SWR Aktuell Im Gespräch
"Bad news are good news" – dieser Satz fällt früher oder später, wenn man sich mit Medienpsychologie beschäftigt. Auch viele Journalisten kennen ihn – gerade, wenn sie beruflich mit Nachrichten zu tun haben. Denn: Vor allem die schlechten Nachrichten über Kriege, Naturkatastrophen oder Krankheitsausbrüche schaffen es regelmäßig nach oben. Dass uns vor allen Dingen die schlechten Nachrichten so beschäftigen, hat einen bestimmten Grund, erklärt Neurowissenschaftlerin Maren Urner: "weil unser Gehirn negative Nachrichten immer intensiver, besser und schneller verarbeitet als positive und neutrale." ABWÄRTSSPIRALE: SCHLIMME NACHRICHTEN BEEINFLUSSEN KÖRPER UND GEIST Das ist selbst dann der Fall, wenn uns die Nachrichten gar nicht unmittelbar betreffen. Als Beispiel nennt Urner den Anschlag auf den Boston-Marathon. Beschäftige man sich intensiv mit der Berichterstattung über negativen Ereignissen, wirke das auch intensiver auf Psyche und Körper – und sogar stärker, als wenn man tatsächlich vor Ort dabei gewesen wäre, so Urner im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Andreas Böhnisch. Auch Fake News [https://www.swr.de/leben/verbraucher/fake-news-erkennen-110.html] tragen laut der Neurowissenschaftlerin ihren Teil dazu bei: "Je absurder, desto mehr springt unser Gehirn drauf an". Aus evolutionsbiologischer Sicht sei das durchaus sinnvoll. Denn unser Gehirn soll unser Überleben sichern. Was von der Norm abweicht, wird laut Urner besonders genau begutachtet. MIT SCHLECHTEN NACHRICHTEN UMGEHEN: DIESE TIPPS HELFEN Was man tun kann, um schlechte Nachrichten nicht zu sehr an einen heranzulassen [https://www.swr.de/swraktuell-radio/politik-bad-news-krisen-krieg-angst-ohnmacht-100.html]? Hierbei kann man sich die Tatsache zu Nutze machen, dass unser Gehirn über Wiederholung lernt. > Das heißt, wenn wir uns immer wieder in diese negativen Schleifen rein begeben und dadurch in Angst und Unsicherheit versetzt werden, dann lernt unser Gehirn, genau darauf besonders intensiv zu reagieren. > > > Quelle: Neurowissenschaftlerin Maren Urner So werde man zu "Negativ-Vorhersagern". Keine Lösung ist für Urner, Nachrichten ganz zu vermeiden. Komplettes Zurückziehen widerspreche dem Menschen als soziales Wesen. Stattdessen empfiehlt die Neurowissenschaftlerin gezielte Ruhephasen und Auszeiten von Information und Bildschirmen. Im besten Fall sei man da in Bewegung, etwa in der Natur oder mit anderen Menschen zusammen.
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