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Y Politik-Podcast | Lösungen für das 3. Jahrtausend - podcast

Y Politik-Podcast | Lösungen für das 3. Jahrtausend

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Politik bedeutet schon immer Probleme anzugehen. Aber das dritte Jahrtausend braucht neue Lösungen. Diese stellen Tanja Hille & Vincent Venus im Y Politik-Podcast vor – nicht neutral, niemals perfekt und doch immer optimistisch. Damit Du nicht nur mit neuen Gedanken aus der Folge gehst, kriegst Du jedes Mal noch was Handfestes zum Mitnehmen: von Alternativen zum Wahl-o-Maten, über den besten politischen Kinderfilm bis zu Deutsche Bahn-Hacks. Der Podcast für alle, die Helmut Schmidts Spruch “Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen” für genau so blöd halten, wie er später auch.

Die neuesten Episoden

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Bundestagswahl: Haben's die jungen Leute geschafft? (Sonderfolge)
7/10 2021

Bundestagswahl: Haben's die jungen Leute geschafft? (Sonderfolge)

Spoiler: vieles deutet darauf hin!+++Schaut mal bei ZusammenZukunft [https://www.instagram.com/zusammenzukunft/] rein!+++ Wir ziehen Bilanz, ob #DieseJungeLeute der Generation Y und Z die Bundestagswahl 2021 gewonnen haben. Und tatsächlich: es schaut danach aus! Was der Einzug vieler junger Abgeordneter bedeutet und was sich jetzt nach der Ära Merkel ändern könnte, das besprechen wir in dieser Sonderfolge. Sonderfolge deswegen, weil wir ein Insta Live mit dem Kanal ZusammenZukunft aufgenommen haben. ZusammenZukunft ist ein Account der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, bei dem das Engagement, die Visionen und Themen junger Menschen im Vordergrund stehen. Für die Initiative hat Miriam am 30. September mit uns eine knappe halbe Stunde auf das Ergebnis der Bundestagswahl zurückgeblickt. +++Auf ZusammenZukunft könnt ihr diese Folge auch direkt angucken [https://www.instagram.com/p/CUcwjvWFue2/].+++

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Ist die Bundestagswahl unfair?
13/9 2021

Ist die Bundestagswahl unfair?

JA, findet Vincent. NAJA, findet Tanja.47 Parteien wollen in den Bundestag: von etablierten wie der CDU über Newcomer wie Volt bis zur skurrilen wie der ökoanarchistischen Bergpartei. Ganz gleich ist der Weg ins Parlament für diese Parteien allerdings nicht. Parteien, die bereits im Bundestag sitzen, genießen einige Vorteile gegenüber kleinen und neuen Parteien. Wir diskutieren, welche Hürden man als eine nicht-etablierte Partei nehmen muss und wie fair diese sind. Brauchen wir ein neues Wahlsystem? [Diskutiert die Folge auf unserer Webseite. [http://ypolitik.de/wahlsystem]] WIE PARTEIEN ZUR BUNDESTAGSWAHL ZUGELASSEN WERDEN Welche Parteien bei der Bundestagswahl antreten dürfen, entscheidet der Bundeswahlausschuss [https://www.bmi.bund.de/DE/themen/verfassung/parteienrecht/teilnahme-parteien-wahlen/teilnahme-parteien-wahlen-node.html]. Voraussetzung dafür bei neuen Parteien ist, dass sie die Kriterien für eine Parteigründung [https://www.bundeswahlleiter.de/parteien/parteigruendung.html#b27e3b8a-8a0c-40a6-833a-34810dd86483] erfüllen. Doch wer sitzt in diesem Wahlausschuss und prüft die Kriterien? Den Vorsitz hat der oder die BundeswahlleiterIn. Diese Position wird vom Bundesinnenministerium ernannt, kann also von der Politik beeinflusst werden. Der Vorsitz bestimmt wiederum acht BeisitzerInnen. In der Praxis schlagen die Bundestagsfraktionen vor, wer BeisitzerIn werden soll. Die aktuelle Zusammensetzung [https://de.wikipedia.org/wiki/Bundeswahlausschuss#Bundestagswahl_2021]: drei Personen von CDU/CSU und ein von den anderen Fraktionen inklusive AfD. Der Ausschuss ist also nicht neutral (Bundeswahlgesetz [https://www.gesetze-im-internet.de/bwahlg/__9.html]), sondern politisch besetzt. Ein Beispiel für mögliche Interessenskonflikte: Bundeswahlausschuss-Mitglied Georg Pazderski [https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Pazderski] ist AfD-Fraktionsführer im Berliner Parlament und selbst Bundestagskandidat bei dieser Wahl. Trotzdem entscheidet er darüber mit, welche konkurrierende Parteien zur Wahl zugelassen werden. Auch die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa hat die Problematik in einem Bericht 2009 [https://www.osce.org/de/odihr/elections/germany/40879] festgestellt. 2013 gab es deswegen eine erste Reform: Zwei RichterInnen vom Bundesverwaltungsgericht sind seitdem ebenfalls Mitglied im Bundeswahlausschuss; abgelehnte Parteien können nun gegen die Entscheidung klagen. Das ist auch nötig: 2021 wurde die Deutschen Kommunistischen Partei [https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2021/07/cs20210722_2bvc000821.html] erst nach ihrer Klage für die Bundestagswahl zugelassen. WIE PARTEIEN AN GELD KOMMEN Damit BürgerInnen von neuen und kleinen Parteien erfahren, müssen diese auf sich aufmerksam machen. Aber Wahlkampf ist teuer. Beispielsweise hat die Bundesebene der Union 2017 knapp 30 Millionen Euro ausgegeben [https://de.statista.com/infografik/8805/kosten-des-bundestagswahlkampfes/]. Von solchen Beträgen können Kleinparteien nur träumen. Woher erhalten die Parteien ihr Geld? Ihre Einnahmen setzen sich meistens zusammen aus: * Mitgliedsbeiträge * Spenden * Staatliche Parteienfinanzierung [https://www.bpb.de/politik/grundfragen/parteien-in-deutschland/zahlen-und-fakten/42240/staatliche-parteienfinanzierung] Im Jahr 2019 wurden insgesamt 194 Millionen Euro an die Parteien aus Steuermitteln ausgeschüttet. Davon ging fast alles (97 Prozent) an die etablierten Parteien, die im Bundestag vertreten sind. Die übrigen 21 Parteien mussten sich drei Prozent aufteilen. Um die Unterschiede zu verdeutlichen: während die SPD 55.000.000 Euro erhielt, gab es für die Tierschutzallianz 19.000 Euro. Wie die Parteienfinanzierung genau funktioniert, erläutert dieser Artikel zur Formel für die staatliche Parteienfinanzierung [https://www.bpb.de/politik/grundfragen/parteien-in-deutschland/zahlen-und-fakten/42240/staatliche-parteienfinanzierung]. Darin besonders wichtig ist der Faktor Wählerstimmenanteil: für jede erhaltene Stimme in den letzten Wahlen erhalten Parteien Geld: die ersten vier Millionen Stimmen der letzten Bundes- Europa und Landtagswahlen bringen 1 Euro und 3 Cent. Für jede weitere Stimme gibt es 85 Cent. Das ist ein Unterschied von nur 17 Prozent. Für mehr Chancengleichheit zwischen kleinen und großen Parteien im Wahlkampf wäre es fairer, wenn kleine Parteien mehr finanzielle Unterstützung erhalten. Denn kleine Parteien haben überall sonst Nachteile (Beispiele: wenig mediale Berichterstattung, wenig Hauptamtliche, schlechter Platz auf dem Wahlzettel). Mehr Chancengleichheit gäbe es mit einer feineren Staffelung. Beispielsweise: * für die erste Million Stimmen: zwei Euro * für die zweite und dritte Million Stimmen: 1,5 Euro * ab der fünften Million Stimmen: 0,5 Euro Damit würden die ersten Stimmen deutlich wertvoller werden. Kleinere Parteien erhielten relativ mehr Geld und könnten damit ihre Strukturen aufbauen. Gleichzeitig würden auch die größeren, staatstragenden Parteien weiter unterstützt werden. WIE PARTEIEN AUF DEM WAHLZETTEL “GEFUNDEN” WERDEN Der Wahlzettel zur Bundestagswahl ist lang und mehrfach gefaltet. Die Parteien oben auf dem Stimmzettel sind präsenter als Parteien unten und dadurch etwas bevorteilt. Denn immerhin ungefähr jedeR siebte WählerIn entscheidet sich erst am Wahltag [http://blog.mario-voigt.com/wahl-schon-gelaufen-wann-entscheiden-die-waehler] und einige davon sogar erst im Wahllokal. Wie kommt die Reihenfolge zu Stande [https://www.bundeswahlleiter.de/service/glossar/r/reihenfolge-wahlvorschlaege-stimmzettel.html#id-0]? Oben aufgeführt werden Parteien, die bereits im Parlament sitzen, sortiert nach ihrem letzten Wahlergebnis der Zweitstimmen. Anschließend kommen alle anderen Parteien alphabetisch geordnet. Dieser leichte Vorteil für etablierte Parteien könnte umgangen werden, indem man – wie bei wissenschaftlichen Umfragen – die Antwortmöglichkeiten (= Parteinamen) zufällig anordnet (randomisiert). Auf diese Weise würden BürgerInnen wenigstens einmal die Namen der Kleinparteien wahrnehmen. WIE PARTEIEN INS PARLAMENT EINZIEHEN KÖNNEN Bei der Bundestagswahl gilt die Fünf-Prozent-Hürde [https://de.wikipedia.org/wiki/F%C3%BCnf-Prozent-H%C3%BCrde_in_Deutschland]. Das heißt, dass eine Partei mindestens fünf Prozent aller abgegebenen Zweitstimme erhalten muss, um ins Parlament einziehen zu dürfen. Das ist für die etablierten Parteien kein Problem, aber eine besondere Hürde für neue und kleine Parteien. Der Vorteil einer Mindestanzahl an Stimmen ist, dass sie eine Zersplitterung des Parlaments in Mini-Fraktionen verhindert. Diese Regel steigert die Stabilität im Parlament und erleichtert Regierungsmehrheiten. Abschreckendes Beispiel: Die Niederlande haben keine Mindesthürde [https://www.sueddeutsche.de/politik/niederlande-regierung-rutte-1.5386107] – und deswegen seit einem halben Jahr keine Regierung. Auch wenn die Fünf-Prozent-Hürde Vorteile hat, benachteiligt sie eindeutig kleine Parteien. Wenn man die Hürde beibehalten möchte, aber kleinen Parteien eine fairere Chance geben möchte, könnte das Wahlverfahren geändert werden. Alle Wahlverfahren haben Nachteile [https://de.wikipedia.org/wiki/Wahlsystem]. Schaut euch dieses unterhaltsame Erklärvideo [https://www.youtube.com/watch?v=PaxVCsnox_4] an, in dem Mondbewohner für eine neue Basis abstimmen müssen. Aber sie haben auch Vorteile. Für die Bundestagswahl böten sich zwei alternative Wahlverfahren an: WÄHLEN IN ZWEI RUNDEN Die Zweitstimme würde abgeschafft werden (was alle Probleme mit Überhang- und Ausgleichsmandaten [https://www.bpb.de/mediathek/339003/ueberhang-und-ausgleichsmandate-2021] beseitigt und die örtliche Repräsentanz von Abgeordneten steigert). Stattdessen würde man nur noch direkt den oder die KandidatIn im eigenen Wahlkreis wählen. Erreicht er oder sie in der ersten Runde eine absolute Mehrheit (über 50 Prozent) ist die Person gewählt. Ansonsten gibt es eine zweite Wahlrunde. In dieser dürfen die KandidatInnen mit wenigen Stimmen (zum Beispiel unter fünf oder unter zehn Prozent) nicht mehr antreten. Dieses System erlaubt es den WählerInnen, in der ersten Runde für ihre wahre Vorliebe zu stimmen. Sollte diese Partei es nicht schaffen, kann in der zweiten Runde strategisch gewählt werden. Beispiel: in der ersten Runde Volt wählen (die es nicht schaffen) und in der zweiten Runde SPD, um einen CDU-Abgeordneten zu verhindern. WÄHLEN NACH EINER RANGFOLGE Statt nur eine Partei zu wählen, könnte man auch auch seine Vorlieben durchnummerieren. Schafft es die Lieblingspartei nicht über die Hürde, dann wird die eigene Stimme an Platz zwei weitergegeben. Schafft auch dieses es nicht, dann an Platz drei und so weiter. Beispiel: Auf Platz 1 Die Humanisten setzen, auf Platz 2 Die Piratenpartei, auf Platz 3 die Grünen. Weil es die ersten beiden Parteien nicht über die Hürde schaffen, ginge die Stimme an die Grünen. Im Vergleich zu unserem jetzigen System würden kleine Parteien sehr viel mehr Stimmen erhalten, weil WählerInnen darauf hoffen können, dass es ihre Lieblingspartei vielleicht doch schafft. Dieses System garantiert, das nie eine Stimme verloren geht. Es ist aber ziemlich kompliziert. Verrückt ist es aber nicht: in Bremen wird ein ähnliches System mit mehreren Stimmen bereits angewendet (per Panaschieren und Kumulieren [https://gutvertreten.boell.de/2015/04/10/die-reform-des-bremer-wahlrechts-gelungenes-beispiel-fuer-politische-partizipation-im-rot]) und auch in Irland [https://www.wahlrecht.de/ausland/irland.html] geben BürgerInnen mehrere Vorlieben ab. Zugabe * Wer sich für Reformen des Wahlsystems einsetzen will, ist im Verein “Mehr Demokratie e.V [https://www.mehr-demokratie.de/themen/wahlrecht/wahlrecht-12816/].” gut aufgehoben. * Der Wahl-O-Mat für progressive Themen und Inhalte: Progresso Machine [https://www.progressomaschine.org/].

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Wir testen 12 Wahl-O-Maten #Bundestagswahl
6/9 2021

Wir testen 12 Wahl-O-Maten #Bundestagswahl

Können sie mehr als das Original?Na, was kam bei dir im Wahl-O-Mat [https://www.wahl-o-mat.de/bundestagswahl2021/app/main_app.html] raus? Deine Lieblingspartei – oder doch eine Überraschung? Das Wahlentscheidungshilfe-Programm hat sich zum Info-Star vor Wahlen entwickelt. Fast 16 Millionen Mal wurde es bei der letzten Bundestagswahl genutzt. 2021 könnte dieser Rekord gebrochen werden. Doch mittlerweile hat das Angebot der Bundeszentrale für politische Bildung Konkurrenz bekommen. Elf Alternativen des Wahl-O-Maten haben wir uns in dieser Podcast-Folge angeschaut. Viele davon gehen in ausgewählten Themen deutlich tiefer – und ein Angebot bietet sogar bessere Funktionen als das Original. WIE FUNKTIONIERT DER WAHL-O-MAT? Auf der digitalen Plattform wahl-o-mat.de [https://www.wahl-o-mat.de/bundestagswahl2021/app/main_app.html] positioniert man sich zu 38 politischen Aussagen: man stimmt ihnen zu, lehnt sie ab oder enthält sich. Positionen, die einem besonders wichtig sind, kann man doppelt gewichten. Am Ende wird die eigene Meinung verglichen mit den Antworten der Parteien. Das Ergebnis sagt einem nicht, wen man wählen soll, aber es kann einem bei der Wahlentscheidung helfen. Hier findest du häufige Fragen zum Wahl-O-Maten [https://www.wahl-o-mat.de/bundestagswahl2021/app/main_app.html] der Bundeszentrale für politische Bildung. WARUM DEN WAHL-O-MAT MACHEN? Um eine informierte Wahlentscheidung zu treffen, kommst du nicht drumherum, dich mit den Inhalten und Positionen der Parteien auseinander zu setzen. Doch das kann viel Zeit in Anspruch nehmen und einen schnell überfordern: wo soll man nur anfangen? Digitale Tools wie die Wahl-O-Maten können eine Hilfe sein, sich in den Themen und der Parteienvielfalt zu orientieren. Wahl-O-Maten können aber auch noch weitere Ziele verfolgen: Sie machen zum Beispiel aufmerksam auf bestimmte Themen während des Wahlkampfes (sogenanntes Agendasetting). Einige politische Initiativen, Nichtregierungsorganisationen und Lobbyverbände bringen daher eigene, monothematische Wahl-O-Maten auf den Markt. Diese sind teilweise sehr gut aufbereitet. Du solltest dir jedoch bewusst machen, wer dahinter steckt und was deren Interessen sein könnten. Alle Wahl-O-Maten weisen auch generell auf die Wahl hin und ermutigen die Bürgerinnen und Bürger, ihre Stimme abzugeben. Es sind verspielte Angebote (Gamification), die auch Spaß machen. Sie zeigen, dass die Auseinandersetzung mit Politik nicht immer trocken und anstrengend sein muss. WAHL-O-MATEN: GUT ODER SCHLECHT? Hier im Artikel haben wir dir Wahlentscheidungshilfen, die ähnlich wie der Wahl-O-Mat funktionieren, kurz zusammengefasst. Höre die Folge, um zu erfahren, welche Vor- und Nachteile die von uns untersuchten Programme haben. UNSER TEST DER WAHL-O-MAT-ALTERNATIVEN DIE NICHT-GANZ-ERNST-GEMEINTEN WAHLENTSCHEIDUNGSHILFEN Soll ich AFD wählen? [http://sollichafdwaehlen.de/] Finde heraus, ob du die die AfD wählen sollst. Die Antwort wird dich (nicht) überraschen. Musik-O-Mat [https://musik-o-mat.com/] Der Musikstreaming-Dienst Deezer verrät dir im Musik-O-Mat, mit welcher Partei dein Musikgeschmack übereinstimmt und macht damit auf die Wahl aufmerksam. MONOTHEMATISCHE WAHLENTSCHEIDUNGSHILFEN Klimawahlcheck [https://klimawahlcheck.org/] Der Klimawahlcheck vergleicht deine Einstellung zur Klimaschutzpolitik mit denen der großen Parteien. Das Angebot ist von drei großen Umwelt- und Klimaschutzorganisationen ins Leben gerufen worden: Klima-Allianz Deutschland, GermanZero und NABU. Wahlkompass Digitales [https://wahlkompass-digitales.de/] Ein Tool, das die Stellen in den Wahlprogrammen zu bestimmten digitalpolitischen Themen heraussucht und markiert. Vergleichen musst du dann selbst. Dieses Angebot betreibt das Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft in Kooperation mit dem Leibnitz Institut für Medienforschung. Wahltraut [https://wahltraut.de/] Ein feministischer Wahl-O-Mat, der aufzeigt, welche Parteien sich wirklich für Gleichberechtigung einsetzen. Dahinter steckt eine junge feministische Initiative. Sozial-O-Mat [https://www.sozial-o-mat.de/] Ein Angebot der Diakonie mit dem Fokus auf sozialen Fragen, um herauszufinden, welchen Stellenwert Sozialpolitik und das gesellschaftliche Miteinander für die Parteien haben. Dabei wird an den Geschichten von Menschen gezeigt, welche Auswirkungen politische Entscheidungen haben können. Steuer-O-Mat [https://www.steuer-o-mat.de/start] Hier kann man berechnen lassen, wie sich die Steuerpläne der Parteien auf einen selbst auswirken werden anhand von 3-4 Faktoren. Die Website ist vom Dienstleister Smartsteuer, einem Online-Steuererklärungs-Tool, und dem Institut der deutschen Wirtschaft erstellt worden. Agrar-O-Mat [https://www.agrarheute.com/agraromat] Die Redakteure und Redakteurinnen des Mediums agrarheute haben 24 Thesen zusammengestellt, mit Hilfe derer man herausfinden kann, welche Partei der eigenen agrarpolitischen Position am nächsten steht: ein Wahl-O-Mat für Bauern. DER WAHL-O-MAT UND SEINE ECHTE KONKURRENZ Der klassische Wahl-O-Mat [https://www.wahl-o-mat.de/] 2002 hat die Bundeszentrale für politische Bildung ihren Wahl-O-Maten das erste Mal veröffentlicht. Es ist der renommierteste der Wahlentscheidungshilfen und mit einem sehr aufwändigen Verfahren [https://www.bpb.de/politik/wahlen/wahl-o-mat/bundestagswahl-2021/337542/faq] erstellt worden. In diesem Jahr werden in 38 Thesen 39 Parteien miteinander verglichen. WahlSwiper / VoteSwiper [https://www.voteswiper.org/de] Der WahlSwiper möchte mit dem Tinderprinzip überzeugen, bei dem man politische Thesen je nach Zustimmung oder Ablehnung nach rechts oder links wischt. Besonders hilfreich sind jedoch die kurzen Erklärvideos zu den 36 Thesen. Das haben wir bei den anderen Angeboten nicht gesehen. Wir meinen daher: eine echte Alternative für das Original! Wahl-Kompass [https://wahl-kompass.de/de/] Auch hier positioniert man sich zu 30 Thesen mit Zustimmung oder Ablehnung. Besonders ist die Auswertung und Darstellung der eigenen und der Parteipositionen in einem Diagramm mit zwei Achsen: Ein von progressiv-ökologisch bis konservativ-traditionell und die andere von Umverteilung bis eigene Verantwortung. Man erkennt den wissenschaftlichen Hintergrund in der Entstehung: der Wahl-Kompass beruht auf einem Forschungsprojekt der Universität Münster. DeinWal [https://btw21.deinwal.de/] Während alle bisherigen Wahl-O-Mat-Alternativen in die Zukunft blicken, schaut DeinWal in die Vergangenheit: Statt Wahlprogramme oder Parteiantworten miteinander zu vergleichen, erfasst das Programm, wie die Parteien im Bundestag in der Vergangenheit abgestimmt haben. Du kannst dann diese Abstimmungen nachspielen und schauen, welche Bundestagsfraktion deinem Abstimmungsverhalten ähnelt. Das ist eine coole Idee, die aber auch große Einschränkungen hat, wie wir in der Podcast-Folge erläutern. Schau dir auch unsere Folge 63 [https://ypolitik.de/podcast/bundestagswahl-wie-treffe-ich-eine-wahlentscheidung/] an. In dieser beantworten wir die Frage, wie man systematisch eine Wahlentscheidung trifft.

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Bundestagswahl: Hilfe, wie soll ich mich entscheiden?
30/8 2021

Bundestagswahl: Hilfe, wie soll ich mich entscheiden?

In vier Schritten zu einer Wahlentscheidung, die du nicht bereustDu musst dich zwischen 47 Parteien entscheiden, die am 26. September 2021 für die Bundestagswahl antreten. Die Frage zu beantworten, wen man wählen soll, kann ganz schön überfordern. Viele Menschen entscheiden sich deswegen aus dem Bauch heraus. Wenn du wissen willst, wie du eine rationale Entscheidung treffen kannst, dann höre in diese Folge rein. Denn darin präsentieren wir vier Schritte, um zu einer Wahlentscheidung zu kommen, die du im Nachhinein nicht bereust. DIE VIER SCHRITTE ZUR WAHLENTSCHEIDUNG BEI DER BUNDESTAGSWAHL 1. BEWUSSTSEIN ÜBER DIE EIGENEN SCHNELLEN ENTSCHEIDUNGSMUSTER GEWINNEN Eine Entscheidung bei einer Wahl zu treffen, ist eine komplexe Angelegenheit und Wähler:innen verfolgen verschiedene Strategien [https://www.gruene-washington.de/SitePages/Bundestagswahl2021.aspx] (bewusst oder unbewusst), um ihr Kreuz in der Wahlkabine zu setzen. Oftmals greifen sie dabei auf Heuristiken zurück [https://www.swr.de/swr2/wissen/broadcastcontrib-swr-21842.html]. Das sind psychologische Abkürzungen, um schnelle Entscheidungen in einem unübersichtlichen Umfeld zu treffen. Heuristiken können so etwas sein wie: * Ich identifiziere mich mit einer Partei und fühle mich ihr emotional verbunden und wähle sie daher (z.B. Parteimitglieder oder Stammwähler:in). * Ich wähle, was mein soziales Umfeld auch wählt. * Es ist eh alles das Gleiche und deswegen wähle ich gar nicht. Wer also eine bewusste und abgewogene Entscheidung treffen möchte, sollte sich seiner oder ihrer mentalen Abkürzungen und Schubladen im Kopf bewusst sein und aktiv daraus ausbrechen. 2. DIE RICHTIGE FRAGE STELLEN: WAS IST MIR WICHTIG? Viele wollen eine Partei wählen, die ihre Interessen vertritt. Dabei tappen sie schnell in die Falle, sich zu fragen, welche Partei die Eigeninteressen am besten vertritt. Also: Mit welcher Wahlentscheidung können sie das Meiste für sich persönlich herausschlagen? Auch wenn das von vielen immer noch behauptet wird, sind wir Menschen keine rein rational nutzenmaximierenden Roboter. Viel wichtiger ist daher die Frage “was ist mir wichtig?” und “welche Partei setzt sich dafür ein?” Dabei kann auch herauskommen, dass einem Rentner mit 80 Jahren das Aufhalten des Klimawandels am wichtigsten ist, obwohl er selbst vermutlich keine schlimmen Auswirkungen mehr spüren wird. Oder eine reiche Millionenerbin kann für höhere Steuern sein, weil sie will, dass die Kinder von Geringverdiener:innen in der Lage sein sollen, in eine vom Staat finanzierte Kita gehen zu können. Natürlich kann man auch zu dem Schluss kommen, dass einem die Eigeninteressen die wichtigsten sind. Dies könnte beispielsweise der Fall sein, wenn man selbst nur schlecht über die Runden kommt und dringend weniger Steuern zahlen möchte. 3. OPTIONEN EINGRENZEN: PARTEIEN WÄHLEN, DIE DIE 5%-HÜRDE SCHAFFEN Von 88 politischen Vereinigungen, die bei der Bundestagswahl antreten wollten und beim Bundeswahlleiter ihre Unterlagen eingereicht haben, sind 47 Parteien [https://www.bundeswahlleiter.de/info/presse/mitteilungen/bundestagswahl-2021/23_21_parteien-wahlteilnahme.html] auf unseren Stimmzetteln gelandet. Da kein Mensch alle diese Möglichkeiten gegeneinander abwägen kann, ist es sinnvoll, bereits vor dem inhaltlichen Vergleich die eigenen Optionen einzugrenzen und nur Parteien in Betracht zu ziehen, die eine realistische Chance haben, in den Bundestag einzuziehen, also die Fünf-Prozent-Hürde [https://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/lexikon-in-einfacher-sprache/292100/fuenf-prozent-huerde] knacken könnten. Wählt man eine Partei, die dies nicht schafft, hat man mit seiner Stimme keinerlei Einfluss auf die Sitzverteilung im Bundestag gehabt. Insbesondere bei Wahlen wie dieser 2021, bei der eine rechtspopulistische, in Teilen faschistische Partei in den Bundestag einzieht, ist es umso wichtiger, mit seiner Stimme Einfluss zu nehmen. Nur so kann man jene Parteien im Bundestag stärken, die für unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung einstehen und rechtspopulistischen Kräften entgegentreten. Gerade junge Menschen wählen häufiger Kleinparteien [https://www.jetzt.de/politik/landtagswahlen-warum-junge-menschen-so-haeufig-kleine-parteien-waehlen] aus idealistischen Gründen und mit guten Absichten, aber im Endeffekt dann ohne etwas an der Regierungsbildung und Machtverteilung im Parlament verändert zu haben. [Wir wissen, dass es für diesen Punkt auch Gegenargumente gibt. Wenn ihr widersprechen wollt, nutzt dafür gerne die Kommentarfunktion.] 4. VERGLEICHEN: WELCHE PARTEI VERTRITT DAS, WAS MIR WICHTIG IST? In Schritt 4 sind wir an dem Punkt, an dem wir uns die Forderungen der Parteien anschauen müssen, um sie zu vergleichen. Dafür kann man unter anderem die Wahlprogramme jener Parteien lesen, die bei einem in der engeren Auswahl stehen. Zwar weniger ausführlich, dafür deutlich schneller liefern technische Hilfsmittel einen Vergleich: der Wahl-O-Mat [https://www.wahl-o-mat.de/] oder alternative Wahl-O-Maten [https://www.ingenieur.de/technik/wirtschaft/politik/wahl-o-mat-zur-bundestagswahl-diese-alternativen-sind-schon-online/] könnt ihr ebenfalls nutzen. Diese vergleichen wir für euch in der kommenden Folge Y Politik, die wir am 6. September 2021 veröffentlichen. Zugabe WIE BEANTRAGE ICH DIE BRIEFWAHL-UNTERLAGEN? Selbst die digitale Beantragung von Briefwahlunterlagen ist manchmal gar nicht so einfach, denn jede Gemeinde hat dabei ihr eigenes Verfahren und Online-Tool (im besten Fall). Bündnis90/Die Grünen haben dafür eine Suchmaschine [https://www.gruene-washington.de/SitePages/Bundestagswahl2021.aspx] zur Beantragung eines Wahlscheins entwickelt. Damit findet ihr schnell, ob und wo ihr digital eure Briefwahlunterlagen beantragen könnt. (Wir haben auch ein anderes Tool getestet, aber das der Grünen liefert euch schneller und übersichtlicher den richtigen Link zu eurer Gemeinde). WIE PARTEIEN BEI DER BUNDESTAGSWAHL ZUGELASSEN WERDEN Was der Bundeswahlleiter genau prüft, erfahrt ihr auf der Bundeswahlleiter-Webseite [https://www.bundeswahlleiter.de/bundestagswahlen/2021/informationen-wahlbewerber.html#34e2f6fe-1f76-419a-8c0f-1acf30b15b80]. Die Entscheidung, welche Parteien zur Bundestagswahl zugelassen werden, trifft der Bundeswahlausschuss [https://de.wikipedia.org/wiki/Bundeswahlausschuss]. Interessant: Im Ausschuss sitzen auch Mitglieder von Parteien und erst seit 2013 (!) können jene von diesem Gremium abgelehnten Parteien beim Bundesverfassungsgericht auf Zulassung klagen. Darum ist dieses Türsteher-Gremium des Bundestages für uns auch einen zweiten Blick wert und wir machen vielleicht mal eine Folge dazu.

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Werden wir SO die EU verändern?!
9/8 2021

Werden wir SO die EU verändern?!

Das Experiment: Wir reichen ein Idee für die Konferenz zur Zukunft Europas ein.Die Europäische Union will endlich ihre strukturellen Probleme angehen: die Konferenz zur Zukunft Europas [https://futureu.europa.eu/?locale=de] hat begonnen. Das ist ein riesiger Beteiligungsprozess an dessen Ende eine neue EU-Verfassung stehen könnte. Und jeder kann dabei mitmachen. In dieser Folge machen wir das Experiment und reichen einen echten Vorschlag auf der Plattform der Zukunftskonferenz ein. Unterstützt unsere Idee mit einem ‘Daumen hoch’ auf der Seite der Konferenz zur Zukunft Europas [https://futureu.europa.eu/processes/Digital/f/15/proposals/57290]! DIE EUROPÄISCHE UNION? UNFIT! An der Europäischen Union wird viel kritisiert: Pro-EuropäerInnen wollen strukturelle Missstände beseitigen, um die EU zu stärken und zu demokratisieren. Ihnen schwebt so etwas vor wie die Vereinigten Staaten von Europa. Das unterscheidet ihre Kritik auch von den EuroskeptikerInnen und NationalistInnen, die zwar auf ähnliche Probleme hinweisen, deren Lösung aber ‘Zurück zum Nationalstaat’ lautet. Wir gehören zu den Pro-EuropäerInnen und sehen unter anderem diese Probleme: * Die Regierungen der Nationalstaaten dominieren die Entscheidungsprozesse. In vielen wichtigen Bereichen haben sie sogar Veto-Rechte, weil das Einstimmigkeitsprinzip gilt. * Es ist für Otto-NormalbürgerInnen nicht nachvollziehbar, wer welche Entscheidung trifft. Die Institutionen haben verwirrende Namen und teilweise wird hinter verschlossenen Türen getagt. * Die EU ist relativ machtlos gegen Mitgliedsländer, die sich der Demokratie abwenden. * Die Europäische Union lässt sich von ausländischen Mächten spalten wie zuletzt das “SofaGate [https://de.wikipedia.org/wiki/Sofagate]” im April 2021 mit Charles Michel und Ursula von der Leyen gezeigt hat. BEI DER KONFERENZ ZUR ZUKUNFT EUROPAS EINE IDEE EINREICHEN In diesem Jahr bietet sich uns allen eine einmalige Gelegenheit, die Probleme in der EU anzugehen und Teil der Lösung zu sein. Bei der Konferenz zur Zukunft Europas können wir unsere Ideen einbringen. Die Onlineplattform futureu.europa.eu [https://futureu.europa.eu/] ist der Ort für eine breite BürgerInnen-Beteiligung und ergänzt die anderen Bestandteile wie die europäischen Bürgerforen [https://futureu.europa.eu/pages/panels?locale=de], die Plenarversammlung [https://futureu.europa.eu/pages/plenary?locale=de] und den Exekutivausschuss [https://futureu.europa.eu/pages/executive-board?locale=de]. Gestartet ist die Konferenz am 9. Mai 2021 und endet mit der Abschlusssitzung der Plenarversammlung im Frühjahr 2022. Wir haben in der Folge selbst einen Lösungsvorschlag auf der Plattform eingereicht: DIGITALER SCHULAUSTAUSCH VERBINDET JUNGE EUROPÄERINNEN UND EUROPÄER Die EU soll einen permanenten digitalen Schüleraustausch unterstützen. Durch diesen würden jeweils zwei Schulklassen aus unterschiedlichen EU-Ländern über einen längeren Zeitraum auf einer Plattform zusammengebracht und im Unterricht mit digitalen Mitteln voneinander und miteinander lernen. Der Vorteil gegenüber traditionellen Austauschfahrten liegt darin, dass ein konstanter Austausch hergestellt wird, wodurch das Sprachenlernen für die Lernenden viel relevanter wird. Über den digitalen Austausch soll die Verbindung innerhalb Europas gestärkt werden und ein Schulaustausch auch jenen Kindern und Jugendlichen ermöglicht werden, die sonst nicht die Gelegenheit dazu hätten. Unterstützt unsere Idee mit einem ‘Daumen hoch’ auf der Seite der Konferenz zur Zukunft Europas [https://futureu.europa.eu/processes/Digital/f/15/proposals/57290]! (Und reicht gerne auch eigene Ideen ein). Wir werden im Podcast berichten, wie es mit der Idee auf der Plattform weitergeht.

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Ausgeboomert: Was kommt nach der Ära Merkel?
19/7 2021

Ausgeboomert: Was kommt nach der Ära Merkel?

Womöglich der jüngste Bundestag aller Zeiten! Doch für eine neue Politik braucht es mehr.Mit Angela Merkel verlassen viele PolitikerInnen aus der Baby Boomer-Generation die politische Bühne zur Bundestagswahl am 26. September 2021. Wir haben für diese Folge mit jungen Kandidierenden und den Parteijugenden gesprochen, um herauszufinden, ob wir uns auf einen Bundestag der Erneuerung freuen können. Vieles deutet darauf hin, aber jüngere Abgeordnete allein reichen als Lösung nicht aus – es braucht eine Umstellung im Wahlsystem. Diese Folge ist in zweierlei Hinsicht eine besondere. Erstens, da wir sie live aufgezeichnet haben im Open Air Kino der 3001 Filmnächte [https://www.3001-kino.de/specials/3001-filmnaechte/] im Schanzenpark in Hamburg am 11. Juli 2021. Zweitens haben wir Sprachnotizen von jungen BundestagskandidatInnen der fünf demokratischen Parteien im Bundestag eingeholt. Ihr hört Einschätzungen von: * Michel Brandt [https://michelbrandt.de/], 31 Jahre alt, kandidiert für die Linke in Karlsruhe-Stadt, * Lucia Schanbacher [https://www.lucia-schanbacher.de/], 31 Jahre alt, kandidiert für die SPD in Stuttgart, * Ria Schröder [https://www.riaschroeder.de/home], 29 Jahre alt, kandidiert für die FDP in Hamburg, * Nyke Slawik [https://nyke-slawik.de/], 27 Jahre alt, kandidiert für die Grünen in Köln-Mülheim und * Wiebke Winter [https://www.wiebke-winter.de/], 25 Jahre alt, kandidiert für die CDU in Bremen. PROBLEM: DER BUNDESTAG IST ZU ALT Junge Menschen sind im Bundestag unterrepräsentiert. Dass die Altersverteilung problematisch ist, finden auch die jungen Kandidierenden und haben dafür auch einige Beispiele genannt: die Prioritäten während der Corona-Pandemie oder die schleppenden Maßnahmen gegen den Klimawandel. Nur jeder 12. Bundestagsabgeordnete [https://projekte.sueddeutsche.de/artikel/politik/bundestag-diese-abgeordneten-fehlen-e291979/] war zu Beginn der Legislaturperiode 2017 unter 35 Jahre alt war. Der Anteil in der Gesamtbevölkerung laut Statistischem Bundesamt ist jedoch mehr als doppelt so hoch. Das heißt: Es fehlen 63 Jüngere [https://projekte.sueddeutsche.de/artikel/politik/bundestag-diese-abgeordneten-fehlen-e291979/] im Bundestag. LÖSUNG: NEUE POLITIK MIT JUNGEN POLITIKERINNEN Unsere These ist, dass junge PolitikerInnen eine neue Politik machen. Damit diese aufgeht, müssen zwei Bedingungen erfüllt sein: BEDINGUNG 1: ES GIBT GENÜGEND JUNGE KANDIDIERENDE FÜR DEN BUNDESTAG Das ist erfüllt, wie wir über die Parteijugenden herausgefunden haben. Bei der SPD liegt der Anteil bei einem historischen Höchstwert mit 80 Direktkandidierenden unter 35 Jahren. Bei 299 Wahlkreisen ist das fast jeder vierte. Bei Die Linke ist es jeder fünfte und bei den Grünen jede siebte. Die Jungen Liberale schicken 79 Kandidierende ins Rennen, darunter sind allerdings auch welche, die auf Listenplätzen stehen. Deswegen sind die Zahlen nicht vergleichbar (Die Junge Union hat sich trotz Nachfrage nicht zurück gemeldet, deswegen fehlen ihre Angaben). BEDINGUNG 2: JUNGE LEUTE MACHEN ANDERS POLITIK Die jungen Kandidierenden wollen vieles anders machen. In ihren Antworten sind es vor allem zwei Punkte, die ihnen wichtig sind: Zum einen die politische Kommunikation über soziale Medien und der direkte Kontakt mit BürgerInnen. Zum anderen sind sie parteiübergreifenden Bündnisse sehr aufgeschlossen, insbesondere unter jungen Abgeordneten. Damit versprechen sie einen konstruktiveren Ton, als es die Älteren in ihren Parteien vorleben. Natürlich ist es aber nicht so einfach mit “jung gegen alt”. Einfach nur mehr junge Abgeordnete allein reichen nicht für eine Politik, die eine gesellschaftliche Erneuerung vorantreiben kann. Dafür sind auch Änderungen im System notwendig. Aus diesem Grund schlagen wir auch vor: * eine Amtszeitbegrenzung von drei Legislaturperioden (12 Jahre) einzuführen, sodass die Anreize für Berufspolitik sich verändern und * das Element Losen stärker in demokratische Gremien einzubauen, sodass die Bevölkerung insgesamt (auch mit Hauptschul-Abschluss, MigrantInnen, Frauen etc.) besser repräsentiert wird. Wenn Dich dieses Thema interessiert hat, dann vielleicht auch: * Folge 31: Wie wir den Generationenkonflikt vermeiden [https://ypolitik.de/podcast/politisierte-generation-z-wie-wir-den-generationenkonflikt-vermeiden/] * Folge 22: Die Initiative “Es geht Los” für ausgeloste Bürgerräte [https://ypolitik.de/podcast/es-geht-los-wie-zwei-junge-menschen-durch-losen-die-demokratie-retten-wollen/] * Folge 21: Wie Parteien reformiert werden müssen [https://ypolitik.de/podcast/parteireform-parteien-zukunftsfaehig-machen/] * Folge 1: Den Bundestag auslosen! [http://ypolitik.de/bundestag-losen]

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Corona: So bleibt unsere Generation nicht auf den Kosten sitzen
28/6 2021

Corona: So bleibt unsere Generation nicht auf den Kosten sitzen

Wie der Staat an die nötigen 300 Milliarden Euro kommt.Um bislang 300 Milliarden Euro hat sich Deutschland verschuldet, um die Corona-Krise abzudämpfen. 300 Milliarden, die nicht für die Klimarettung oder Schulen zur Verfügung stehen. In dieser Folge stellen wir die Idee der Vermögensabgabe vor, mit der die Kosten der Corona-Krise gerecht beglichen werden können – ohne, dass die junge Generation auf ihnen sitzen bleibt. Mehr noch: mit dieser Idee könnte Geld eingenommen werden, das Deutschland zukunftsfest macht. Live-Aufnahme am 11. Juli 2021 Die nächste Folge werden wir live auf dem 3001-Filmnächte-Festival im Schanzenpark von Hamburg aufnehmen. Unser Podcast ist das Vorprogramm des Films "Die Känguru-Chroniken". Los geht's am 11. Juli um 21:30 Uhr. Der Eintritt kostet 9/6 Euro. Kommt gerne vorbei! Zum Programm [https://www.3001-kino.de/specials/3001-filmnaechte/] WARUM DIE VERMÖGENSVERTEILUNG EIN WICHTIGES THEMA IST 1. Es ist eines der aktuellsten und relevantesten Themen für heute und die nächsten Jahre – und trotzdem hört man davon fast gar nichts. 2. Es ist ein Thema, bei dem es einen spürbaren Unterschied macht, welche Regierung an der Macht ist. Dass die Vermögensabgabe oder vergleichbare Maßnahmen nicht beschlossen wurden, liegt maßgeblich an CDU und CSU in der Regierung. 3. Obwohl die Abgabe nur 0,7 % der gesamten deutschen Bevölkerung betreffen würde, würden alle davon profitieren – sogar jene, die zahlen müssen. 4. Die Corona-Krise hat das Problem (Staatsverschuldung und Ungleichheit) noch verschärft. 5. Bis 1997 wurde in Deutschland jährlich eine Vermögenssteuer fällig. Seither wird sie nicht mehr erhoben, auch wenn das Gesetz dazu noch in Kraft ist. Auch Vermögensabgaben gab es Deutschland bereits, z.B. zur Finanzierung von Rüstungsausgaben vor dem 1. Weltkrieg. DAS PROBLEM: WER BEZAHLT DIE KOSTEN VON CORONA? Die Corona-Pandemie hat dem deutschen Staat richtig viel Geld gekostet: für Tests und Impfungen, aber auch für finanziellen Nothilfen, das Kurzarbeitergeld, Steuerausfälle und weitere Maßnahmen. Die Corona-Kosten des Staates belaufen sich auf ca. 300 Milliarden Euro. Finanziert wurde diese bisher vor allem über Schulden. Gleichzeitig gibt es eine wachsende Ungleichheit: Reiche sind in der Krise noch reicher geworden: Die Ungleichheit der Vermögen in Deutschland ist auf dem Niveau der Kaiserzeit [https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/einkommensverteilung-deutschland-ist-so-ungleich-wie-vor-100-jahren-1.3791457], hat der französische Ungleichheitsforscher Thomas Piketty berechnet. Beispielhaft dafür steht die Anzahl der Dollar-Millionäre in Deutschland, die von 2019 bis Mitte 2020 um 58.000 Personen gestiegen ist [https://dserver.bundestag.de/btd/19/289/1928908.pdf]. Schaut man auf die deutschen Dollar-Milliardäre, konnten die im Krisenjahr 2020 sogar einen Vermögenszuwachs von 55 Milliarden US-Dollar verzeichnen laut dem Global Wealth Report [https://www.forbes.com/sites/chasewithorn/2020/12/16/the-worlds-billionaires-have-gotten-19-trillion-richer-in-2020/?sh=52c478727386]. [bctt tweet="#Corona hat den Staat 300 Milliarden Euro gekostet. Mit dieser Idee begleichen wir die Schulden gerecht." username="YPolitik"] DIE LÖSUNG: EINE EINMALIGE VERMÖGENSABGABE FÜR DIE REICHSTEN 0,7 PROZENT Die Partei “Die Linke” hat einen Antrag für eine einmalige Vermögensabgabe [https://dserver.bundestag.de/btd/19/289/1928908.pdf] in den Bundestag eingebracht. Darin stecken viele gute Ideen, mit denen man die Kosten der Seuche bezahlen könnte. Den Vorschlag hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) durchgerechnet: Die vorgeschlagene Variante sieht eine Vermögensabgabe von 10 bis 30 Prozent des Vermögens ab einer bestimmten Höhe vor. Die Freibeträge liegen mit 2 Millionen Euro persönliches Vermögen und mit 5 Millionen Euro Betriebsvermögen recht hoch. Damit würde diese Abgabe nur die reichsten 0,7 Prozent der erwachsenen deutschen Bevölkerung betreffen. Das sind vor allem jene Personen, die in der Krise noch reicher geworden sind. Was das für wen konkret bedeuten würde, hat das DIW berechnet und die Tagesschau anschaulich dargestellt [https://www.tagesschau.de/wirtschaft/vermoegensabgabe-diw-linkspartei-101.html] (auch die Lage der Nation [https://lagedernation.org/podcast/ldn241-klimagesetz-erweitert-eskalation-in-israel-trumpismus-lebt-covpass-solidarische-corona-abgabe/#shownotes]hat den Vorschlag bereits diskutiert). Die Parteien im Deutschen Bundestag reagierten sehr unterschiedlich auf den Vorschlag der Linkspartei und teilweise auch mit deutlicher Kritik [https://www.welt.de/politik/deutschland/article230933229/Kritik-im-Bundestag-an-Linkspartei-wegen-Vermoegensabgabe.html]. Wir finden jedoch, dass die Vermögensabgabe einige Vorteile bietet: * Es ist eine einmalige Abgabe mit einem konkreten Zweck: die Kosten der Pandemie begleichen. * Die Höhe der Abgabe wird zu einem Zeitpunkt erhoben und dann verteilt auf 20 (!) Jahre abbezahlt. So wird der bürokratische Aufwand im Vergleich zu einer Vermögenssteuer niedrig gehalten. * Milliardäre und Multimillionäre können zumeist die Kosten der Abgabe aus ihren Renditen und Zinsen bezahlen. Sie werden also nicht ärmer, sondern nur etwas weniger reich. Das ist fair. * Für eine höhere Akzeptanz und zukunftsgerichtete Politik könnte das durch die Vermögensabgabe eingenommene Geld auch für die Umsetzung einer politischen Zukunftsidee mitgenutzt werden, z.B. um die Digitalisierung von Schulen voranzutreiben. Wenn Dich das Thema Corona-Kosten interessiert, dann vielleicht auch unsere Folgen zu: * Erben: Warum wir die Erbschaftssteuer überdenken müssen [https://ypolitik.de/podcast/warum-erben-krass-ungerecht-ist-und-wir-steuern-und-denkmuster-reformieren-muessen/] * Grundeinkommen: Warum wir den Armen einfach Geld schenken sollten [https://ypolitik.de/podcast/armen-geld-schenken-grundeinkommen-direktzahlungen/]

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Mehr Bäume für den Block!
7/6 2021

Mehr Bäume für den Block!

Städte machen krank, Bäume gesund – mehr als ihr glaubt.Städte sind laut, grau, stressig und die Luft ist schlecht. Das hat gesundheitliche Folgen wie vermehrte psychische Erkrankungen und Hunderttausende Tote durch Luftverschmutzung. Es gibt eine relativ einfache Lösung, die wissenschaftlich belegt Wunder wirkt: Bäume. Wir stellen ihre Vorteile vor und liefern Idee, wie wir unsere Städte begrünen können. DAS PROBLEM: STÄDTE MACHEN KRANK Auf dem Land lebt man in einer gesünderen Umgebung – das ist nichts Neues. Aber wie ungesund ist das Stadtleben wirklich? Studien zeigen: sehr ungesund! JedeR 20. GroßstadtbewohnerIn hat psychotische Symptome. Unter anderem hat man in der Stadt ein doppelt so hohes Schizophrenie-Risiko wie auf dem Land [https://www.aerztezeitung.de/Politik/Macht-das-Stadtleben-krank-308116.html]. Es ist sogar dreifach so hoch, wenn man in der Stadt auch geboren wurde. Bei den körperlichen Folgen sieht es nicht besser aus. Knapp eine halbe Million Menschen [https://www.ksta.de/ratgeber/umweltagentur-eea--weniger-tote-durch-luftverschmutzung-37653150?cb=1622202918504] sind in Europa 2018 frühzeitig gestorben, weil die Luft so schlecht ist. Laut einer brandneuen Studie tötet schlechte Luft mehr Menschen als das Rauchen. Zwei Jahre würden wir in Deutschland durchschnittlich länger leben, wenn die Luft besser wäre, schätzen Mainzer WissenschaftlerInnen [https://www.mdr.de/wissen/umwelt/luftverschmutzung-fordert-mehr-tote-als-rauchen-100.html]. DIE LÖSUNG: MEHR GRÜN IN DER STADT Die Lösung ist einfach wie effektiv: Pflanzt mehr Bäume in den Block! Oder Hecken, die bringen’s auch. Sie binden Staub (große Bäume 1 Tonne Staub pro Jahr [https://www.sdw.de/waldwissen/baeume-in-der-stadt/index.html]), funktionieren im Sommer wie eine Klimaanlage, bieten Tieren einen Lebensraum und liefern Sauerstoff. Eine große Buche zum Beispiel nimmt so viel CO2 auf [https://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/baum-138.html], wie ein Kleinwagen auf 150 km auspustet und liefert dafür Sauerstoff für 26 Menschen. Stadtbäume haben auch eine gesundheitliche Wirkung [https://www.bund-naturschutz.de/natur-und-landschaft/stadt-als-lebensraum/stadtbaeume/gesundheitliche-wirkungen-von-stadtbaeumen] wie weniger Bluthochdruck, bei Kindern weniger Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrome und Fettleibigkeit. Außerdem steigern Bäume das Wohlbefinden: zehn Bäume mehr in einem Wohnblock wirken auf das Wohlbefinden wie 7.000 Euro mehr Einkommen pro Jahr oder ist vergleichbar damit, sieben Jahre jünger zu sein (beeindruckende Studie aus Toronto [https://www.nature.com/articles/srep11610]). Eine Übersicht über 30 Großstädte der Welt und wie es dort mit dem Baumbestand aussieht, findet ihr auf Treepedia [http://senseable.mit.edu/treepedia/cities/paris]. Es gibt viele Möglichkeiten, um das Grün in der Stadt zu erhöhen. Zum einen sind dabei die Stadtplanerinnen und -planer gefragt sowie die EntscheiderInnen. Sie sollten die Effekte von Bäumen und Pflanzen in der Stadt kennen und nutzen, aber auch jedeR BürgerIn kann etwas tun. Wir stellen Ideen, Initiativen und Handlungsmöglichkeiten vor. WIE DIE STADT MEHR BÄUME PFLANZEN KANN * Mehr Bäume pflanzen: Ein Stadtbaum kostet ca. 1.000 Euro [https://www.hamburg.de/pressearchiv-fhh/5627542/2016-03-29-bue-mehr-geld-fuer-strassenbaeume/] * Die richtige Baumsorte wählen: Baum-Experte Peter Uerhe [https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/b%C3%A4ume-der-perfekte-baum-f%C3%BCr-die-stadt] empfahl 2017 die Platane [https://de.wikipedia.org/wiki/Platanen] als Top-Baum für die Stadt. Andere neuere Artikel raten davon eher ab und sprechen vom “Sorgenkind Platane [https://www.gruenes-medienhaus.de/artikel/20710]” * Stiftung Warentest für Bäume: Die Straßenbaumliste [https://www.galk.de/arbeitskreise/stadtbaeume/themenuebersicht/strassenbaumliste/galk-strassenbaumliste] der “Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz” * Ein Beispiel an Heilbronn nehmen, die sind die Champions der Bäume pro Einwohner [https://de.statista.com/statistik/daten/studie/413398/umfrage/strassenbaeume-in-deutschen-staedten/] WAS MAN SELBST FÜR MEHR GRÜN IN DER STADT TUN KANN * Ecosia als Suchmaschine nutzen, denn sie pflanzen Bäume aus den Werbeerlösen [https://info.ecosia.org/what] * Initiativen wie “Click a Tree [https://clickatree.com/de/]” mit einer Spende unterstützen * Stadtbäume im Sommer gießen [https://www.bund.net/bund-tipps/detail-tipps/tip/stadtbaeumen-durch-die-trockenheit-helfen/] (Hinweise beachten). Portale in deiner Stadt informieren, welche Bäume Wasser brauchen (z.B. Berlin: GiessDenKiez.de [https://www.giessdenkiez.de/]) * Einen Baum in der Stadt spenden (z.B. Berlin [https://www.berlin.de/senuvk/umwelt/stadtgruen/stadtbaeume/kampagne/start.shtml] mit interaktiver Karte [https://www.berlin.de/senuvk/umwelt/stadtgruen/stadtbaeume/kampagne/de/karte/], Hamburg [https://www.hamburg.de/mein-baum-meine-stadt/], Köln [https://www.stadt-koeln.de/artikel/05237/index.html], Frankfurt [https://frankfurt.de/themen/umwelt-und-gruen/umwelt-und-gruen-a-z/im-gruenen/baeume/baumpatenschaften], München [https://www.muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung/baureferat/buergerschaftliches-engagement/spenden-und-sponsoring.html#pflanzung-eines-baumes_3], Düsseldorf [https://www.duesseldorf.de/stadtgruen/baeume-in-der-stadt/strassenbaum.html]) * Grün in der Wohnung oder auf dem Balkon anpflanzen. Auch wenn die luftreinigende Wirkung mittlerweile widerlegt ist [https://www.businessinsider.de/wissenschaft/luftreinigende-pflanzen-studie-widerlegt-nutzen-von-zimmerpflanzen-2019-11/] (ja, die berühmte NASA-Studie taugt nichts), tragen Zimmerpflanzen zum Raumklima und Wohlbefinden bei, hier eine Liste von 18 Zimmerpflanzen für ein frisches Raumklima [https://www.hausundgarten-profi.de/luftreinigende-zimmerpflanzen/] * Mitmachen bei Urban Gardening: Guter Überblick auf Portal “Reset” [https://reset.org/knowledge/urban-gardening-mit-gaerten-die-welt-veraendern], Übersicht mit Projekten in mehreren Städten auf “bee careful [https://www.bee-careful.com/de/initiative/urban-gardening-deutschland/]” und die Onlinekarte [https://www.google.com/maps/d/u/0/viewer?ie=UTF8&hl=en&msa=0&t=h&ll=52.51242745855074%2C13.401141996554337&spn=0.125365%2C0.205994&z=11&source=embed&mid=1rlH012vz7BiEaf-YXLWUsvmN6z0] für Berlin

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Die Sucht nach schlechten Nachrichten (Doomscrolling)
17/5 2021

Die Sucht nach schlechten Nachrichten (Doomscrolling)

Doomscrolling ist genauso demokratieschädigend wie das Abschalten aller Nachrichten. Wie damit aufhören?Beim Surfen durchs Netz stoßen wir häufig auf schlechte Nachrichten, Krisen und Katastrophenmeldungen. Obwohl sie uns schlechte Laune machen, klicken wir dann häufig doch noch auf die nächste Meldung und scrollen damit dem Weltuntergang entgegen. Für dieses exzessives Eintauchen in dystopische Nachrichten gibt es einen Namen: Doomscrolling [https://www.urbandictionary.com/define.php?term=doomscrolling]. In dieser Folge analysieren wir die Ursachen, warum wir uns so gerne dem Untergang entgegen scrollen und haben eine Menge Tipps und Tools zusammengetragen, wie man mit Doomscrolling aufhören kann. Denn die Sucht nach schlechten Nachrichten macht nicht einfach nur schlechte Laune, sondern schadet unserer Demokratie. DAS PROBLEM: DOOMSCROLLING IST KEIN POLITISCHER AKTIVISMUS Dass wir auf negativen Nachrichten hängen bleiben, hat auch mit unserer Hirnfunktion und der Evolution [https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/doomscrolling-warum-wir-haeufig-negative-meldungen-konsumieren] zu tun. Das menschliche Gehirn reagiert schneller und intensiver auf Negatives als auf positive Meldungen. Mit dieser schnellen Reaktion versucht unser Körper uns vor einer möglichen Bedrohung zu schützen. Deswegen ist es auch relativ schwierig, sich davon so richtig freizumachen. Insgesamt deuten erste Studien [https://www.deutschlandfunkkultur.de/doomscrolling-warum-negative-schlagzeilen-uns-nicht.976.de.html?dram:article_id=492387] in der Pandemie darauf hin, dass jene Menschen psychisch stärker belastet werden, die sich häufiger und länger über die (sozialen) Medien mit Corona beschäftigen. Doomscrolling hat jedoch nicht nur negative Auswirkungen auf uns als Einzelpersonen, sondern auch auf die demokratische Gesellschaft. Zum einen entzieht Doomscrolling Energie, die für ein zivilgesellschaftliches Engagement hätte aufgebracht werden können. Denn wenn es uns selbst schlecht geht, haben wir weniger Kraft, uns für andere einzusetzen. Zum anderen gaukelt Doomscrolling Aktivismus [https://hannabrooksolsen.medium.com/doomscrolling-is-not-activism-12c34ed0fad7] vor. Denn man schaut ja aktiv hin und ist gedanklich involviert. Ändern tut sich dadurch allerdings rein gar nichts. DER KLEINE DOOMSCROLLING-SELBSTTEST In der Folge besprechen wir unser Medienverhalten. Diese fünf Fragen könnten auch dir helfen, herauszufinden, ob du zu Doomscrolling neigst. 1. Wo liest du Nachrichten? Gezielte Quellen oder Social Media? 2. Legst du dir eine Zeit fest, wie lange du Nachrichten lesen willst? 3. Hast du Benachrichtigungen und Eilmeldungen auf dem Handy aktiviert? 4. Nimmst du dir bewusst Ausgleich von der Bildschirmzeit? 5. Was hat aktuell deine Aufmerksamkeit? Nur der neueste Aufreger oder beschäftigst du dich auch mit grundlegenden Fragen der Gesellschaft? DIE LÖSUNG ZWISCHEN ALLES ANSCHAUEN UND ALLES ABSCHALTEN Eine Lösung gegen das Doomscrolling zu finden, ist gar nicht so einfach. Was jedoch mit Sicherheit keine gute Antwort darauf ist, ist das Abschalten aller Medien. Es gibt die üblichen gut gemeinten Tipps, wenn man sich nicht so wohlfühlt, wie öfter mal rausgehen, meditieren anfangen oder sich mit Menschen zu umgeben, die einem gut tun. Wir haben darüber hinaus acht Möglichkeiten zusammengetragen, wie man die Negativspirale des Doomscrollings durchbrechen kann. Bewusstsein Als aller erstes muss man sich darüber bewusst werden, dass das eigene aktuelle Verhalten einem schadet und sich dann aktiv entscheiden, etwas zu verändern. Herzlichen Glückwunsch! Mit dem Lesen dieses Artikels und dem Hören der Folge bist du dem ersten Schritt schon sehr nahe. Selbst entscheiden Dann ist es wichtig, wieder zu einem aktiv Handelnden zu werden und die Rolle des passiven Konsumenten abzulegen. Daher solltest du alle Eilmeldungen und Benachrichtigungen von Social Media-Accounts abbestellen. So hast du die Erstkontrolle darüber, welche Nachrichten und Meldungen du dir wann und wie anschaust. Zum Empfangen echter Katastrophenmeldungen kannst du dir beispielsweise Katwarn herunterladen [https://www.katwarn.de/]. Infinite Scroll brechen Die neuen Medien verleiten uns besonders zum Doomscrolling dadurch, dass bei jedem Scrollen noch mehr Meldungen und Beiträge angezeigt werden. Es gibt auf diesen Seiten kein Ende mehr. Um diese Logik zu brechen, informiere dich über Medien und Seiten, die nicht unendlich sind: zum Beispiel (gedruckte/e-paper) Zeitungen oder für Corona-Informationen ein mal am Tag bewusst auf die Seite einer Gesundheitsorganisation gehen, statt einen Live-Ticker zu abonnieren. Gewohnheiten ändern Wenn die Begrenzung der Bildschirmzeit bei dir nicht funktioniert, dann probiere es doch mal mit der umgekehrten Idee: Plane die Zeiten für deinen bewussten Social Media-Konsum in den Tag ein, zum Beispiel indem du dir dafür Termine in den Kalender setzt. Sich selbst konditionieren In der New York Times [https://www.nytimes.com/2020/07/15/technology/personaltech/youre-doomscrolling-again-heres-how-to-snap-out-of-it.html] schlagen sie eine ungewöhnliche Methode vor: Spanne dir einen Gummi um die Hand beim Scrollen durch die Nachrichten und beim ersten Gefühl sich dem Weltuntergang hinzugeben, lass es gegen die Hand fetzen. So konditioniert man sich selbst dazu, sich nicht in den Strudel reinziehen zu lassen. Aktivität statt passives Konsumieren Was auch helfen kann, sich nicht reinziehen zu lassen, ist die aktive Teilnahme an Diskussionen und Konversationen auf Social Media, statt die Beiträge nur zu lesen. Dadurch entsteht nicht so schnell ein Gefühl der Hilflosigkeit, denn man ist selbst aktiv und stellt in den Momenten wieder eine Handlungsfähigkeit her, die möglicherweise verloren gegangen ist. Mehr gesellschaftspolitische Zukunftsthemen, statt Eilmeldungen und Tagesnachrichten Die Nachrichten, die besonders unsere Aufmerksamkeit binden, sind meist relativ kurzfristig relevante und zugespitzte Tagesnachrichten oder Eilmeldungen, in die man sich emotional reinsteigert. Gleichzeitig sind diese politische Themen schnell wieder unwichtig. Besser fühlt es sich oftmals an, wenn man sich mit grundlegenden politischen Zukunftsthemen beschäftigt. Formate 100 % frei von Doomscrolling * “Im Grunde gut. Eine neue Geschichte der Menschheit [https://www.rowohlt.de/buch/rutger-bregman-im-grunde-gut-9783498002008]” von Rutger Bregman, Historiker und Journalist * Good News-Magazin [https://good-news.info/] * Perspective Daily [https://perspective-daily.de/]-Portal für konstruktiven Journalismus * Plan b: Das ZDF-Portal [https://www.zdf.de/gesellschaft/plan-b] für konstruktiven Journalismus * Angstfreie Nachrichten [https://www.angstselbsthilfe.de/angstfrei-news/]

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