SWR Aktuell Im Gespräch
Wir müssen resilienter werden - in regelmäßigen Abständen hören wir das von Politikerinnen und Politikern. Zum Beispiel nach einem größeren Stromausfall, nach Hochwasser oder wenn die Preise bei uns wegen der weltpolitischen Lage steigen. Ursprünglich stammt der Begriff Resilienz vom lateinischen Wort "resilire" ab, das so viel wie "zurückspringen" oder "abprallen" bedeutet. Mehr zur Wortherkunft und wie sich der Begriff in verschiedenen Bereichen - wie Psychologie oder Ökologie - entwickelt hat, hören Sie im Audio. WIDERSTANDSFÄHIG ODER KRISENFEST? WAS POLITIKER MIT "RESILIENZ" WIRKLICH MEINEN Politiker drücken mit dem Begriff "Resilienz" in der Regel etwas anderes aus, erklärt Hauptstadt-Korrespondent Oliver. Im Alltag oder der Psychologie ist damit meist die "persönliche Widerstandskraft" gemeint [https://www.swr.de/swrkultur/wissen/resilienz-und-ihre-grenzen-wie-wir-krisen-bewaeltigen-100.html]. In der Politik dagegen sei der Kontext oft etwas technischer. "Resilient bedeutet da vor allem: Der Staat muss krisenfest sein und sich Situationen anpassen können." Wer jetzt aber denkt, "krisenfest" und "resilient" könnte man synonym verwenden, liegt nicht hundertprozentig richtig, findet Neuroth. > Krisenfest sagt: das System hält durch, ist stabil - und resilient meint darüber hinaus, das System kann sich anpassen und wird vielleicht sogar gestärkt durch eine Krise und geht aus ihr gefestigt hervor. > > > Quelle: Oliver Neuroth, Hauptstadt-Korrespondent Außerdem klinge "Resilienz stärken" erst mal positiv. Deshalb glaubt Neuroth, dass Politiker diesen Begriff bewusst wählen - auch, weil er etwas "unscharf" und "vage" sei. WIRTSCHAFT UND KRITISCHE INFRASTRUKTUR: DAS BEDEUTET RESILIENZ IN DIESEN BEREICHEN Neuroth gibt verschiedene Beispiele, was Resilienz in einem bestimmten Zusammenhang bedeutet: * Bei der Energieversorgung [https://www.ardmediathek.de/video/phoenix-parlament/resilienz-kritischer-infrastruktur/phoenix/Y3JpZDovL3Bob2VuaXguZGUvNTE3MDM1OQ] ist häufig gemeint: "unabhängig sein von den meisten Lieferanten, eine stabile Versorgung haben". * In der Wirtschaft bedeuten "resiliente Lieferketten", dass sie bei Krisen nicht zusammenbrechen. * Eine resiliente Gesellschaft meint, dass die Menschen "mit krisenhaften Situationen umgehen können - ohne, dass die Gesellschaft quasi kippt". Doch wie resilient ist Deutschland aufgestellt? Zum Beispiel in den Bereichen Sicherheitspolitik, Wirtschafts- und Finanzkrisen oder beim Schutz vor Extremismus. Das schätzt Oliver Neuroth im Gespräch mit SWR Aktuell Moderator Andreas Böhnisch ein.
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