finanzieren oder einen Einmalzuschuss armen Menschen zukommen lassen. Zielgerichtet ließe es sich auch an der Armutsspirale ansetzen. Eine Milliarde – auf die der Bundespräsident im Sinne der Allgemeinheit verzichtet: Das wäre doch ein guter Anfang als Grundstock für einen Sozialfond für Kinder aus armen Familien. Mit einer Milliarde könnte die Politik 40.000 Kindern ab ihrem 18 Lebensjahr 25.000 Euro als Startkapital für ihr zukünftiges Leben zur Verfügung stellen – etwa für den Führerschein, Bildungsausgaben usw. Mit einer Milliarde ließen sich auch … Beispiele gibt es viele – nur bringen die besten Beispiele nichts, wenn der Politik der Rock näher ist als das Hemd. Bei Lichte betrachtet darf der Bundespräsident froh sein, dass er in Anbetracht der finanziellen Situation des Landes nicht in einer Blechhütte hausen muss. Und da der Spielraum zwischen Blechhütte und Schloss Bellevue an Wohnmöglichkeiten groß ist, darf die Frage aufgeworfen werden: Warum zieht Steinmeier mit seiner Frau nicht in eine 40-Quadratmeter-Wohnung? Eine solche Bleibe mag dann nicht „repräsentativ“ sein, nur: Eine Känguru-Politik – große Sprünge, nichts im Beutel – hilft dem Land auch nicht weiter, Repräsentieren hin oder her. Um die Lebenswirklichkeit nicht aus den Augen zu verlieren, Schlagzeilen zum Thema Armut lauten derzeit: „Das Los der Herkunft. Armut in Deutschland: „Die Leute strampeln ohne Ende““ [https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/armut-deutschland-132.html], „Sozialbericht NRW: Armut steigt, Vermögen werden ungleicher verteilt“ [https://www1.wdr.de/politik/politik-in-nrw/sozialbericht-nrw-arm-reich-100.amp], „Was Kinder in NRW in Armut hält – und was ihnen heraushelfen könnte“ [https://rp-online.de/nrw/landespolitik/was-kinder-in-nrw-in-armut-haelt-und-was-ihnen-heraushelfen-koennte_aid-151221739], „„Das können wir uns nicht leisten“: Wie Armut unser Denken ein Leben lang prägt“ [https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/plus6a33ece346cd409e901a5de4/das-koennen-wir-uns-nicht-leisten-wie-armut-unser-denken-ein-leben-lang-praegt.html], „Wohlfahrtsverbände: Armut und Verelendung nehmen zu“ [https://www.br.de/nachrichten/bayern/wohlfahrtsverbaende-armut-und-verelendung-nehmen-zu,UcaDibo] usw. Richtig, eine Milliarde Euro ist im Hinblick auf das Armutsproblem nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Dennoch würde das Geld vielen armen Bürgern konkret helfen können. Steinmeier muss das wissen. In der Politik gibt es Worte, es gibt Taten und es gibt Geld – viel Geld. Wohin die Politik es fließen lässt, sehen wir. Titelbild: Screenshot ZDF[http://vg07.met.vgwort.de/na/2d772fe6cd2b4a5b8935d6b3415b6fd2]
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