
ÄrzteTag
Podcast von Ärzte Zeitung
ÄrzteTag - der Podcast der "Ärzte Zeitung". Wir blicken kommentierend und persönlich auf den Tag, wichtige Ereignisse und Meilensteine. Wir laden Gäste ein, mit denen wir über aktuelle Ereignisse aus Medizin, Gesundheitspolitik, Versorgungsforschung und dem ärztlichen Berufsalltag reden.
Kostenlos testen für 30 Tage
Nach der Testphase nur 4,99 € / Monat.Jederzeit kündbar.
Alle Folgen
708 Folgen
Der Professor pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie über die Behandlung von Übergewicht bei Kindern Der GLP-1-Rezeptoragonist Liraglutid ist effektiv und sicher bei übergewichtigen Kindern zwischen sechs und zwölf Jahren. So lautet das Ergebnis der vom Unternehmen Novo Nordisk finanzierten SCALE-Kids-Studie, welche im September letzten Jahres im New England Journal of Medicine erschienen ist. Das Thema Adipositas wird auch bei den Jüngeren zunehmend relevanter: Knapp 15 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland sind von Übergewicht oder Adipositas betroffen. Bei einer Zulassung von Liraglutid für diese Altersgruppe stellt sich die Frage, welchen Stellenwert die Abnehmspritze im therapeutischen Setting haben wird. Im „ÄrzteTag“-Podcast schätzt Martin Wabitsch ein, für welche Kinder diese Arznei eine Therapieoption sein wird. Da die medikamentöse Therapie einer Ultima ratio entsprechen wird, betont Wabitsch, welche weiteren Maßnahmen trotzdem zuerst ergriffen werden sollten. Ein mögliches Problem von Liraglutid: Sobald es abgesetzt wird, könnten die Kilos wieder zurückkommen. Ob bereits im Kindesalter eine lebenslange Therapie eingeleitet werden muss oder auf die möglichen Vorteile des kindlichen Organismus gesetzt werden kann, ist ebenfalls Thema des Podcasts. (Dauer: 21:20 Minuten)

Ein Mitarbeiter und ein Nutzer berichten „Bis zu 50 Prozent mehr verdienen ohne zusätzliche Belastung in deinem Praxisalltag“ - mit Werbesprüchen im Internet wie diesem wirbt das Unternehmen Teleclinic für seine Plattform für Videosprechstunden bei Praxisärzten und MVZ-Ärzten. 4.000 Ärztinnen und Ärzte seien bei der Plattform mittlerweile registriert, berichtet Julian Simon aus der Geschäftsleitung des Unternehmens im „ÄrzteTag“-Podcast. Die Ärzte betreuten „weit über 100.000 Fälle im Quartal“, die meist über die Teleclinic-App zu den Videosprechstunden kommen. Das Angebot richtet sich auch an Vertragsärzte, die die Behandlung von Patientinnen und Patienten am Monitor auch über die Kassenärztliche Vereinigung (KV) nach EBM abrechnen können. Mit einzelnen Krankenkassen gebe es auch Selektivverträge, so Simon. Vor allem wegen der Möglichkeit der Kassenabrechnung ist Teleclinic mit seiner Plattform unter Hausärztinnen und Hausärzten hoch umstritten. Unter anderem wird dem Unternehmen vorgeworfen, dass über die Plattform überwiegend Patienten mit Bagatellerkrankungen behandelt würden und dass Ärzte, die mit der Plattform arbeiten, damit die Rosinen aus der Versorgung herauspickten und den Praxen vor Ort vor allem der schwere, aufwändige Teil bleibe. Und dies um so mehr, wenn ein Patient mehrmals im Quartal die Telemedizin-Plattform konsultiert, dabei aber dann von verschiedenen Ärzten betreut wird, die jeweils die Versichertenpauschale oder Grundpauschale abrechnen könnten. Damit werde dem System letztlich Geld entzogen, dass für eine umfassende hausärztliche Versorgung vor Ort benötigt wird. Im „ÄrzteTag“-Podcast diskutieren Hausarzt und Plattform-Nutzer Stefan Spieren und Teleclinic-Vertreter Julian Simon das Geschäftsmodell des Unternehmens. Viele Patienten, die er über die Plattform behandle, hätten gar keinen Hausarzt, berichtet Spieren, sie wüssten zum Beispiel nach einem Umzug gar nicht, an welche Praxis sie sich richten könnten. Thema im Podcast ist auch, über welche Behandlungspfade Patienten auf der Plattform zu den Ärzten unterschiedlicher Fachgruppen gelenkt werden, wie eine Ersteinschätzung online möglich werden kann, die nach der neuen Anlage 31c zum Bundesmantelvertrag Ärzte (BMV-Ä) obligatorisch ist, und wie Spieren eine gegebenenfalls erforderliche Folgebehandlung vor Ort per Videosprechstunde organisiert, wenn dies erforderlich ist. Auch wie die anderen Anforderungen der Anlage erfüllt werden können – zum Beispiel Priorisierung nach Behandlungsbedürftigkeit, Zuordnung nach räumlicher Nähe – wird von Spieren und Simon erläutert. Spieren erklärt im Gespräch auch, warum er seine Bestandspatienten, die per Video behandelt werden wollen, in der Regel über eine andere Plattform betreut, welche Möglichkeiten es gibt, die ärztliche Arbeitskraft dennoch zu nutzen, wenn einmal in der Praxis Patienten nicht zum Termin erscheinen, und was über Homeoffice per Videosprechstunde möglich ist. (Dauer: 43:45 Minuten)

Die ehemalige DEGAM-Präsidentin über Änderungen der Arzneimittelrichtlinie Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat die Verordnungsfähigkeit von Lipidsenkern erweitert. Der Beschluss ist Mitte Februar in Kraft getreten. Künftig können alle Personen, bei denen das Risiko für ein kardiovaskuläres Ereignis in den nächsten zehn Jahren bei mindestens zehn Prozent liegt, Cholesterinsenker verordnet bekommen. Bislang lag die Schwelle bei 20 Prozent. Potenziell könnten damit in Deutschland über 20 Millionen Personen Statine bekommen, statt bisher rund neun Millionen Menschen. Auch können Patienten mit familiärer Hypercholesterinämie, mit Diabetes mellitus Typ 1 mit Mikro-albumin-urie oder mit bestimmten risikoverstärkenden Erkrankungen Lipidsenker verordnet bekommen. Hier werden aufgelistet: Autoimmunerkrankungen wie systemischer Lupus, systemische Entzündungen mit vergleichbarem kardiovaskulärem Risiko, HIV-Infektion, Schizophrenie, bipolare Störungen und Psychosen mit vergleichbarem Risiko. Was die Änderungen des G-BA für die Hausärztinnen und Hausärzte in Deutschland bedeuten, ordnet Professorin Erika Baum im „ÄrzteTag“-Podcast ein. Sie ist Präsidiumsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM) und ehemalige DEGAM-Präsidentin. Auch spricht sie über mögliche Anpassungen der S3-Leitlinie Hausärztliche Risikoberatung zur kardiovaskulären Prävention. Shownotes: Weitere Informationen zur kardiovaskulären Risikoberechnung mit arriba: https://arriba-hausarzt.de/module/kardiovaskul%C3%A4re-pr%C3%A4vention [https://arriba-hausarzt.de/module/kardiovaskul%C3%A4re-pr%C3%A4vention] Zum Leitfaden „Medikamentöse Cholesterinsenkung zur Vorbeugung kardiovaskulärer Ereignisse“ der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft: https://www.akdae.de/arzneimitteltherapie/lf/leitfaden-cholesterinsenkung [https://www.akdae.de/arzneimitteltherapie/lf/leitfaden-cholesterinsenkung] Hier finden Sie heraus, wie viele Menschen von der Änderung der Arzneimittel-Richtlinie betroffen sind: https://www.aerztezeitung.de/Politik/G-BA-vor-Aenderung-der-Richtlinie-Statine-bald-fuer-Millionen-Menschen-mehr-455292.html [https://www.aerztezeitung.de/Politik/G-BA-vor-Aenderung-der-Richtlinie-Statine-bald-fuer-Millionen-Menschen-mehr-455292.html]

Der SpiFa-Vorsitzende Dirk Heinrich über Strukturreformen im Gesundheitswesen Noch vor dem Start der neuen Koalition haben die zukünftigen Koalitionspartner mit dem Beschluss über das Sondervermögen für Infrastrukturmaßnahmen Geld beschafft, um den Spielraum für den Bundeshaushalt zu vergrößern. Wie dieses Geld sinnvoll (auch) im Gesundheitswesen ausgegeben werden könnte und welche Strukturreformen nötig sind, damit die Lücken in der ambulanten Versorgung nicht zu groß werden: Dazu nimmt Dr. Dirk Heinrich, Vorsitzender des Spitzenverbands Fachärzte Deutschlands (SpiFa), im „ÄrzteTag“-Podcast Stellung. Die Reformvorhaben, die für das Gesundheitswesen anstehen, sind auch Thema auf dem SpiFa-Fachärztetag Ende März, unter anderem die bessere Steuerung von Patientinnen und Patienten, eine stärkere Eigenverantwortung der Patientinnen und Patienten und die weitere Umsetzung der Digitalisierung. Im Gespräch erläutert Heinrich, warum die Umsetzung der Krankenhausreform eigentlich erst wirklich sinnvoll ist, wenn klar ist, welche Operationen zukünftig ambulant gemacht werden sollen und wie die Strukturen nach einer dringend nötigen Notfallreform sich entwickeln werden. Die jüngsten Beschlüsse, auf lange Sicht das Honorarniveau an den EBM anzupassen, hält Heinrich für nicht zu Ende gedacht: „Dann wird niemand diese Leistungen anbieten“, so seine Prognose. Die Krankenkassen seien immer auf den „billigen Jakob“ aus, aber „Sie können eine Polypen-Operation bei Kindern nicht für 100 Euro erbringen“, so der HNO-Arzt weiter. Die Konsequenz werde auf lange Sicht sein: „Wartelisten, Wartelisten, Wartelisten – das ist unmenschlich“, schimpft Heinrich. Im Gespräch erläutert er auch, warum die aktuelle Politik „die Vertragsärzte in die Rente scheucht“, und was zu einer Verbesserung der Situation führen könne.

Und wie umgehen mit Ärzte-Bashing seitens der GKV „Die deutschen Krankenkassen sind die größten Zechpreller der Republik!“ – Martin Degenhardt, Politikchef der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) nimmt kein Blatt vor den Mund. Und seine Antwort auf jüngste Äußerungen von Uwe Klemens aus dem Verwaltungsrat des GKV-Spitzenverbands fällt in dieser Episode vom „ÄrzteTag“-Podcast noch deutlicher aus. Wir sprechen mit Degenhardt, der auch Geschäftsführer der Freien Allianz der Länder-KVen (FALK) ist, über Sondervermögen und Schuldenberge, Kriegstüchtigkeit, Wertschätzung für die Arbeit in den Arztpraxen und den ewigen Clinch mit den Krankenkassen. Und um die Frage: Warum wird die ambulante Versorgung in Deutschland so stiefmütterlich behandelt? Während Milliarden in Krankenhäuser und für Arzneiausgaben fließen, fühlt sich die ambulante Versorgung oft wie das fünfte Rad am Wagen, sagt Degenhardt. „Die Ausgaben pro Patient in einer Praxis liegen im Schnitt bei 716 €, in einer Klinik bei 9465 € – und trotzdem behandelt man uns wie ein Kostenproblem.“ Degenhardt wünscht sich eine „ehrliche Wertschätzung“ für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte und fordert: „Wir müssen mitreden, wenn es um die Zukunft des Gesundheitswesens geht – und nicht nur zuschauen.“ Die Frage, ob unser Gesundheitswesen nicht eigentlich auch zur Verteidigung gehört, beantwortet er mit Ja. Denn in einem Krisenfall müssen nicht nur Krankenhäuser, sondern auch die Praxen handlungsfähig sein. Dass dieser Aspekt in den aktuellen Investitionsdebatten kaum eine Rolle spielt, hält er für einen massiven Denkfehler. Der große Wunsch: Vertrauen statt Bürokratie Ein besonderes Anliegen ist ihm die Abkehr von der Überregulierung. „Ärztinnen und Ärzte werden von Krankenkassen mit Anfragen geflutet – und antworten oft aus Angst vor Regressen. Das ist Wahnsinn!“ Sein Rezept: Weniger Kontrolle, mehr Vertrauen. Denn die meisten Ärzte würden ihre Arbeit aus Überzeugung machen – und nicht, um das System auszunutzen. Was ihn besonders auf die Palme bringt? Der Umgangston der Krankenkassen. „Ich habe von der GKV noch nie ein einfaches ‚Danke‘ gehört!“ Stattdessen gäbe es vor allem Vorwürfe, Misstrauen und Blockaden. Sein Appell: „Ohne eine neue Vertrauenskultur werden wir die Gesundheitsversorgung in Deutschland nicht auf Kurs halten.“ Martin Degenhardt spricht Klartext – und fordert eine Gesundheitsdebatte, die sich nicht nur um Krankenhäuser dreht. Sein Wunsch an Politik und Krankenkassen: Weniger Folter, mehr Anerkennung – und eine echte Partnerschaft statt Dauerkonflikt.
Kostenlos testen für 30 Tage
Nach der Testphase nur 4,99 € / Monat.Jederzeit kündbar.
Exklusive Podcasts
Werbefrei
Alle frei verfügbaren Podcasts
Hörbücher
20 Stunden / Monat