SWR2 Kultur Aktuell

Wie nachhaltig kann Kultur sein? Das Green Culture Festival in Karlsruhe sucht Antworten

6 min · 9. Juni 2026
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Beschreibung

Theater, Museen und Konzerthäuser stehen vor der Frage, wie sich Kultur klimafreundlicher gestalten lässt. Beim Green Culture Festival im Karlsruher Tollhaus diskutieren Kulturschaffende aus ganz Deutschland darüber. In SWR Kultur am Morgen sagt Anna Haas, Transformationsmanagerin für nachhaltige Kultur am Badischen Staatstheater Karlsruhe: „Nachhaltigkeit muss so selbstverständlich mitgedacht werden wie Budget, Probenplan oder Premierentermin.“ DAS PUBLIKUM VERURSACHT DIE MEISTEN EMISSIONEN Anders als viele vermuten, entstehen die größten Umweltbelastungen nicht durch Bühnenbilder. „60 bis 80 Prozent der CO₂-Bilanz kommen durch die Mobilität des Publikums zustande“, erklärt Haas. Energieverbrauch spiele ebenfalls eine große Rolle. Trotzdem könne nachhaltiges Bühnenbild eine wichtige Wirkung entfalten, etwa wenn Materialien wiederverwendet werden und daraus neue Geschichten entstehen. KULTUR ALS MOTOR FÜR VERÄNDERUNG Für Haas liegt die besondere Stärke von Kunst und Kultur darin, Menschen emotional zu erreichen. „Kultur hat die Superkraft, Gefühle anzusprechen“, sagt sie. Während reine Fakten oft zu Abwehr oder Resignation führten, könnten Theaterstücke, Konzerte oder Ausstellungen neue Perspektiven eröffnen.

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Episode Big Brother, Facebook und Palantir: Neues Buch von Jens Balzer über „Die Nullerjahre“ Cover

Big Brother, Facebook und Palantir: Neues Buch von Jens Balzer über „Die Nullerjahre“

SIEGESZUG DER SMARTPHONES KAUM VORHERGESEHEN Nach Porträts der Siebziger-, Achtziger- und Neunzigerjahre nimmt Jens Balzer nun in seinem neuen Buch „Confusion Is Next. Die Nullerjahre –Jahrzehnt des Umbruchs“ die Zeit nach der Jahrtausendwende unter die Lupe. Für ihn ist es das Jahrzehnt, dessen technische Innovationen bis heute großen Einfluss auf unser Leben haben. Die Euphorie um die neuen Technologien steht im Fokus von Balzers Erkundungen. Um das Jahr 2000 hätte „niemand damit gerechnet, dass man eines Tages auf einem Telefon tatsächlich auf das gesamte Internet zugreifen würde“, so Balzer im Gespräch mit SWR Kultur – eine Entwicklung, die damals unterschätzt wurde. „BIG BROTHER“ UND FACEBOOK GEHEN AN DEN START Balzer beschreibt in seinem Buch sowohl die großen gesellschaftlichen Freiheiten als auch den Beginn neuer Formen der Kontrolle. Facebook, Reality-TV-Formate wie „Big Brother“ und immer mehr Überwachungstechnologie entstehen. In den Achtzigerjahren hätten die Menschen noch gegen die Volkszählung in Westdeutschland demonstriert , so Balzer. Man hatte „größte Bedenken, dass jetzt der gläserne Mensch entsteht.“ Dabei seien die Daten über Wohnort, Arbeit und Konfession „völlig harmlos“ gewesen. Im Vergleich dazu, hätten viele Menschen zwanzig Jahre später geradezu freiwillig ihre Daten abgegeben: „Vor allem Facebook machte die Menschen ab 2005 zu Objekten einer dauernden Überwachung, in dem jede Handlung im Netz registriert und dokumentiert wird“. PETER THIEL ALS SCHLÜSSELFIGUR DIGITALER MACHTERWEITERUNG Zeitgleich gründete der umstrittene Tech-Unternehmer Peter Thiel die Überwachungsfirma Palantir. Thiel war zudem der erste große Investor für Facebook – womit der den Erfolg von Mark Zuckerbergs damals neuer Plattform mit ermöglichte, betont Balzer. „Er ist zweigleisig gefahren: Einerseits hat Thiel mit Palantir die staatliche, geheimdienstliche Überwachung unterstützt, also die Überwachung von oben. Andererseits hat er die Überwachung, in die wir uns alle freiwillig in den sozialen Netzwerken begeben, gefördert. Beides gehört zusammen.“ NAIVE EUPHORIE UND FINANZIELLE SORGLOSIGKEIT „Es war eine Phase ungeheurer Technik-Euphorie“, erinnert sich Balzer. Auch in Berlin hätten alle in Startups gearbeitet: „Man hatte das Gefühl, dass da technologisch irgendwas möglich wird, was die Menschen nach vorne bringen könnte oder was ihnen auch ein einigermaßen sorgloses Leben ermöglicht.“ Freiheit und finanzielle Sorglosigkeit als Lebensgefühl der Hauptstadt also: So fand man in Berlin damals noch problemlos eine Wohnung, die Bahn kam pünktlich, das Leben war planbar, und man konnte dort mit sehr wenig Geld über die Runden kommen, so der Autor – „das können sich die jungen Leute heute überhaupt nicht mehr vorstellen.“

22. Juni 20267 min
Episode Sprich, Apfelbaum, sprich: „Nelka“ von Svenja Leiber Cover

Sprich, Apfelbaum, sprich: „Nelka“ von Svenja Leiber

Nelka ist wieder da – dort wo sie schon einmal unfreiwillig vier Jahre verbracht hat, auf dem Hof des Gutsbesitzers Marten in Schleswig-Holstein. 1941 wurde die sechzehnjährige Ukrainerin in ihrer Heimatstadt Lemberg aufgegriffen und mit vielen anderen verängstigten jungen Frauen in einem Güterzug zur Fron in Hitlers Sklavenstaat verfrachtet:  „Es scheint möglich, auf einer einzigen Reise um Jahre zu altern. Diejenigen, die als junge Mädchen in Królewska in den Waggon gestiegen waren, sehen beim Aussteigen und Hinübergehen zum Desinfektionslager in der Nähe der Reichshauptstadt wie sehr blasse Frauen aus.“ Bis zum Kriegsende muss Nelka dann auf dem Gutshof schuften, allerdings bald in einer leicht privilegierten Stellung. Marten, damals noch der Verwalter des Guts, ist der jungen Ukrainerin verfallen, obwohl der persönliche, gar erotische Kontakt mit Zwangsarbeiterinnen strengstens verboten ist und er gerade standesgemäß seine arische Gattin Inge geehelicht hat, die sich ihrer ersten sinnstiftenden Schwangerschaft entgegensehnt.  DAS WISSEN DES VATERS  Marten legitimiert Nelkas Bevorzugung mit ihrem erstaunlichem, dem „Reichsnährstand“ nützlichen Wissen über Apfelanbau. Ihr geliebter Vater Wendelin Lechner war ein renommierter Experte für Obstanbau und hat sein pomologisches Wissen früh mit seiner aufgeweckten Tochter geteilt – in der Sprache seiner österreichischen Herkunft.     „Wenn es um Äpfel ging, sprach Wendelin Deutsch, und so lernte Nelka die Beschreibungen der Systeme und die Beschreibungen der Früchte, aber selbst sprach sie kaum. Grüßte nur flüsternd die Komische Grethe, die Renetten, Lord Grosvenor, Madame Favre oder Ingrid Marie in den Kronen, während sie durch den Garten streifte.“ Marten merkt bald, dass die Ukrainerin mehr über Apfelanbau weiß als sich deutsche Bauernweisheit träumen lässt – ein guter Vorwand, sie in seiner Nähe zu halten, auch wenn Inge mit den Augen rollt.  WÜTENDE HILFLOSIGKEIT  Dass eine Zwangsarbeiterin Anfang der neunziger Jahre zum Ort ihrer Versklavung zurückkehrt, um den Mann, der sie – ihren Körper und ihr Wissen – ausgenutzt hat, womöglich zur Rede zu stellen, erscheint anfangs als eine etwas forcierte Erzählkonstruktion. Je mehr man aber über das heikle Verhältnis zwischen Nelka und Marten erfährt, desto plausibler wird die Geschichte. Svenja Leiber verschafft dem Plot durch vielen realistische, gut recherchierte Details soliden Untergrund. Ihrem nuancierten psychologischen Erzählen gelingt es, die Geschichte aus einer bloßen Täter-Opfer-Konstellation herauszuschreiben, ohne das tatsächliche Machtgefälle einzuebnen.   Die „wütende Hilflosigkeit“, die den siebenundsiebzigjährigen Marten beim Anblick der wiedergekehrten Nelka überkommt, bestimmt sein Verhalten gegenüber der Ukrainerin von Anfang an.  PRÄZISE UND POETISCH  Leibers Sprache vermeidet zwar nicht einige raunende, allzu bedeutungsschwangere Formulierungen; zumeist aber ist sie präzise, bisweilen sogar poetisch.   Aber was will Nelka, warum kommt sie zurück? Geht es um Entschädigung, um Geld? Es entspricht Marten, so zu denken, aber auch hier liegen die Dinge nicht so einfach.  „Sie macht ihn ganz irre. Sie soll verdammt nochmal reden. Er hätte sie doch nicht ins Haus lassen dürfen. Aber er war zu neugierig. Und es schien ihm auch klüger, sie nicht zu verärgern. Ganz vorsichtig und freundlich wollte er sein, versucht jetzt sogar zu lächeln.“  Es kommt zu keiner wirklichen Aussprache, keiner Anklage und Versöhnung; das hat Leiber dem Roman zum Glück erspart. Stattdessen lesen wir über Nelkas Rückgewinnung des zivilen Lebens nach den Jahren der Versklavung – und so rundet sich das Bild einer literarischen Figur ab, die man so bald nicht vergisst.

Gestern4 min