SWR2 Kultur Aktuell
DER „RUMPELSTILZCHEN-EFFEKT“ DES ERFOLGS Er gilt als einer der einflussreichsten Gestalter von Schrift und Konzerndesign im deutschsprachigen Raum. Gerade wurde Erik Spiekermann mit dem Gutenberg-Preis [https://www.gutenberg-gesellschaft.de/gutenberg-preis] der Internationalen Gutenberg-Gesellschaft und der Stadt Mainz „als Pionier für prägende und stilbildende Schriften“ ausgezeichnet. Als „Legende“ möchte Erik Spiekermann trotz seines Lebenswerks nicht bezeichnet werden. „Wenn jemand sagt, ich sei Legende, dann bin ich ja eigentlich tot“, sagt der Typograf im Gespräch mit SWR Kultur. Er bevorzuge den „Rumpelstilzchen-Effekt“ seiner langjährigen Tätigkeit: „Keiner weiß, wie ich heiße, wer ich bin, aber alle benutzen meine Arbeit. Das finde ich eigentlich am schönsten daran.“ Was da alles zusammenkommt, ist weit mehr als das Tagewerk eines Rumpelstilzchens. Erik Spiekermann hat unter anderem das Schriftdesign der Deutschen Bahn entworfen, das Corporate Design von Audi und VW, von Bosch und ZDF. Bis 2001 führte er das damals deutschlandweit größte Designbüro mit bis zu 170 Mitarbeitern. GESTALTUNG DER DEUTSCHE TELEFONBÜCHER Das Wichtigste aus seiner Sicht: Ein guter Stil sollte nicht für Augenschmerzen sorgen. Auf Spiekermanns Entwürfe ging seit den 1980er Jahren auch die Gestaltung der deutschen Telefonbücher zurück. Da die „Schreibweise des Namens und die genaue Telefonnummer sehr, sehr, sehr wichtig sind“, sagt der Typograf, „darf man sich nicht zu weit von dem entfernen, was 84 Millionen Deutsche so unter Schrift verstehen.“ Als einer der ersten Designer importierte er elektronische Schriften aus den USA nach Deutschland. Heute dagegen habe er wieder angefangen, analog zu arbeiten. In Berlin hat er eine Buchdruckwerkstatt aufgemacht, wo er Andruckpressen und Schriftsätze aus Holz und Blei sammelt. Erik Spiekermann: „Ich bin wieder da, wo Gutenberg war, allerdings mit Strom und durchaus mit Computern.“ Heute verbinde er das elektronische und das altmodische Handwerk. Im Prinzip ist er nun auch wieder dort, wo er schon als 16-Jähriger war. Damals sei er durch die Stadt gefahren und habe an jeder Straßenecke etwas mitgenommen: „Und hatte dann nach einigen Jahren plötzlich eine Druckerei zusammen.“
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