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Neues Album der Sportfreunde Stiller: „Happy Birthday“ – zwischen Hurra-Punk und Stillstand

3 min · 12. Juni 2026
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Beschreibung

IMMER OPTIMISTISCH, MEISTENS IN DUR Er ist schon irgendwie bewundernswert, dieser durch nichts zu trübende Optimismus der Band Sportfreunde Stiller aus München. Diese Musik, für die mal jemand die treffende Bezeichnung „Hurra-Punk“ geprägt hat, treibt unbeirrbar voran, nicht viel mehr als drei Akkorde, fast immer in Dur. Wo sie herkommt, diese positive Gestimmtheit in einer Zeit, die nicht allzu viel Grund dafür bietet? Anscheinend ist diese Band so etwas wie ein „Perpetuum mobile“ und speist sich aus sich selbst, das legt jedenfalls der zweite Song – „Wir laden uns auf“ –  des neuen Albums „Happy Birthday“ nahe. EINFACH IMMER WEITERMACHEN, OHNE NACHZUDENKEN? Woraus sie sich aufladen, die Sportfreunde Stiller, das hätte man dann aber doch schon gerne erfahren, der Song verrät es nicht. Ist ihr Geheimnis vielleicht, nie nachzudenken, einfach immer weiterzumachen? Ähnlich der Hummel, die angeblich nur deshalb fliegen kann, weil sie nicht weiß, dass sie es eigentlich gar nicht kann? Leider ist es ausgesprochen unoriginell, dieser Band wieder einmal ihre simplen Arrangements und die unterkomplexen Texte vorzuwerfen. Das tut das Feuilleton ja schon fast so lange, wie es die Sportfreunde Stiller gibt, nämlich seit 30 Jahren. BEWUNDERNSWERTER OPTIMISMUS? Doch sie machen es einem nicht leicht. Vielleicht versuchen wir es also mal mit Bewunderung, nicht nur für den Optimismus dieser Band, sondern auch für ihr Selbstbewusstsein – wenn sie sich hier einfach mal mit dem Titel „Happy“ selbst zum Geburtstag gratulieren. In dem Song geht es dann wirklich um nichts anderes als um den Wunsch, die geliebte Person happy zu sehen. Ein bisschen Nachdenklichkeit wird zwischendurch eingestreut mit dem Song „Ohne Regen keine Blumen“, der darauf hinweist, dass es für die Blumen ja auch nicht so gut wäre, wenn immer nur die Sonne schiene. „Auf deinem Balkon“ heißt eine Ode an den Sommer in der Stadt, in der die mittlerweile Ü‑50‑Jährigen davon singen, betrunken vom Balkon auf die Straße zu kotzen. Und zum Schluss ermahnen uns die Sportfreunde Stiller noch mit „Vergiss mir die Zukunft nicht“. Was genau sie damit meinen, bleibt unausgesprochen. Eine der Mythen um die Band Sportfreunde Stiller ist ja, dass sie ursprünglich eigentlich nur ein einziges Konzert spielen und dann wieder aufhören wollten. Sie wurden aber dazu überredet, weiterzumachen. ENGAGEMENT GEGEN NAZIS Vielleicht kann man so einer Band außer Willensschwäche gar nichts weiter vorwerfen. In den stolzen 30 Jahren ihres Bestehens haben diese drei im Grunde sehr sympathischen Typen auch einiges Gutes geschaffen, zum Beispiel ihr Engagement gegen Nazis. Nach den zehn Songs auf „Happy Birthday“ klappt das dann aber doch nicht so richtig mit der Bewunderung. Es bleiben eher Ratlosigkeit, und ein gewisses Staunen. Dieses Vermeiden jeder geistigen Anstrengung im Text und in der Musik, dieser völlige Verzicht auf Anspruch an das Publikum und sich selbst, das ist zum 30. Bandgeburtstag wirklich etwas schwach. Ja, „Hurra-Punk“, das trifft es ganz gut.

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Episode Hinter Freiburgs Fassaden - das erinnerungspolitische Rechercheprojekt Cover

Hinter Freiburgs Fassaden - das erinnerungspolitische Rechercheprojekt

FREIBURG IN DEN 1930ER-JAHREN Freiburg, zwischen Theater, Universität und Einkaufsstraße, an einem ganz gewöhnlichen, wenn auch heißen Sommertag. Doch vor diesen Alltag schiebt sich ein anderes Bild: Aus dem Kopfhörer klingt die Stimme der Schauspielerin, die einen in die 1930er-Jahre versetzt. In eine Zeit, als hier noch die Synagoge stand, aber am Theater auch schon die Hakenkreuzflaggen wehten. „Fassade“ heißt das Stück von Regisseurin Caroline Anne Kapp. KITSCHIGE PROPAGANDA-BADESZENE AUS DER NS-ZEIT IM ZENTRUM Immer begleitet von den Schauspielern läuft das Publikum durch die Stadt, vom Theater zum nahen Dokumentationszentrum Nationalsozialismus. Das hatten die Nazis als Fremdenverkehrsamt erbaut – und dort das Wandbild anbringen lassen, das zum Dreh- und Angelpunkt dieses Stücks geworden ist. Teilweise enthüllt, teilweise verdeckt sieht man darauf leicht bekleidete junge Männer und Frauen in einer mythologisch angehauchten Badeszene, im Hintergrund der Feldberg. Darauf zu sehen: ein Mann mit nacktem Oberkörper, der mit einem Paddel das Boot ans Ufer des Titisees zieht, eine halbnackte Frau lehnt an einem Baum. Sie hat ein Tuch um die Hüften gewickelt. Geradezu paradiesisch erscheint die Harmonie zwischen der Volksgemeinschaft und der Natur. IN DEN 1980ER-JAHREN VERSTECKT UND VERGESSEN Was man sieht und erahnen kann, sind mehrere Quadratmeter NS-Propagandakitsch. Künstlerisch eigentlich eher uninteressant. Es ist vor allem die Geschichte der Wandmalerei, die sie für Caroline Anne Kapp so spannend macht. In den 1980ern sei dieses Bild einfach verdeckt worden. „Dieses Verstecken hinter den Fassaden, keinen Umgang damit finden: Es ist gut, da genau hinzuschauen“, sagt die Regisseurin. EIN NEUES BILD DES LINKSLIBERALEN FREIBURG Dabei stößt man fast zwangsläufig auf das faschistische Körper- und Schönheitsideal, das enormen Einfluss hatte – auch im beschaulichen Freiburg. Das wird umso deutlicher, je weiter der Rundgang führt. Bis man schließlich, fast schon gemütlich, auf Decken im Colombi-Park sitzt. Im Hintergrund hören Jugendliche Musik, ein kleines Kind planscht im Wasser. Der Kontrast zwischen der als linksliberal geltenden Stadt und ihrer Vergangenheit könnte in diesem Moment kaum größer sein. „FASSADE“ LEGT DIE SPUREN DER NS-VERGANGENHEIT FREI Denn Freiburg hat auch einen Mediziner wie Erich Lexer hervorgebracht – Erfinder des Faceliftings, überhaupt der plastischen Chirurgie, SS-Führer und Kommentator des NS-Sterilisationsgesetzes. „Fassade“ legt die Spuren der NS-Vergangenheit frei, Schicht für Schicht, Station für Station. Auch, weil zum Ensemble die „methusalems“ gehören, die Seniorentheatergruppe des Hauses. Das Erinnern und Vergessen der Nachkriegszeit haben sie selbst erlebt. Und so erweitert „Fassade“ das Bild, das man von dieser Stadt hat – so sehr, dass man selber anfangen möchte zu graben.

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„Einen Menschen großziehen“ – Simone Buchholz über Eltern-Sohn-Beziehungen

Wie zieht man in dieser Welt einen Jungen groß? Zwischen Männlichkeitsbildern die gesellschaftlich neu ausgehandelt werden, und den veralteten Rollenvorstellungen der sogenannten „Manosphere“. Vor dieser Herausforderung stand auch die Autorin Simone Buchholz. Ihre Erfahrungen hat sie in ihrem literarischen Essay „Über Söhne“ verarbeitet. Da sei etwa die Angst gewesen, der gemeinsame Faden zwischen ihr und ihrem Sohn könne während der Pubertät abreißen. Neben dem Zugestehen von Zeit und Raum, sei es wichtig gewesen nicht loszulassen: „Egal wie nervig ich selbst war und was für ein blödes Bild ich dann abgegeben habe von der nervigen Mutter, ich habe es einfach weitergemacht. Und irgendwann, anfallartig, nachts um elf oder halb zwölf, kam er dann aus seinem Zimmer geschlichen und in meinen Arm gekrochen und hat angefangen, mir zu erzählen, was seine Ängste sind, wo für ihn die Gefahren liegen gerade und was ihn bewegt.“ Die Herausforderung, dem Sohn Raum für eigene Entwicklungen zu lassen und dabei gleichzeitig feministische Werte zu vermitteln, das gelingt für Buchholz vor allem „indem man einen Menschen großzieht.“ Feminismus bedeutet für die Autorin deshalb vor allem Humanismus „und ein Menschenbild, in dem alle das gleiche Recht darauf haben, zu leben und glücklich zu sein und ein würdevolles Leben zu leben.“

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