SWR2 am Samstagnachmittag
KEINE LEICHTE KRIMI-KOST Beim Filmfestival in Ludwigshafen wird mit „Mein ist der Tod“ der 18. Spreewaldkrimi gezeigt. Es ist die letzte Folge der beliebten ZDF-Serie, die Reihe wird eingestellt. Kommissar Krüger ist längst in Pension, wird aber noch einmal in ein Verbrechen verwickelt. Zum Plot will Christian Redl nur so viel verraten: Er werde dabei als Toter agieren. Dass diese Folge in Ludwigshafen bereits für den Publikumspreis nominiert wurde, freut den Schauspieler. Die Spreewaldkrimis erforderten eine Menge Aufmerksamkeit, sie sind „doppelbödig und vielschichtig“. „IRGENDWANN IST JA AUCH MAL SCHLUSS MIT DEM ERMITTELN“ Seinen Abschied vom Spreewald nimmt Christian Redl einigermaßen gelassen. „Es ist schon schade“, gesteht der 78-Jährige, aber er werde auch nicht jünger. In dem knarzigen, wortkargen Ermittler Krüger habe er einige Ähnlichkeiten mit sich selbst entdeckt. Unverbindliche Konversation liege ihm einfach nicht. Am meisten wird der Schauspieler den eigentlichen Helden der Krimireihe vermissen: „Die Magie des Spreewaldes macht den Zauber der ganzen Geschichte aus.“ Ein seltsamer, faszinierender Wald, der sofort die Fantasie wecke. DIE KAMERA WAR IHM NICHT GEHEUER In Ludwigshafen wird Christian Redl für seine Schauspielkunst ausgezeichnet – Anerkennung erhält er nicht nur für die Kommissarenrolle, sondern für viele Jahrzehnte, in denen er zunächst vor allem auf der Theaterbühne, später dann vor der Kamera zu sehen war und ist. Wahrhaftigkeit macht für Christian Redl das Wesen der Schauspielkunst aus, das Wesentliche der Figur zu erfassen. „Wer am besten lügt, ist der beste Schauspieler“, lautet seine Überzeugung. Mit „Sierra Leone“ begann für den Schauspieler 1987 der Einstieg ins Filmgeschäft. Die Produktion habe ihn „in Angst und Schrecken“ versetzt, „du kannst der Kamera nichts vormachen“. Er habe es im Laufe des Lebens erst lernen müssen, damit umzugehen. DER BERUF HAT IHN GEZWUNGEN, AUS SICH HERAUSZUKOMMEN „Das Leben hat kein Geländer“ heißt die Autobiografie, die Christian Redl vor drei Jahren veröffentlicht hat. Darin schreibt er sehr offen und sehr persönlich über sein schwieriges Verhältnis zum Vater, der die schlechten Schulnoten des Sohns mit der Bemerkung kommentierte: „Du bist dumm, aber sieh' zu, dass das keiner merkt.“ Dieser Satz habe ihn bis weit ins hohe Alter hinein geprägt, gesteht er im Gespräch mit SWR Kultur: dass man sich nichts zutraue und dass andere ihn für blöd halten könnten. Gerettet habe ihn die Leidenschaft für das Schauspielen. Der Beruf bringt ihn dazu, sich Dinge zuzutrauen, die er sich eigentlich gar nicht zutrauen möchte.
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